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Wunderbare Jahre

Jetzt sitze ich hier und sehe mir zum mindestens 100-mal meinen dunkel roten Elch an, den ich von meinen Eltern zur Geburt geschenkt bekommen habe. Auf der rechten Seite des Geweihs ist mit schwarzen Faden: „Wir hatten einander; dann hatten wir dich; jetzt haben wir die ganze Welt! In Liebe Mama und Papa“ eingestickt! Ich muss an die ganze schöne Zeit denken, die ich zuhause verbracht habe. Dabei muss ich leicht grinsen!
„Du hast das Lachen ja doch noch nicht verlernt!“, ruft jemand aus dem hinteren Teil des Busses. Ich erkenne seine Stimme sofort! „Warum sollte ich es auch verlernt haben???“, frage ich ihn. „Du hast es schon so lange nicht mehr gemacht, Süße!“, antwortet er mir, während er auf mich zukommt. „Wenn du reden willst Mari, dann sag es einfach, ja? Du weißt, dass ich immer für dich da bin!“ Ich nicke nur und er setzt sich zu mir auf mein Bett. „Süße, sag schon, was ist los mit dir???“, flüstert er in mein Ohr, während er mich in seine Arme nimmt. Ich fange an zu weinen und erzähle: „Ich hätte nie gedacht, dass wir einmal so viel Erfolg haben werden! Ich habe mich nie darauf vorbereitet, immer Gott weiß wie weit von meiner Familie und meinen Freunden entfernt zu sein, und das auch noch für mehrere Monate!“ „Aber du hast doch uns!“, versucht er mich auf zu bauen. Ich nicke nur. Ich fühle mich irgendwie so alleine gelassen. Mir rollt eine Träne das Gesicht herunter und ich fühle, wie Markus mich etwas stärker umarmt. Er ist einfach der beste! Er kann mich auch in ganz miesen Situationen wieder aufmuntern! Wir kennen uns jetzt schon seit mehr als 23 Jahren! Unsere Mütter sind sehr gute Freundinnen! Wir beide mussten immer zusammen spielen, mochten uns aber nicht sonderlich! Als wir dann aber das gleiche Instrument (E-Gitarre) lernen wollten nahmen wir uns auch mehr Zeit uns kennen zu lernen! Wenn ich einen Griff, oder so etwas in der Art, nicht konnte, hat er es mir beigebracht! Wir verstanden uns immer besser und jetzt ist er schon seit mehr als 15 Jahren mein bester Freund und fast wie ein Bruder! Ich habe noch eine Zwillingsschwester, Marion und er einen Bruder, Toumas. „Er fehlt dir, nicht wahr?“, unterbricht er die Stille. Ich nicke wieder nur. „Dann ruf ihn doch an“, schlägt er vor. Mit er meint Markus meinen Freund.
Ich krame nach meinem Handy und gehe nach draußen vor den Bus. Dort tippe ich schnell seine Nummer ein und Begrüße ihn freudig: „Hallo Schatz! Wie geht es dir?“ Ich habe das Gefühl, als ob ich ihn gestört habe, und er grade alles andere will als mit mir zu telefonieren. „Hallo!“ Er redet nicht viel, doch im Hintergrund höre ich eine, mir nicht bekannte, Frau schreien: „Wer ist da am Telefon Liebling? Ist es deine Ex, diese Mari? Sag ihr bitte, dass sie nicht mehr anrufen soll!“
“Sag nicht, dass du dir schon eine andere gesucht hast. Wie konnte ich mich nur so in dir täuschen??? Ich habe dich geliebt wie keinen zweiten! Aber keine Sorge, du wirst nie wieder etwas von mir hören!“ Gekränkt schmeiße ich mein Handy weg und lasse mich schluchzend an dem Bus zum Boden rutschen.
Nach wenigen Sekunden höre ich die Türe aufgehen. „Hat er dich verlassen, Süße?“, fragt mich Onni, setzt sich neben mich auf den Boden und nimmt mich in den Arm. Ich nicke nur und fange an zu weinen. „Er hat schon eine andere dumme gefunden! Er hat es sich noch nicht einmal getraut mir zu sagen! Ich habe diese…die Frau im Hintergrund gehört. Ich hab mich so in ihm getäuscht!“, schluchze ich in seinen Pulli. „Wie geht es Jo?“
Er antwortet mir: „Der liegt immer noch mit 40°C Fieber im Bett. Timo versorgt ihn grade! Er ist, wenn er krank ist, noch schlimmer als ein kleines Kind!“ Er nimmt mich etwas fester in den Arm und meint fürsorglich: „Komm rein! Sonst wirst du auch noch krank.“ Er war echt immer wie ein großer Bruder zu mir, obwohl er ein paar Monate jünger ist als ich. Ganz brav gehe ich in unseren Bus. Dort ist es schon ganz dunkel. „Gute Nacht, Süße!“, flüstert mir Onni zu. „Duhuu, Onni? Kann ich heute Nacht bei dir schlafen? Ich will nicht alleine ins Bett gehen!“ Er nickt, was ich in dem stock dunklen Bus, nicht sehen kann. Ich stehe also da und warte auf eine Antwort. Als ich mich nach einer Minute immer noch nicht bewegt habe, nimmt er meine Hand und zieht mich zu sich. Er zieht mich so stürmisch, dass wir hinten rüber, auf sein Bett fallen. „Halt! Ich muss mich doch noch umziehen!“, protestiere ich. Er erinnert mich: „Ähm...du bist doch schon umgezogen und so weit ich mich daran erinnern kann, hast du dir auch schon die Zähne geputzt!“ Zufrieden kuschele ich mich also an ihn ran. Mitten in der Nacht wache ich auf. Wieso bin ich so urplötzlich wach geworden? Und was ist das für ein Gefühl tief in mir??? Ich drehe mich um und sehe zu Onni. Das Gefühl wird immer stärker, je länger ich ihn ansehe. Plötzlich schießt mir ein Gedanke durch den Kopf >Wie kurz bevor wir auf die Bühne gehen! < „Bist du wach, Süße?“, höre ich plötzlich eine Stimme flüstern.
Ich antworte ihm nur: „Mhm.“ Jetzt sieht er mir so tief in die Augen wie noch nie. >Ob er es auch fühlt? <, frage ich mich die ganze Zeit. Diese Frage erübrigt sich aber recht schnell. Langsam bewegen sich unsere Köpfe aufeinander zu.
Am nächsten Morgen wache ich auf und fühle mich einfach nur mies! Was haben wir nur gemacht? Einige werden zwar sagen, dass ein Kuss nicht die Welt ist, für mich ist es aber mehr als die Welt! Ich finde allein den Gedanken seinen Bruder (Anm.: Das ist er ja fast) zu küssen einfach fies! Als auch er die Augen aufschlägt strahlt er mich an. „Na, wie geht’s dir? Hast du gut geschlafen?“, fragt er mich hörbar gut gelaunt. Ich murre nur so etwas wie: „Mir geht’s nicht wirklich gut! Gut geschlafen habe ich aber.“ Er presst sofort seine Hand auf meine Stirn und diagnostiziert: „Ganz klar! Du hast Fieber! Tut dir sonst noch was weh?“ Ich versuche mich aufzurichten kann aber nicht, da mir irgendwie alles weh tut. „MHM ALLES! Darf ich hier liegen bleiben?“, frage ich Onni. Er nickt, springt über mich und durchsucht unsere kleine Küche nach allem Zeug, was wir sonst zum Krankheiten kurieren da haben. Hektisch rennt er hin und her und versucht Timo zu wecken. Schlaftrunken geht er an meinem, bzw. Onnis Bett vorbei, bleibt stehen und kommt, ungläubig guckend wieder zurück. „Was machst du denn hier? Schläft hier nicht eigentlich Markus?“, fragt er mich schließlich etwas dreckig grinsend. „Mach dir keine falschen Hoffnungen besorg mir lieber ne Aspirin!“, maule ich ihn an. Da kommt auch Jo und sieht mich genauso ungläubig an. „Sind wir hier im Zoo, oder wo sind wir? Habt ihr mich noch nie im Bett liegen sehen?“, maule ich weiter. Die beiden machen sich also auf den Weg Medikamente zu suchen. Jo geht es inzwischen sehr viel besser, so sieht er zumindest aus. Nach einer Weile kommen sie mit einem Becher aus der Küche zurück. Jo drückt ihn mir in die Hand und Onni meint: „Trink! Dann geht es dir bald besser!“ Ich vertraue ihm genauso blind, wie ich ihm letzte Nacht vertraut habe, und merke recht schnell, dass das ein großer Fehler war. Ich nehme einen Schluck von diesem komischen Zeug und muss mich echt zurück halten die bräunliche Flüssigkeit nicht auszuspucken. „WAS ZUM TEUFEL IST DAS? WOLLT IHR MICH UMBRINGEN?“, fluche ich. Timo setzt seine Unschuldsmine auf und erklärt mir: „Also, wir haben einfach all unsere ‚Geheim-Lebensrettungs-Rezepte’ zusammen gemixt. Meine heiße Milch mit Honig, deinen Kamillentee“ „Meinen Zwiebeltee mit Kandis“, fügt Jo hinzu und Onni beendet den Satz, „Und meinen Jägermeister mit dem Pfefferminztee. Soll ich dir denn noch etwas besorgen, meine Maus?“ MEINE MAUS? So hat er mich noch nie genannt! Er nennt mich immer nur Süße, das aber schon seit 15 Jahren! Er hat den Kuss wohl doch nicht vergessen. „Läkerol und nen Kaffee!“, krächze ich. Ich muss nicht lange warten, da sind wieder alle drei bei mir am Bett und ich habe eine Tasse Kaffee und eine Packung schwedischer Hustenbonbons in der Hand. Im Laufe des Mittags schlafe ich immer mal wieder ein. Doch immer wenn ich meine Augen aufschlage sitzt Onni bei mir am Bett.
Ob es für ihn doch etwas mehr gewesen ist, als nur ein Kuss??? Oder würde er das auch so für mich machen?
„Onni, wegen letzter Nacht, ich will nicht, dass du da etwas falsch verstehst! Ich weiß auch nicht wieso! Aber wir dürfen nicht! Wir dürfen auch nichts den anderen beiden erzählen!“ Er legt mir seinen Zeigefinger auf die Lippen und gibt mir einen Kuss. >Wieso versteht er mich nicht? < denke ich verzweifelt und sehe ihn auch so an. Das scheint er zu bemerken, da er nämlich schnell nach hinten ausweicht und auf seine Bettdecke sieht. „Ich glaub, ich geh lieber in mein Bett!“, flüstere ich leise. Noch verzweifelter ruft er leise: „Nein, warte! So hab ich das doch gar nicht gemeint! Ach verdammt!“ Doch da liege ich schon in meinem Bett. Ich kann hören, dass es ihm nicht sonderlich gut geht. Es hört sich sogar so an, als ob er weinen würde. Das ist auch eine Sache, die ich an ihm bewundere. Es ist ihm überhaupt nicht peinlich mal zu weinen, wenn es ihm nicht gut geht. Was sollte das alles? Was wollte er? Wir waren doch diese 15 Jahre so glücklich! Das schlimmste ist, dass er eine Freundin hat, die zuhause auf ihn wartet. „Was ist denn mit dir los, Große?“, fragt mich plötzlich Jo, der sich zu mir auf mein Bett gesetzt hat. Ich bin irgendwie wie weggetreten und starre nur an die Decke. „Ach nichts.“
„Komm sag schon! Du kannst auch mal mit mir reden! Du musst nicht immer nur mit Markus über deine Probleme reden“
„Er ist im Moment mein Problem!“
„Wieso das denn? Das hab ich noch nie mitbekommen, dass ihr euch mal nicht vertragen habt!“
„Wir haben uns letzte Nacht geküsst, und als ich dann heute Morgen meinte, wir dürften das alles nicht tun hat er mich noch einmal geküsst. Ich weiß auch nicht, mein Herz fand das nicht so schlimm, nur mein Kopf meinte, dass das alles nicht geht! Hast du die Telefonnummer von Laila? Ich würde sie gerne anrufen und ihr alles erzählen!“, frage ich ihn leicht schluchzend.
„Wieso willst du es ihr erzählen?“
„Weil sie seine Freundin ist und ein Recht darauf hat so etwas zu erfahren!“
Er stockt: „Aber, weißt du denn gar nicht, dass sie seit fast zwei Monaten auseinander sind? Ich dachte, er würde es dir als erstes erzählen!“ Ich nuschle etwas deprimiert und verwirrt: „Das dachte ich auch einmal...Danke Jo!“
„Keine Ursache! Wenn du das nächste mal ein Problem mit Markus hast, dann komm einfach zu mir!“
Er steht langsam auf, streicht mir noch einmal über mein Haar und geht dann langsam. Nun sitze ich ganz alleine und völlig verwirrt in einem dunkeln Bus in einem mir völlig fremden Land. Habe ich grade etwa meinen ‚Bruder’ verloren? Ist mein aller bester Freund grade mit einem Satz von einem meiner anderen besten Freunde für immer verschwunden? Ich weiß gar nichts mehr. Ich versuche Onni die meiste Zeit aus dem Weg zu gehen, doch nach drei Tagen kommt er zu mir und sagt traurig: „Mari ich muss mit dir reden! So kann das nicht weiter gehen! Ich merk doch, dass du mir aus dem Weg gehst! Machst du das alles nur wegen diesen beiden Küssen?“
„Onni, ich dachte, du wärst mein bester Freund! Freunde erzählen sich immer alles! Auch wenn es noch so schlimm ist!“ Ich sehe ihn etwas sauer und tief verletzt an.
„Von wem hast du es erfahren?“, fragt er mich etwas erstaunt. Ich antworte immer noch beleidigt: „Ich habe in unserer Band halt noch echte Freunde...Jo hat es mir erzählt!“
Er setzt sich auf mein Bett und versucht mir einen Arm um die Schulter zu legen, doch ich wehre ab. Wie kann er mich nur so verletzten? Er ist schon der zweite Mann, den ich wie keinen anderen geliebt habe und der mich einfach so verletzt. Onni habe ich auf eine andere Art geliebt, trotzdem habe ich ihn geliebt und ich habe ihn gebraucht!
Ich verhalte mich zwar sehr stark, bin aber tief im Inneren traurig und alleine. Verzweifelt fragt er mich: „Mari, was kann ich tun, damit du mir verzeihst? Ich wollte dich nicht auch noch mit meinen Problemen belasten! Du hast doch schon genug eigene!“ Jetzt bin ich noch verwirrter. „Ja aber...Ich hab nur noch eine Frage. Warum hast du mich dann zweimal geküsst? Ich mein...Wir waren doch mal so glücklich! 15 Jahre!“, seufze ich. Er sieht auf meine Bettdecke und schluchzt: „Ich weiß! Das war einmal! Aber...aber ich hab mich in dich verliebt!“ Das schockt mich dann doch etwas! Ich hätte alles erwartet, aber nicht das! Also nuschele ich: „Tut mir Leid, aber das ist jetzt schon etwas heftig für mich!“ Wir sitzen noch recht lang so da und starren auf meine Bettdecke. Ich weiß auch nicht was mich dazu bewegt, aber ich sehe ihn an, und küsse ihn. Er steht auf und flüstert mir zu: „Du hattest Recht! Wir dürfen nicht! Gute Nacht Mari.“ Er legte sich mir gegenüber auf das Bett und schließt seine Augen. >Was hast du da grade gemacht? Was sollte das? Was er jetzt wohl von mir denkt<, denke ich mir. Mich quälen so viele Gedanken, dass ich nicht einschlafen kann. Ich sehe die ganze Zeit Markus an und denke an die schöne Zeit. Die ganze Zeit hallt seine Stimme in meinem Kopf: „Du hattest Recht! Wir dürfen nicht! Gute Nacht Mari.“ Ich habe bei dem Kuss doch auch was gespürt. Ich kann nicht anders und wecke ihn auf. „Markus, ich muss mit dir reden!“
Er murrt nur: „Mari, es ist mitten in der Nacht! Wir haben grade mal halb vier! Lass mich schlafen! Reden können wir auch noch morgen!“
„Du hast mir mal versprochen, dass ich immer mit dir reden kann, wenn ich dich brauche und jetzt brauche ich dich!!!“, erwidere ich, „Hast du jetzt was gegen mich? Ich meine, du nennst mich nur noch Mari und bist so anders. Ich versteh dich einfach nicht! Erst wolltest du und wenn ich dann will, willst du wieder nicht! Ich werd einfach nicht schlau aus dir!“
„Witzig! Ich hab mich in meine beste Freundin verliebt die aber, was ich verstehen kann, keine Gefühle für mich hat. Was soll ich denn machen? Soll ich vor Freude in die Luft springen? Es hat sich so viel verändert!“, seufzt er. „Aber ich hab doch auch Gefühle für dich...“unterbreche ich, die wieder eintretende, Stille. Plötzlich sitzt er Kerzengrade in seinem Bett, doch dann guckte er wieder so traurig. „Nein! Nicht nur freundschaftlich!!! Ich meine, seitdem ich krank war und bei dir geschlafen hab, hab ich so ein anderes Gefühl im Bauch! Es hat sich auch bei mir viel verändert Markus! Ich weiß noch nicht genau, ob es wirkliche Liebe ist, es ist aber anders als bisher!“ Plötzlich grinst er mich wieder breit an. „Ich hab dich lieb, Süße! Schlaf jetzt lieber!“, lächelt er. >Aha, er lässt die Zeit bestimmen! Ok. wenn er meint! <, denke ich. „Ich hab dich auch lieb Onni!“, flüstere ich ihm zu und schlafe glücklich ein.
„Mhm? Was???“, frage ich noch ganz verwirrt. Als ich meine Augen aufschlage sehe ich direkt in Onnis Gesicht. „Wah! Musst du mich so erschrecken???“
„Das heißt ‚Guten Morgen lieber Markus!’ und nicht ‚Wah, musst du mich so erschrecken?’!“, grinst er ganz gelassen, „Guten morgen meine Süße! Hast du gut geschlafen?“ „Morgen Onni! Sehr gut! Und du?“, frage ich ihn. Er antwortet mir: „Ich habe super geschlafen, danke der Nachfrage! Möchtest du auch einen Kaffee haben??? Ich hätte hier noch einen anzubieten.“ Doch da kommt Jo an ihm vorbei. „Dankeschön! Kannst du Gedanken lesen? Ich wollte mir grade einen holen!“, bedankt er sich und geht in unser ‚Esszimmer’. „Is nich schlimm! Dann eben nich! Ich wollte eh aufstehen!“, grinse ich. Doch ehe ich aufgestanden bin steht er wieder vor mir und hält mir eine Tasse Kaffee unter die Nase. „Was würde ich nur ohne dich machen?“, frage ich ihn zufrieden lächelnd. Er antwortet mir noch breiter grinsend: „Nicht viel!“ Da fällt mir unser nächtliches Gespräch wieder ein. „Onni, das was du in der letzten Nacht alles gesagt hast, meintest du das auch so? Ich meine, das mit der Liebe? Ich meine, dass ist ein großes Wort!“, stottere ich vor mich hin. „JA! Ich meinte ALLES so, wie ich es dir gestern erzählt habe! Wieso sollte ich dich anlügen? ICH LIEBE DICH! Verstehst du? Ich habe selten etwas so ernst gemeint, wie das, was ich dir letzte Nacht gesagt habe“, flüstert er mir zu. Es muss ja nicht gleich die ganze Welt mitbekommen, dass sich der Gitarrist einer, in Schweden recht berühmten, Band in die Sängerin der gleichen Band verliebt hat. Er setzt sich zu mir auf mein Bett. „Willst du unter meine Decke kommen?“, frage ich ihn etwas misstrauisch. Er sieht mich ungläubig an, kriecht dann aber doch zu mir. Wir sitzen auf meinem Bett und reden. Es ist fast alles so wie früher, aber eben nur fast. Wir haben uns etwas entfremdet. „Müssen wir heute nicht auch noch ein Konzert geben?“, frage ich ihn plötzlich ganz geschockt, als ich auf meine Uhr sehe. Er schüttelt nur seinen Kopf. „Nee. Wir haben eine Woche frei, weil du und Jo ja krank waren! Deine Stimme hört sich auch immer noch nicht wie immer an! Jo und Timo wollten heute einkaufen fahren, die beiden waren aber schon fast weg, als du grade aufgewacht bist! Böse?“ „Nein! Es tut gut, mal wieder mit dir zu reden! So wie früher, eben!“, antworte ich ihm. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich im Moment die Gabe habe, immer das Falsche zu sagen. Er sieht mich wieder so traurig an und flüstert kaum hörbar: „Süße, es wird NIE wieder wie früher“ Ich drehe seinen Kopf in meine Richtung, so dass er mir ganz tief in die Augen schaut. >Jetzt oder Nie< Ich entscheide mich für JETZT. Also ziehe ich ihn ein bisschen näher an mich heran. Er schaut ein bisschen verdutzt drein, doch das ignoriere ich einfach und gebe ihm einen leidenschaftlichen Kuss. „Was war das denn jetzt?“, fragt er mich nach dem Kuss. „Noch nie geküsst?“, frage ich ironisch. Er knufft mich einmal in die Seite und antwortet: „Doch, aber noch nicht oft! Du kannst mir ja Nachhilfe darin geben“ Er zwinkert mir einmal zu und ich nicke nur. Er legt sich hin und ich schließe den Vorhang.
„Lektion 1: Suche dir deinen Kusspartner immer gut aus.“, fange ich an zu erklären, „Lektion 2: Beiße deinem Kusspartner NIE in die Zunge!
Lektion 3: Küsse immer mit viel Leidenschaft! Bisher verstanden?“ Er nickt wieder. „Gut, dann lass uns zum praktischen Teil kommen.“ Jetzt, wo wir beide drauf eingestellt sind, und wir beide unseren Gefühlen bewusst sind küsst er noch viel besser. Nach einer Zeit lege ich mich neben ihn, da Jo und Timo wieder zurückkommen. Jo zieht den Vorhang schwungvoll zurück und grinst uns an: „Na, was habt ihr beiden Süßen denn heute schönes gemacht?“ „Jo, sei nicht immer so fies!!! Wir haben uns unterhalten! Und ihr?“ Da fällt Timo in unser Gespräch ein: „Wir haben euch was mitgebracht! Steht mal eben auf.“ Wir stehen also auf und gehen in unser ‚Wohnzimmer’, eigentlich nur ein Teil des Busses mit einem Sofa, Fernseher usw., dort angekommen halten uns die Beiden unsere Augen zu und drücken uns ein recht großes Päckchen in die Hände. Wir dürfen unsere Augen und das Päckchen öffnen. Ich glaube wir gucken ein bisschen blöde, da wir jetzt unsere erste GOLDENE Platte in Händen. „Jo, ist die echt???“, frage ich sehr ungläubig. Die beiden gucken mich an wie die Unschuld vom Lande und Timo meint nur: „Natürlich! Wir würden euch doch NIEMALS etwas vormachen!“ >War das jetzt eine Anspielung? <, frage ich mich. Vor Freude falle ich Onni in den Arm und gebe ihm einen Kuss. Jetzt sind Jo und Timo die beiden, die etwas verwirrt drein schauen. „Ihr beide?“, fragt Timo. Ich nicke nur verlegen und sehe auf den Boden. Jo grinst wieder so, wie immer eigentlich, und fragt: „Ihr beide seid zusammen? Ihr verarscht uns auch nicht?“ Ich flüstere Onni zu: „Sorry, ich weiß nicht, ob ich den beiden das schon sagen will.“ Also rufen wir gleichzeitig: „Verarscht! Seid ihr wirklich darauf reingefallen?“ Jo sieht uns beleidigt an und sagt: „Das sah aber wirklich ganz schön real aus! Ihr seid doof!“ Ich nehme ihn in den Arm und drücke ihn einen leichten Kuss auf die Wange. „Jetzt freu dich doch lieber über unserer GOLDENE Platte! Aus welchem Land is n die?“, frage ich in die Runde. Jo hat sich wieder beruhigt und antwortet mir: „Sie sind aus Schweden! Unser Album war gleich in der ersten Woche ausverkauft!“ Vor Aufregung und Freude steigen mir Tränen in die Augen und ich falle jetzt auch noch Timo in die Arme. Ich freue mich echt sehr, dass wir in MEINEM Land so viel Erfolg haben. In meinem Heimat- und Lieblingsland Schweden. Ich koche uns allen Kaffee und wir setzten und auf unser Sofa. Wir reden noch lange, trinken Kaffe und spielen auf unserer alten Akustik Gitarre. Nach einer Zeit werde ich immer müder. Ich lehne mich an Onnis Schulter. Ich merke nur noch, wie er einen Arm um meine Schulter legt, bevor ich einschlafe. Mitten in der Nacht wache ich auf. Der ganze Bus ist schon dunkel und ich merke, dass Onni seinen Arm immer noch um mich gelegt hat! Ich versuche mir eine halbwegs bequeme Schlafposition zu verschaffen. Ich drehe mich also etwas um und kuschele mich an ihn ran. Er riecht so gut! Er duftet fast schon. Es ist eine Mischung aus Hugo Boss, Kaffee und Pfefferminzkaugummis. Ich schnuppere noch einmal an ihm, doch da wacht er auf. „Hey, was machst du da?“, lacht er. „Ich rieche an dir“, nuschele ich in sein Shirt. Auf einmal streicht er über meine Haare. Ich hebe meinen Kopf ein Stück und schaue ihn an. Seine blau grauen Augen leuchten so geheimnisvoll und ein Lächeln breitet sich über seinem Gesicht aus. „Wollen wir rüber gehen?“, fragt er leise. Mein Herz klopft, als ob es gleich zerspringen würde. Ich fühle mich so wohl in seinen Armen. Doch warum habe ich diese Gefühle vorher nie gespürt? Warum kam das alles jetzt so plötzlich? „Nur, wenn ich wieder mit zu dir ins Bett kommen darf!“, grinse ich ihn breit an. Er nickt nur und zieht mich mit zu seinem Bett. „Warte, ich hole nur noch meine Decke“, sage ich und will schon loslaufen. „Wir haben hier doch eine“, grinst er und hält seine Decke ein stück hoch. >Wieso eigentlich nicht? < frage ich mich und krieche zu ihm unter die Decke. Kurz vorm einschlafen frage ich ihn noch: „Seit wann hast du eigentlich...diese...Gefühle?“ Er antwortet mir verschlafen: „Schon so lange! Wegen dir habe ich mich von Laila getrennt! Ich hatte aber eh nie richtige Gefühle für sie. Mir ist klar geworden, dass ich eigentlich immer nur dich geliebt habe, und nicht all die andern. Ich wollte es mir aber nie eingestehen! Ich hatte Angst, ich könnte dich verlieren!“ Das hat mich jetzt doch etwas erstaunt! „Warum nennst du mich eigentlich immer Onni?“, fragt er mich urplötzlich. Ich antworte ihm: „Weißt du, Onni heißt doch so viel wie Glück! Es ist für mich ein GROSSES Glück, dich kennen gelernt zu haben. Du bist echt das Beste, was mir jemals passiert ist! Deswegen Onni!“ Er richtet sich auf und küsst mich. Nach dem Kuss kuschele ich mich wieder an ihn heran und schlafe zufrieden ein.

„Ich wusste es doch!“, mosert Timo. Timo, unser Bassist, ist eigentlich der vernünftigste. Er sorgt für uns alle wie ein großer Bruder, wenn wir mal wieder über die Strenge schlagen. „Ich bin der Meinung, das war ein sehr großer Fehler, der sich nicht unbedingt wiederholen sollte“
Als er wieder verschwunden ist bin ich mir nicht mehr so sicher, was ich wirklich fühle und flüstere Onni zu: „Vielleicht hat er Recht! Vielleicht ist es wirklich nur ein Fehler gewesen! Wir sind zu weit gegangen. Ich liebe meinen besten Freund, verdammt wie klingt denn das?“ Mir steigen Tränen in die Augen. Nein, ich will jetzt nicht weinen. Eigentlich will ich auch nicht glauben, was ich grade von mir gegeben habe. „Heißt das, es war alles nur ein Spiel für dich? Ein ‚Fehler’ der mal passieren und den man ganz schnell wieder ausbügeln kann?“ Ich senke den Kopf. „Verdammt Mari, sieh mich an, wenn ich mit dir rede!“ Ich schaue ihm wieder in die Augen. „Ist es das, was du wolltest? Ein Abenteuer? Ein kleiner Flirt? Nicht mehr?“ Er sagt nichts, sondern schaut mich nur weiter mit diesem unergründlichen Blick an. Sein Blick ist jetzt so kalt. Er steht vom Bett auf und verlässt den Bus. >Verdammt, was habe ich da nur gesagt! Ich war mir doch am Anfang so sicher. Jetzt habe ich ihn für immer verloren<, schießt es mir durch den Kopf. Ich stehe auf und folge Onni. Er sitzt vor unserem Tourbus und ich kann hören, dass er weint. Ich setzte mich zu ihm. „Onni, es tut mir so leid! Ich habe das alles nicht so gemeint! Ich war mir nur für einen Augenblick nicht mehr ganz so sicher! Kannst du mir noch mal verzeihen?“ Er nickt, ich umarme ihn und er gibt mir zur Versöhnung einen Kuss. „Siehst du da oben den Stern?“, fragt er mich plötzlich. Ich nicke nur und er redet weiter: „Das ist mein Stern, Mari! Mein Opa hat ihn mir mal so zu sagen geschenkt. Nun möchte ich ihn dir schenken, Süße. ICH LIEBE DICH! Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn das deine Entscheidung gewesen wäre.“ „Ich weiß es auch nicht! Lass uns jetzt wieder rein gehen! Sonst wirst du noch krank!“, lächele ich. Wir stehen also auf und gehen in den warmen Bus. Dort angekommen setzten wir uns aneinander gekuschelt auf das Sofa. Im Moment ist es mir völlig egal, was Jo und Timo von uns denken, oder was sie sagen. Und als wenn sie es gerochen hätten kommen sie schon angedackelt. Jo schaut uns, mal wieder, so begriffsstutzig an, er sagt aber nichts zum Thema. Wir unterhalten uns super lange, doch ich werde immer müder. Langsam fallen mir meine Augen zu. Ich merke nur noch, wie meine Jungs den Fernseher anschalten und sie sich über die deutschen TV-Sendungen aufregen. Das tun sie eigentlich immer. Entweder sind die Sendungen zu gut für dieses Land, oder sie lästern ab, was für ein Scheiß die Deutschen gucken.
Ich werde wach, weil ich das Gefühl habe aus dem Bett zu fallen. Ich versuche mich aufzurichten, bemerke aber, dass mich jemand fest im arm hält. Ich öffne meine Augen und sehe...nichts. Hm... scheint Onni zu sein. Er schläft. Ich spüre wie sich seine Brust gleichmäßig hebt und senkt. Ich fühle seinen Atem in meinem Haar. Vorsichtig versuche ich mich aus der Umarmung zu befreien, um ihn nicht zu wecken, aber das hätte ich lieber lassen sollen, denn es bewirkt genau das Gegenteil: er dreht sich ein wenig auf die Seite. Klasse. Jetzt umklammert er mich mit beiden Armen und ich hab überhaupt keine Chance mehr wegzukommen. Also ergebe ich mich in mein Schicksal und versuche eine möglichst bequeme Schlafposition zu finden, ohne ihn aufzuwecken. Das gelingt mir auch nach einigen Anläufen und ich schlafe an Onni gekuschelt wieder ein. >Mhm...wie gut er riecht! <, denke ich mir kurz bevor ich einschlafe.
„Aufstehen!“, flüstert mir jemand ins Ohr. „Mhm...was ist denn?“, frage ich schlaftrunken und wuschele mir durch die Haare. „Du bist gestern in meinem Arm eingeschlafen und ich wollte dich nicht wecken, also bin ich hier geblieben“, antwortet Onni. Jetzt fällt es mir wieder ein. Ich war aber auch wirklich müde. „Danke, das ist lieb, aber du hättest mich ruhig wecken können“, sage ich. „Ich weiß doch, dass du in letzter Zeit so schlecht schläfst und da dachte ich mir, wenn du schon mal schlummerst wie ein Baby, dann will ich nicht derjenige sein, der dich aus den Träumen reißt“, lächelt er mir zu. Ich lächle zurück: „Was täte ich nur ohne dich?“ „Nicht viel“, grinst er. „Ich tu jetzt mal so, als ob ich das nicht gehört hätte und koche uns nen Kaffee.“ Mit den Worten steh ich auf und laufe zur Kaffeemaschine an der ich auch auf Jo treffe. „Morgen. Gut geschlafen?“, fragt er nicht ohne Grinsen und ironischen Unterton. „Danke, sehr gut!“, gebe ich zurück und versuche dabei gaaaanz ruhig zu bleiben. „Na dann ist ja gut“, stichelt Jo weiter. „Sei still, oder ich koch dir keinen Kaffee mit!“ >Das zieht doch immer<, freue ich mich. Grinsend stell ich mich also vor unsere nagelneue Kaffeemaschine. „Kann mir mal jemand diese Ding erklären?“, frage ich verzweifelt in die Runde aus, mittlerweile 3, mir belustigt zusehenden Männern. Onni kommt auf mich zu, drückt mir einen Kuss auf den Mund und grinst: „Frauen und Technik! Natürlich erkläre ich dir unsere Kaffeemaschine, Liebling!“ Für das ‚Liebling’ kassiert er zwei böse Blicke. Einen von mir, und einen besonders bösen von Timo.
Er bleibt aber trotzdem seelenruhig und erklärt mir die neue Maschine. Als wir uns mit den vier Tassen wieder zurück zu den anderen auf des Sofa setzten schaut uns Jo verwirrt an.

„Möchtest du mitkommen Große? Timo und ich wollen München unsicher machen“, fragt mich Jo „Nee lass ma. Ich wollte eigentlich noch neue Songs schreiben! Viel Spaß euch beiden!“, rufe ich ihm nach. Ich höre Schritte, die sich auf mein Bett zu bewegen. „Nein Jo! Ich hab wirklich keine Lust!“, knurre ich. „Gut, dann nicht! Ich bin dann auch in meinem Bett!“ Es Ist Onni. Schnell antworte ich ihm: „NEIN! Bleib ruhig hier! Is schon gut so!“ Er setzt sich zu mir auf mein Bett. Er sieht mich so an, wie er es immer tut, wenn er zu Weihnachten sein Geschenk haben will, oder wenn wir einen Streit hatten und er sich entschuldigen will. Ich liebe diesen Blick! Ich fahre ihm mit der Hand durch die Haare. Er schließt genießerisch die Augen. „Ich liebe dich auch“, flüstere ich ihm ins Ohr. Er öffnet die Augen wieder. „Was hast du grade gesagt?“, fragt er ungläubig. „Ich sagte: Ich liebe dich.“ Er schaut mich immer noch an, als ob er nicht verstehen würde. „Aber ich dachte...“, setzt er an. „Die Dinge ändern sich“, sage ich und schaue ihm direkt in die Augen. Er lächelt mich an. „Darf ich dich jetzt küssen?“, fragt er. Statt einer Antwort ziehe ich ihn zu mir heran und gebe ihm zum ersten Mal so richtig von mir aus einen langen, innigen Kuss. Nach dem Kuss sieht er mir ganz tief in meine Augen. Wie ich seine grau blauen Augen liebe!!! „Was mache ich nur, wenn wir uns nach unserer Tour nicht mehr täglich sehen? Ich glaube, ich muss sterben!“, flüstere ich ihm zu. „Noch ist es ja noch nicht so weit! Jetzt genieße doch erst mal die Zeit! Wir haben ja noch einen Tag an dem wir zusammen sein können.“ Er nimmt mich in den Arm, streicht mir über mein Haar und gibt mir einen leichten Kuss. Ich fühle mich so wohl bei ihm im Arm. „Hab ich dir eigentlich schon mal gesagt wie gut du riechst?“, frage ich ihn. Er lacht: „Nein, das hast du noch nie gesagt. Aber danke!“ er gibt mir noch einen Kuss und schaltet dann das Radio an. Ein deutsches Lied ertönt. „Verstehst du das?“, frage ich Onni. Er hatte ja immerhin fünf Jahre Deutsch in der Schule. „Mhm...ich glaube, der singt irgendwas von schönen Jahren.“ Wir hören weiter zu. Mir gefällt das Lied ausgesprochen gut! Der Radiomoderator verrät am Ende des Liedes, dass es ‚Wunderbare Jahre’ heißt. „Wenn ich mal Zeit habe, dann übersetzte ich es dir!“, verspricht mir Onni. Ich lächle ihn an und schlafe langsam in seinem Arm ein. Am nächsten Tag heißt es Koffer packen. Wir fahren nicht mit unserem Bus zurück, weil wir am nächsten Tag einen Auftritt haben. Deswegen nehmen wir einen Flieger. Im Flugzeug hört Onni die ganze Zeit Musik und schreibt wie wahnsinnig, Jo schläft und Timo ‚ließt’ eine deutsche Zeitung die er sich grade gekauft hat. Er hatte zwei Jahre Deutsch in der Schule und ist darauf sehr stolz. Er kann zwar grade mal ‚Hallo’ und ‚Auf Wiedersehen’ sagen aber meint trotzdem, das er super deutsch versteht. „Du! Hier ist ein Artikel über uns drin! ‚Die Durchstarter aus dem hohen Norden...Thunderstorm’ Hört sich doch schon gut an, oder?“, freut er sich und ließt dann weiter vor: „’Für Gänsehaut Fans gibt’s jetzt ein neues Gewitter der guten Musik. Aus Schweden direkt auf Platz eins der deutschen Charts. Die Stimme der Sängerin Mari, ist genauso außergewöhnlich aber schön wie die düsteren Melodien und meist melancholischen Texte’ Ich finde, das ist doch schon mal ne super Überschrift, oder?“ Ich nicke nur. Mich interessiert im Moment mehr, was Onni da hört und besonders schreibt. Wir landen und gehen noch zusammen durch das Gebäude zum Ausgang. Als wir draußen angekommen sind ruft jemand Timo an. Nach einer Weile des Bejahens erzählt er uns: „Unser Auftritt morgen fällt aus! Wir haben eine Woche Ferien!“ Super! Mein Blick wird ganz traurig. „Dann sehen wir uns wohl in sieben Tagen wieder“, sagt Jo als wir an der Straße vor dem Flughafen stehen. Allgemeines nicken. „Ruft mal an und sagt bescheid, wie’s so läuft“, verabschiedet sich Timo, der schon halb in ein Taxi eingestiegen ist. „Klar“, gebe ich zurück und gebe ihm noch einen leichten Kuss auf die Wange. Er zieht die Tür hinter sich zu und das Auto fährt los. „Und wo kann man euch die Woche erreichen?“, fragt Jo. „Handy. Ich werde wohl erst Marion und dann meine Eltern besuchen“, antworte ich. Onni nickt. „Handy ist auch bei mir am besten.“ Jo guckt verständnislos. „Ich dachte, du bist zuhause. Dann kann ich dich doch auch in deiner Wohnung anrufen“, sagt er. „Mhm...“, nuschelt Onni. „Ich glaub, du hast den Urlaub bitter nötig. Weißt noch nicht mal, wo man dich erreichen kann“, sagt Jo und winkt sich jetzt auch eine Taxe ran. „Na dann, bis bald mal“, sagt er, ich gebe auch ihm einen Kuss auf die Wange, er steigt ein und das Taxi fährt ab. Jetzt sind nur noch Onni und ich übrig. „Ich rufe dich so schnell wie möglich an“, sagt er und schaut mich an. Ich nicke. „Du wirst mir fehlen.“ „Du wirst mir mehr als fehlen! Ich vermiss dich jetzt schon!“, gebe ich zurück. Immer noch stehen wir nebeneinander und wissen nicht so recht was wir machen sollen. Endlich gebe ich mir einen Ruck und nehme ihn in den Arm. „Hey Maus, dass das nicht zur Gewohnheit wird. Das ist doch sonst mein Part“, grinst er. Ich vergrabe mein Gesicht in seiner Jacke und atme ein letztes Mal seinen Duft ein. Mir steigen Tränen in die Augen. „Nicht weinen, Süße! Wir sehen uns doch schon bald wieder!“, will er mich aufmuntern. Ich nicke und löse ich mich von ihm. „Tschüss und vergiss nicht, dich zu melden“, sage ich und drücke dem Taxifahrer, der inzwischen auf meinen Wink hin neben uns gehalten hat und ausgestiegen ist, meine Tasche in die Hand. „Wie könnte ich“, gibt er zurück und drückt mir einen Zettel in meine Hand. Ich gebe auch ihm noch einen Kuss. Aber diesmal einen richtigen. Ich setze mich in den Wagen. Und schließe die Tür. „Wohin soll’s denn gehen?“, fragt der Fahrer. Ich nenne ihm Marions Adresse. Er fährt los. Im Rückspiegel sehe ich, wie Onni immer kleiner wird und schließlich ganz verschwindet. Ich schließe die Augen weil ich mich beherrschen muss jetzt nicht anzufangen zu heulen. Es ist so, als würde ich spüren, dass ich ihn nicht mehr so wie grade eben in den Arm nehmen kann. Aber wieso spüre ich so was? Was soll schon groß passieren?

„Mensch, da bist du ja endlich“, ruft Marion und fällt mir um den Hals. „Du hast mir gefehlt, Schwesterchen. Wie geht’s dir und den anderen?“ „Jetzt lass mich doch erst mal richtig reinkommen“, lache ich und laufe an ihr vorbei in den Flur. „Da hast ja gar nichts verändert. Alles sieht immer noch wie vor drei Monaten aus, als ich weggegangen bin“, stelle ich fest und lasse mich im Wohnzimmer in einen der Sessel fallen. „Mir gefällt es so“, sagt sie und setzt sich mir gegenüber auf die Couch. „Jetzt erzähl doch mal, wie es war“, fordert sie mich auf. Ich berichte ihr haarklein alles vom ersten Interview bis zur Trennung am Flughafen, nur meine Gefühle für Onni verschweige ich. „Na, da wart ihr ja die ganze Zeit beschäftig. Was machen denn die anderen so in ihren „Ferien“?“, fragt sie. „Onni ist bei seinem Bruder, aber was machen Jo und Timo?“, fügt sie noch hinzu. „Sind bei ihren Freundinnen“, antworte ich knapp. „Was ist eigentlich mit deinem Freund?“, fragt sie mich. „Der hat mich verlassen!“, antworte ich. „Ich mochte den eh nie!“, lästert sie über ihn ab. „Ich muss noch eine Kleinigkeit einkaufen, soll ich dir was mitbringen?“, fragt sie und steht auf. Ich schüttele den Kopf. „Ok, dann geh ich mal. Ich nehme mein Handy mit, falls was ist“, sagt sie. Wenig später höre ich die Tür ins Schloss fallen. Endlich Ruhe. Ich schließ die Augen und habe sofort sein Gesicht vor Augen. Ich stehe auf, gehe ins Bad und dusche. Tut das gut. Es ist, als ob das Wasser meine Trauer mit sich davon schwemmen würde und zurück bleibt nur die Müdigkeit, die sich über die letzten Tage angestaut hat. Ich lächle vor mich hin. Ist ja auch kein Wunder bei den ganzen nächtlichen Geschehnissen. Nach einiger Zeit drehe ich den Hahn wieder zu und steige aus der Dusche. Ich schaue in den Spiegel. Das soll ich sein? Eine kreideweiße Mari mit tiefen Augenringen blickt mir entgegen. Ich sollte mich wirklich hinlegen und etwas schlafen. Ich wickle mir ein Handtuch um und gehe in mein Zimmer. Auch hier ist nichts verändert worden. Ich ziehe die Vorhänge zu, lasse mein Handtuch auf den Boden vor meinem Bett fallen und krieche unter die Decke. Es dauert keine fünf Minuten, bis ich in einen unruhigen Schlaf hinüber geglitten bin.

Ich wache auf und sehe auf meinen Wecker. „Schon halb sieben“, knurre ich verschlafen. Marion ist immer noch nicht wieder zurück. Oder sie ist schon wieder weg? Ich stehe langsam auf und gehe in die Küche. Auf dem Tisch liegt ein Zettel.
„Hallo Schwesterlein,
ich bin noch eben weg. (UNI!!!) Ich habe mein Handy dabei, falls etwas sein sollte. HDL! Marion*“, steht mit Edding auf diesem weißen Blatt Papier geschrieben.
Was die anderen jetzt wohl machen? Frage ich mich die ganze Zeit. Ich werde noch wahnsinnig, wenn ich weiter hier in dieser dunklen Wohnung sitzen bleibe. Ich schnappe mir also meine Tasche, ziehe mir meinen Mantel und meine Schuhe an und gehe nach draußen. Im Park sehe ich 100te von Pärchen die verliebt an all den Bäumen vorbei schlendern. Innerlich frage ich mich die ganze Zeit ob ich nicht eben bei Onni vorbei gehen sollte, komme aber immer wieder zu dem Entschluss, es sein zu lassen. Ich setzte mich also auf eine Parkbank. In dem Moment fällt mir wieder ein, dass ich noch einen Brief von Onni in meiner Tasche habe. Ich krame ihn also heraus und falte ihn auf. Auf dem hell gelben Papier hat Onni mit dunkel roter Tinte geschrieben:

„Hallo Liebling,
ich will, dass du weißt, dass ich dich über alles liebe und dich niemals in meinem Leben vergessen werde, egal, was passiert! Ich habe dir das Lied besorgt, was im Radio lief. Ich habe dir den Text übersetzt! Außerdem habe ich noch ein anderes sehr schönes Lied von derselben Gruppe gefunden. Es erinnerte mich so sehr an dich! Den Text habe ich dir auch ins schwedische übersetzt und auf die CD gebrannt. Ich hoffe sie gefällt dir.
ICH LIEBE DICH!
Onni*“

Ich nehme die Cd und die Liedtexte aus dem Briefumschlag und lasse den eigentlichen Brief wieder darin verschwinden. Schnell krame ich auch noch meinen Discman aus meiner Tasche und höre mir die CD an. Dabei lese ich die Texte.


Wunderbare Jahre

In all den wunderbaren Jahren in denen ich nur knapp,
ja nur um eine Haaresspitze breit,
ich war wohl noch nicht bereit, daran vorbei geschlittert bin,
mit geschlossenen Augen und eingesperrtem Sinn.
Mit einem Herz das wohl zu lang auf Eis gelegen hat,
oder war’s die Gelegenheit, die gefehlt hat?

In all den Jahren.
In all den wunderbaren Jahren.
In all den wunderbaren Jahren.
In all den wunderbaren Jahren.

Oh nein, nein, nein es waren nur scheinbar große Nächte.
Sie hätten unglaublich sein können, ja müssen bei uns zweien.
Wir mit unseren Ideen, mit unseren Träumen,
wir haben’s schon vor uns gesehen.
Wir haben allzu viel erhofft und leider nichts getan,
wie so oft.

In all den Jahren...

In all den Jahren...

Dieses Lied ist einfach so wunderschön! Beim hören schließe ich meine Augen, und habe sofort das Bild seines Gesichts vor meinem Inneren Auge.
Warum habe ich eigentlich nicht früher gemerkt, wie sehr ich ihn liebe???
Nach einer kleinen Pause kommt schon das Zweite Lied. Wieder lese ich mit.


Ein Kompliment

Wenn man so will bist du das Ziel einer langen Reise,
die Perfektion der besten Art und Weise-
in stillen Momenten leise.
Die Schaumkrone, der Woge der Begeisterung
Bergauf mein Antrieb und Schwung.

Ich wollte dir nur mal eben sagen, dass du das größte für mich bist.
Und sicher gehen, ob du denn das Selbe für mich fühlst?
Für mich fühlst?

Wenn man so will bist du meine chill out-area,
meine Feiertage in jedem Jahr,
meine Süßwarenabteilung im Supermarkt.
Die Lösung, wenn mal was hakt,
so wertvoll dass man es sich gerne aufspart,
und so schön, dass man nie darauf verzichten mag.
Ich wollte dir nur mal eben sagen, dass du das größte für mich bist.
Und sicher gehen, ob du denn das Selbe für mich fühlst?
Für mich fühlst?

Ich wollte dir nur mal eben sagen...

Wie SÜÜÜSS denke ich mir immer wieder, stehe auf und beschließe doch zu Onni zu gehen. Als ich vor seiner Türe stehe und klingele merke ich, dass die Türe nur angelehnt ist. Ich kann Stimmen von drinnen hören. „...Du bist ja pervers.“ Ich stocke, das war Onnis Exfreundin. „Ich hätte alles von dir gedacht, aber nicht, dass du dir gleich Mari schnappst. Diese kleine Schlampe ruiniert also unsere Beziehung“, schreit sie ihn an. „Rede nicht so von ihr. Es ist nicht ihre Schuld und das weißt du genau.“, höre ich Onnis Stimme. Er schreit nicht, aber man hört seine Wut. „Ach, jetzt soll ich am Ende dafür verantwortlich sein.“ Sie ist vollkommen aufgelöst und ihre Stimme überschlägt sich. „So nicht. Ich lasse es nicht zu, dass du mich verlässt.“, kreischt sie hysterisch. „Ich kann nichts an meinen Gefühlen ändern und du schon gar nicht.“, gibt Onni zurück. „Das nicht, aber wenn ich dich nicht haben kann, soll dich auch kein anderer haben.“, sagt sie mit auf einmal mit ganz ruhiger Stimme. Ich höre, wie jemand eine Schublade aufzieht. Oh Gott, was hat sie vor. Ich versuche meine Beine zu bewegen will näher an das Geschehen, aber ich bin wie versteinert. „Du bist ja wahnsinnig“, sagt er. „Vielleicht bin ich das“, antwortet sie gelassen. „Das tust du nicht.“ Langsam mischt sich Panik in seine Stimme. „Es war schön, dich gekannt zu haben, aber jetzt ist deine Zeit abgelaufen. Ich werde Mari einen Gruß von dir ausrichten“, sagt sie. Mir wird klar was sie vorhat. Sie wird ihn umbringen, schießt es mir durch den Kopf. Mit letzter Kraft befreie ich mich aus meiner Starre und stürze in die Wohnung. Da steht sie mit einer Pistole in der Hand und zielt auf sein Herz. Als ich ins Zimmer komme, schauen sich beide überrascht um. „Ach ne, die Mari. Wenn man vom Teufel spricht.“ Langsam lässt sie die Waffe sinken, aber nur um sie dann auf mich zu richten. „Du hast meine Beziehung zerstört. Du bist an allem Schuld. Wärst du doch nur nie geboren worden, du Bastard.“ Ich kann den Wahnsinn in ihren Augen sehen. Sie ist vollkommen irre und sie wird abdrücken, das ist mir klar. Ihre Hand schließt sich fester um den Revolver. „Dann musst du zuerst dran glauben, was mischt du dich auch in anderer Leute Sachen ein?“ Ich schaue in die Mündung der Pistole und rechne damit, dass mein Leben in den nächsten Sekunden zu Ende ist. Ich sehe schon die Schlagzeilen vor meinem Inneren Auge vorbeiziehen. *~Sängerin Mari und Gitarrist Markus, der berühmten und sehr erfolgreichen Band Thunderstorm, erschossen~*
Plötzlich stürzt Onni sich auf sie. Sie wehrt sich verzweifelt, doch es gelingt ihm, sie zu Boden zu ringen. Da löst sich ein Schuss aus der Waffe, die sie immer noch in der Hand hält. Wie in Zeitlupe sehe ich, wie Onni zusammenbricht und mit dem Kopf auf den Boden schlägt. Mein Blick fällt auf Kersta, die ihn erst geschockt ansieht und sich dann selbst die Pistole an den Kopf hält. Sie drückt ein zweites mal ab und sackt neben Onni zusammen. Fassungslos starre ich auf das grausame Bild, das sich mir bietet. Überall Blut. Ich stürze auf ihn zu und lasse mich auf die Knie fallen. Die Kugel hat ihn rechts in die Brust getroffen. Vorsichtig lege ich seinen Kopf in meinen Schoß. Er atmet noch. „Mari....“ „Scht...sag nichts.“, schluchze ich. „Mari, ich...liebe dich.“, bringt er mühsam hervor. Ich küsse ihn auf die Stirn. „Ich liebe dich auch.“ Tränen laufen meine Wangen hinunter. „Onni, ich gehe jetzt zum Telefon und rufe Hilfe. Bleib hier und beweg dich nicht, ich bin gleich wieder bei dir.“, sage ich, ziehe mir meinen Mantel aus, lege ihn unter seinen Kopf und haste los. Mit zitternden Fingern wähle ich die Nummer vom Notruf. Eine Frauenstimme meldet sich. „Städtischer Notdienst, was kann ich für sie tun?“ „Mein Freund wurde von seiner Frau in den Oberkörper geschossen und blutet nun stark aus der Brust. Bitte sie müssen ihm helfen.“, versuche ich klar und deutlich zu sagen. „In Ordnung, Frau, wie war doch der Name?“, fragt sie. „Ahonius“, gebe ich knapp zurück. „Gut, Frau Ahonius...sind sie Die Ahonius?“ „Ja verdammt, aber das tut jetzt nichts zur Sache, sie müssen mir helfen!“, schreie ich in den Hörer. „Ist ja gut, beruhigen sie sich. Sie müssen mir aber schon sagen, wo sie sich befinden.“, sagt sie. Ich könnte sie killen. „Storgatan 28“, antworte ich. „Gut, wir schicken ihnen sofort einen Arzt.“ „Gibt es irgendetwas, das ich im Moment für ihn tun kann?“, frage ich verzweifelt. „Ja, drücken sie ein sauberes Tuch auf die Wunde, um die Blutung zu stoppen bis der Arzt bei ihnen ist.“, antwortet sie. Ich bedanke mich und lege auf. Sofort laufe ich in die Küche und suche ein Geschirrtuch. Ich reiße alle Schränke auf. Endlich habe ich eins gefunden. Ich laufe zurück zu Onni, der immer noch auf dem Wohnzimmerboden liegt. „Es ist Hilfe unterwegs.“, sage ich, bin mir aber nicht sicher, ob er mich noch hört. Er starrt mit glasigem Blick an die Decke. „Onni, verstehst du mich?“ Ich berühre ihn leicht an der Schulter. Keine Reaktion. „Verdammt, lass mich doch jetzt nicht im Stich.“ Ich beginne wieder zu weinen und klammere mich an seine Hand, als ob ich Angst hätte, ihn zu verlieren, wenn ich sie loslasse.
Nach schier endloser Zeit höre ich endlich einen Wagen vor dem Haus halten. Ich laufe zur Wohnungstür, um den Sanitätern den Weg zu zeigen. Sie tragen ihn die Treppe hinunter und schieben die Trage in den Krankenwagen. „Kann ich mitfahren?“, frage ich. „Sind sie ein Angehöriger?“, stellt der Arzt als Gegenfrage. „Nein, ich bin aber seine beste Freundin“, antworte ich und schaue hilflos zu, wie sie Onni an tausend Schläuche und Geräte anschließen. „Na gut, dann kommen sie mal“, sagt er schließlich und hilft mir einzusteigen. Während der gesamten Fahrt halte ich seine Hand. Als wir am Krankenhaus angekommen sind, wird er sofort in den OP gebracht. Ich suche mein Handy in meiner Tasche und stelle fest, dass ich es nicht mitgenommen habe. Ich laufe zum Schwesterzimmer und frage, ob es möglich ist, kurz zu telefonieren. Ich will Marion anrufen und sie bitten herzukommen und die anderen zu informieren. Die Schwester bewilligt mir genau ein Gespräch von fünf Minuten und drückt mir das Telefon in die Hand. Ich wähle. Das Freizeichen ertönt. Verdammt Marion, geh dran. Endlich meldet sie sich. „Ich bin’s, Mari. Du musst sofort ins Krankenhaus kommen. Markus wurde angeschossen. Sag Timo, Jo und Toumas bescheid.“, rattere ich meinen zurecht gelegten Text runter. „Und...beeil dich, bitte!“, füge ich verzweifelt hinzu. „Ich...ich komme sofort“, stottert sie geschockt. „Danke“, sage ich und lege auf. Ich laufe wieder zurück zum OP-Saal. Lange Zeit geschieht nichts, ich sitze da, das Gesicht in den Händen vergraben und warte. Warte auf jemanden, der mir sagen kann, wie es ihm geht. Ob er durchkommt. Aber es passiert nichts. Endlich taucht Marion mit Timo, Jo und Toumas im Schlepptau auf. Sie nimmt mich in den Arm. Meine Augen brennen und ich kann schon nicht mehr weinen. „Was ist denn passiert?“, will sie wissen. „Er, er...“, stammele ich. „Lass dir Zeit.“, sagt sie beruhigend und streicht mir über den Rücken. Ich hole tief Luft. „Sie wollte erst nur mit ihm reden und dann hatte sie plötzlich die Waffe, dann bin ich rein gekommen und sie wollte mich auch erschießen und dann hat er sie zu Boden geworfen und sie hat erst auf ihn und dann auf sich selbst geschossen und ich hab den Notarzt gerufen und...“ Meine Stimme wird immer leiser und bricht schließlich ganz ab. Ich kann nicht mehr. Ich merke, wie mir schwarz vor Augen wird.
Ich höre, dass der Doktor aus dem OP-Saal kommt. Ich versuche aufzustehen, falle aber direkt wieder in Jos Arme. „Wie geht es ihm?“, fragt ihn Marion. Manchmal merkt man schon, dass wir Zwillinge sind. Eigentlich sind wir recht verschieden. Ich fand Rockmusik schon immer super, sie dagegen hat früher immer Hip-Hop gehört. Als sie dann ca. 17 Jahre alt war Fing sie an nur noch Metal und Goth-Rock zu hören. Der Doktor antwortet ihr betreten: „Wenn er jetzt aus der Narkose aufwacht, dann hat er das schlimmste überstanden!“
Mir fällt ein Stein vom Herzen. „Darf meine Schwester eben zu ihm?“, fragt sie. Ich würde ihr am liebsten in den Arm fallen und ihr danken, ich kann aber nicht. Erst jetzt realisiere ich, was alles passiert ist. Mir fallen die Augen zu. Als ich sie wieder öffne, liege ich in einem Krankenhausbett, neben mir sitzt Jo und hält meine Hand. „Wie geht es ihm?“, bringe ich mühsam hervor.
„Sch...Alles wird gut! Er ist noch nicht wieder aufgewacht. Ehrlich gesagt stehen seine Chancen im Moment nicht sonderlich gut, ich glaube aber fest daran, dass er es schafft.“, flüstert er mir zu und drückt dabei leicht meine Hand. „Ich muss zu ihm!“, wimmere ich. Er antwortet mir fürsorglich: „Du musst gar nirgendwo hin! Du musst dich schonen!“ >War er immer schon so fürsorglich? <, frage ich mich. Er hält immer noch meine Hand und er macht auch nicht den Eindruck, als ob er sie in der nächsten Zeit wieder los lassen würde. „Jo, du weißt nicht alles...“, fange ich an, doch er unterbricht mich. „Ich weiß viel mehr, als du denkst! Ich bin nicht ganz so Begriffsstutzig, wie ihr immer annehmt! Du bist mit Onni zusammen, ich weiß doch!“, beruhigt er mich. Wenn er es doch eh weiß, warum lässt er mich dann nicht zu ihm??? Ich versuch es mit meinem Dackelblick...Es klappt aber nicht so ganz. Mist! Bei Onni hat das immer geklappt! Ach Onni... . Ich fange an zu weinen, Jo nimmt mich in den Arm und streicht mir durch die Haare. „Ok. Ich begleite dich aber. Große, ich will nicht, dass dir auch noch was passiert!“ Ich nicke und wir begeben uns auf den Weg zu Onnis Zimmer. Trotz der vielen Kabel und Schläuche sieht Onni noch so süß aus. „Ich lass euch beide dann mal alleine, ja? Tschüss Markus!“, flüstert er. Ich kann sehen, dass er kurz davor ist zu weinen. „Danke...Danke für alles!“ rufe ich ihm hinter her.
Onni liegt auf der Intensivstation und wurde in ein künstliches Koma versetzt, da sein Körper sonst zu schwach wäre, so einer Verletzung stand zu halten. Ich setze mich auf den Stuhl, den jemand an sein Bett gestellt hat und schaue ihn an. Er sieht aus, als ob er schlafen würde. Er atmet ruhig und gleichmäßig. Ich würde meinen, er ist vollkommen gesund, wenn da nicht die ganzen piepsenden Überwachungsgeräte um ihn rum stehen würden. Vorsichtig nehme ich seine Hand. Sie ist ganz warm und weich. In diesem Moment kommt eine Schwester zur Tür herein. Sie wirft nur einen kurzen Blick auf mich und beginnt dann, die Infusion zu wechseln. Kurz bevor sie aus dem Zimmer geht, dreht sie sich noch einmal um. „Vielleicht hilft es ihm ja, wenn sie mit ihm sprechen“, sagt sie und lächelt mich an. Ich nicke nur stumm und sehe zu, wie die Tür hinter ihr wieder zu fällt. Na gut, wenn sie meint, es hilft denke ich und schaue wieder zu Onni, der immer noch reglos da liegt. Nur mir fällt nichts ein. Wieso fällt es mir jetzt so schwer? Ich beschließe jetzt einfach mal drauf los zu reden. „Also, die Krankenschwester meinte ich sollte mit dir reden. Also mach ich das doch auch. Sie meinte, es würde dir dann schneller besser gehen! Danke, dass du mir den Text übersetzt hast! Die Cd ist echt schön! Danke auch, dass du dein Leben für mich aufs Spiel gesetzt hast. Ich finde, jeder kann zu jeder Zeit einfach so sagen, dass man den anderen liebt, das ist dann so was wie oberflächliche Liebe, aber wenn man zeigt, dass man den anderen liebt, dann ist das wahre Liebe!“ Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich trotzdem die ganze Zeit weiter gesprochen habe. „...und alle vermissen dich so doll! Und die Schwestern hier sind eigentlich auch ganz ok. Ich wünschte, du könntest sie alle kennen lernen.“ Ich stocke und breche ab. „Ich wünschte, dass wäre alles nie passiert.“, füge ich leise hinzu „Wegen mir liegst du jetzt hier.“ Eine einzelne Träne rollt über meine Wange und fällt auf seine Hand. „Komm bitte wieder zurück. Ohne dich kann ich nicht leben!“ Mit diesen Worten stehe ich auf und gehe aus dem Zimmer. Ich kann es nicht länger ertragen, ihn so zu sehen. Vor der Tür treffe ich auf Timo und Jo. Timo ist uns inzwischen nicht mehr böse, dass wir zusammen sind, zumindest zeigt er es nicht und nimmt mich nur verständnisvoll in den Arm. „Hier, für dich. Den hat man in den Sachen von Markus gefunden“, flüstert Jo in einem beruhigenden Tonfall und hält mir einen Briefumschlag entgegen. „Ich muss eben an die frische Luft“, sage ich und verschwinde im Park des Krankenhauses. Dort setzte ich mich auf eine Parkbank und lese den Brief. Es ist eigentlich kein richtiger Brief, es ist eigentlich mehr ein Songtext mit Noten. Wie es scheint, hat Onni den Song für mich geschrieben.

Seit drei Monaten hat sich an seinem Zustand nichts verändert. Ich spüre, dass ihn die Ärzte längst aufgegeben haben. Jeden Tag habe ich an seinem Bett gesessen, habe ihm Sachen erzählt und habe unser Lied gesungen, doch er hat nicht reagiert. So auch heute. Wieder erzähle ich ihm: „Onni, du hast mir Liebe gezeigt, das bedeutet mir soviel mehr, als wenn du mir nur sagen würdest, dass du mich liebst. Ich weiß nicht, wie ich es dir jetzt zeigen kann, aber ich liebe dich über alles! Bitte lass mich nicht alleine!“ Da drückt er leicht meine Hand. Er öffnet seine Augen, doch bevor ich oder er etwas sagen kann kommen schon Ärzte und Krakenschwestern in das Zimmer gestürmt und scheuchen mich raus. Draußen steht Jo. Mit Freudentränen in den Augen falle ich ihm in den Arm, doch warum zuckt er so zusammen? Soll mir jetzt auch egal sein.
Kurze Zeit später darf ich wieder zu Onni zurück. „Süße, du hast mir doch jetzt schon gezeigt, dass du mich liebst!“, flüstert er mir zu. Ich streite ab: „Onni, das war doch selbstverständlich!“ „NEIN! War es nicht! Ich weiß nicht, ob Kersta das gleiche getan hätte. Die Schwestern haben mir alles erzählt, dass du bis spät in der Nacht täglich hier bei mir warst, dass du immer mit mir erzählt hast, und, dass du mir sogar täglich ein deutsches Lied vorgesungen hast! Mari, ich liebe dich über alles!“ „Ich dich auch Onni! Ich bin so froh, dass du jetzt wieder unter den Lebenden bist! Weißt du, wie sehr ich es vermisst habe deine Stimme zu hören, in deine Augen zu sehen und einfach von dir in den Arm genommen zu werden?“ Mir steigen wieder Tränen in den Augen hoch. „Nicht weinen Süße! Es wird doch alles wieder gut!“ Er will sich aufrichten und mir einen Kuss geben, ich drücke ihn aber wieder leicht, aber bestimmend in die Kissen zurück. „Du bleibst liegen! Du bist noch viel zu schwach!“ Ich lehne mich was vor und küsse ihn. Ich muss an den Tag denken, als wir uns vor dem Flughafen verabschiedet haben und er noch meinte, „Nicht, dass das noch zur Angewohnheit wird! Sonst ist das doch immer mein Part!“ Ich muss grinsen.

„Vorsichtig, Onni. Ganz ruhig, sonst kippst du mir hier mitten auf der Straße noch um“, befehle ich ihm in meinem fürsorglichsten Tonfall. Er darf heute wieder nach hause gehen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht auf ihn ‚aufzupassen’. So wie ich ihn kenne, würde er jetzt am liebsten wieder ein riesiges Konzert für 10,000 Leute geben. Wenn er eine längere Zeit nicht spielen kann oder darf kribbelt es ihm in den Fingern! Ok, bei mir ist das genauso, bei ihm ist es aber sehr viel extremer.
Und wie ich es mir auch schon gedacht habe, nimmt er sich sofort nachdem wir halbwegs in seiner Wohnung angekommen sind seine Gitarre und fängt an zu spielen. Moment mal. Das Lied kenn ich doch.

„In all den wunderbaren Jahren in denen ich nur knapp,
ja nur um eine Haaresspitze breit,
ich war wohl noch nicht bereit, daran vorbei geschlittert bin,
mit geschlossenen Augen und eingesperrtem Sinn.
Mit einem Herz das wohl zu lang auf Eis gelegen hat,
oder war’s die Gelegenheit, die gefehlt hat?“, fange ich an zu singen. Er grinst mich sofort an. Wusste ich es doch. Als das Lied zu ende ist muss ich aber doch einmal mit ihm schimpfen: „Onni, der Arzt hat dir ausdrücklich gesagt, dass du dich schonen sollst!“ Natürlich wieder spricht er mir: „Gitarre spielen ist für mich schonen! Jetzt lass mir doch meinen Spaß!“ „Ich lass ihn dir ja auch! Jetzt aber genug geschont, ab ins Bett. Der Arzt meinte, du sollst viel schlafen. Außerdem ist es schon fast halb elf! Das kommt davon, wenn man noch soviel mit den Krankenschwestern flirtet.“ Ich mache mir echt Angst. Ich höre mich fast schon so an wie meine Mutter. Ich staune wirklich, dass er ohne murren mit kommt, freue mich aber auch, so eine Wirkung auf ihn zu haben. Als wir im Bett liegen werde ich plötzlich Hunde müde.
Mitten in der Nacht wache ich wieder auf. Erst 3:00uhr! Ich drehe mich um und kuschele mich an Onni. „Bist du auch wach, Süße?“, fragt er plötzlich. Ich gebe nur ein „Mhm“ von mir. „Also, ich kann nicht schlafen.“ Er grinst mich an. „Hhmm...ich auch nicht. Aber dann könnten wir ja was anders machen...“ „Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, Onni!“
„Wieso denn nicht?“, fragt er mich. „Der Arzt hat doch gesagt, dass du dich schonen sollst“, gebe ich zurück und versuche ihn so auf Abstand zu halten. „Du hast grade noch gesagt, dass ich mich genug geschont habe! Auf wen soll ich jetzt hören? Auf dich oder auf den Arzt?“ „Auf den Arzt???“, frage ich vorsichtig. Er schüttelt nur mit dem Kopf und fängt an mich zu küssen. „Du bist doch sonst auch nicht so...so...so abweisend. Komm, ich lag jetzt drei Monate im künstlichen Koma! Ich hab dich soooooo dolle vermisst!“ „Du hast doch geschlafen und nichts mitbekommen!“ „Ja, aber das soooooooo lange!“ „Spinner!“, murmele ich. Das hätte ich lieber sein lassen, denn jetzt landet ein Kissen mitten in meinem Gesicht.
„Gut, jetzt habe ich gar keine Lust mehr! Gute Nacht!“ Beleidigt drehe ich mich um und versuche wieder einzuschlafen. Onni nimmt mich in den Arm und küsst mich zärtlich am Hals. „Onni lass das, ich bin beleidigt!“, knurre ich ihn an. Er antwortet mir: „Och Süße, was muss ich machen, damit du mir verzeihst? Ich würde ALLES machen!“ „Alles?“, frage ich. „Mhm, dann...dann lass mich doch einfach schlafen!“ Ich gebe ihm einen leichten Kuss, kuschele mich wieder an ihn und schlafe ein.
Am nächsten morgen fällt mir ein, dass ich Onni noch so viel erzählen muss.
„Schatz, ich muss dir noch was erzählen! Also, in den drei Monaten hat sich unsere Album so oft verkauft, dass wir jetzt damit doppel Platin bekommen haben“, grinse ich ihn an. „Das einzige was blöde ist, unsere Tour wurde und drei Monate verschoben. Morgen beginnt sie. Noch länger wollte Lars unsere Fans nich warten lasse, obwohl wir alle sehr heftig dagegen protestiert haben!“ Während ich rede suche ich in all seinen Schränken nach etwas Essbarem. „Du Onni, ich glaube, wir müssen, um etwas Essbares zu
bekommen, in die Stadt gehen“, rufe ich ihm zu. So schnell wie er sich angezogen hat kann man fast nicht gucken. Man merkt, dass er sich freut, aus dem Haus zu kommen. Auf dem Weg in die Stadt beraten wir uns wo wir denn jetzt hingehen. „Ich bin fürs Balzac, und du?“, frage ich ihn. Er sieht mich mit diesem Blick an, den ich so liebe und antwortet mir: „Mir ist es so egal! Hauptsache ich bin mit dir unterwegs und du bist glücklich!“
Er will mich küssen, doch ich weiche schnell aus. Ich fühle mich irgendwie beobachtet. „Was hast du denn jetzt schon wieder?“, fragt er mich ganz beleidigt. Ich antworte ihm schnell, bevor er mich für immer verlässt (*g*): „Es liegt nicht an dir! Ich fühl mich nur so beobachtet! Und ich will nicht wissen, was Lars sagt, wenn er uns beide knutschend in irgendeiner Zeitung sieht!“ Im Balzac ist jetzt zum Glück nicht mehr so viel los. Es ist schon neun Uhr, und der große Ansturm der Studenten und Beruflichen ist vorbei. Jetzt sitzen nur noch ein paar einzelne Studenten, die später zur Uni müssen, oder zur Abendschule gehen, an den Tischen. Wir suchen uns also einen netten Tisch aus, Onni setzt sich schon hin und ich hole uns zwei White Chocolate Mokka und Brötchen. Nach dem Frühstück gehen wir noch Einkaufen.

„Dir ist ja schon bewusst, dass das der letzte Abend ist, den wir vor eurer Tour gemeinsam hier zuhause verbringen?!?!“, fragt er mich sehr melancholisch. Es ist schon komisch von ihm zu hören, dass er sich nicht in die Band einbezieht. Anstatt ihm eine Antwort zu geben küsse ich ihn. „Wollen wir noch eine Runde durch den Park gehen?“, frage ich. Er nickt. Draußen ist es schon dunkel und in den kleinen zugefrorenen Pfützen spiegeln sich die Straßenlaternen. Wir haben schon November. „Süße, sag mir wenn ich jetzt spinne, aber wenn die Tour, wie schon angekündigt zwei Monate dauert, dann bist du ja an meinem Geburtstag gar nicht da! Dann seid ihr alle gar nicht da. Oh Gott, wie soll ich das nur überlegen?“, fragt er mich ganz theatralisch. „Ne, wir sind dann da! Am 28. haben wir ein Konzert hier zuhause!“ Bei dem Satz tritt das Strahlen in seinen Augen wieder zurück. „Ich hab dich so vermisst, Liebling!“, flüstere ich ihm zu.

Ich werde von meinem Handy geweckt. Ich habe eine Sms bekommen. Ich versuche, ohne Onni zu wecken meine Brille zu finden und die SMS zu lesen.
„Hej Mari, wir kommen dann um 10:00Uhr vorbei! Bringen Brötchen mit! Bis dann, Jo“ Mist, das hatte ich ja vollkommen vergessen! Wir fliegen ja heute schon nach New York. Am 28.11. geben wir dann ein Konzert in Stockholm. Das Beste daran ist, dass dann auch Onni wieder mit uns auf der Bühne steht und wir SEIN Lied, was er vor dem Unfall geschrieben hat, spielen. Das ist das einzige Konzert, wo ich nicht ganz ausgelastet bin. Ich spiele auf dieser Tour Gitarre und singe dabei. Das aller Beste ist aber, das Onni davon noch gar nichts weiß. Ich schaue auf Onnis Wecker. Es ist erst 5:00Uhr. Jo schafft es auch immer wieder alle möglichen Leute aufzuwecken und um den Schlaf zu bringen. Jetzt kann ich echt nicht mehr einschlafen. Ich bin zu nervös, wie die Tour verläuft. Mir geht es eigentlich überhaupt nicht gut. Ich sehe Onni beim schlafen zu. Er sieht so süß aus, wie er so da liegt. Sein Haar ist wild durcheinander. Er sieht so friedlich und ruhig aus, wenn er schläft! Jetzt wird mir erst mal bewusst, dass er nicht nur der lustigste, klügste und liebste sondern auch noch der schönste Mann ist. Womit habe ich eigentlich so viel Gutes verdient? Langsam öffnet er die Augen und sieht mich verschlafen an. „Guten Morgen mein Engel!“, gähnt er. „Morgen Süßer“, begrüße auch ich ihn, „Jo und Timo kommen um zehn zu uns. Sie wollen sich von dir verabschieden, da wir dich ja alle zwei Monate nicht mehr sehen. Und sie wollen mich dann gleich schon mitnehmen, zum Flughafen! Unser Flieger geht um 13:00Uhr! Um Zwölf müssen wir also da sein! Du kannst, wenn du willst auch noch mit zum Flughafen fahren“ Er sieht mich so geschockt an, dass ich noch schnell hinzufüge: „Keine Angst Lars kommt nicht mit! Wir treffen ihn erst am Flughafen!“ „Mhm... dann sind das also unsere letzten zwei Stunden, die wir ungestört gemeinsam verbringen können? Was wollen wir denn jetzt bis zehn noch machen?“, grinst er mich an. „Ich würde sagen, wir decken erst mal den Tisch, dann ziehen wir uns an und ich muss meine Haare noch unbedingt waschen! Am Flughafen sind 100% Fotografen! Ich will ja gut aussehen in all den Zeitungen!“, antworte ich ihm. Er setzt seinen Dackelblick auf und flüstert: „Ich bin noch viel zu krank um aufzustehen! Mir geht es wieder nicht so gut!“ „Gut, dann steh ich auf, koch Kaffe, deck den Tisch, zieh mich an und hol dir einen Arzt!“ Langsam stehe ich auf. Genauso langsam gehe ich aus seinem Schlafzimmer. Ich bin noch nicht einmal einen Schritt aus dem Zimmer, da steht Onni schon neben mir. „Nein! Nicht gehen! Warte noch! EBEN! Ich sehe dich nur noch drei Stunden, dann ganze Zwei Monate nicht mehr! Biiiiiiiiite!“ Das ist gemein! Er weiß genau, dass ich diesem Blick nicht widerstehen kann! „OK!“, flüstere ich. Er küsst mich und sieht mir dann tief in die Augen. Ich werde diese Augen wirklich vermissen! Vorsichtig streicht er mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Du bist so hübsch! Hab ich dir das eigentlich schon mal gesagt?“, fragt er mich plötzlich. Ich schüttele leicht meinen Kopf. Er bewegt langsam seinen Kopf immer näher zu mir, bis wir uns schließlich küssen. „Du Onni, kannst du mir was mitgeben, was nach dir riecht? Dann hab ich nicht ganz so viel Heimweh!“ „Mein T-Shirt?“, fragt er mich und ist schon dabei es auszuziehen. Ich nicke nur. „Dann möchte ich aber auch deins haben!“, grinst er. Bereitwillig ziehe ich mein Shirt aus und es ist Shirttausch angesagt. Ein bisschen komme ich mir ja vor wie beim Fußball. Sofort muss ich an Marion denken. Früher haben wir immer zusammen Fußball geguckt. Aber nicht, weil uns der Sport interessierte, sondern weil wir die hübschen Männer beim Trikottausch sehen wollten. Bei dem Gedanke muss ich grinsen. Onni würde sich eigentlich auch gut auf dem Rasen machen! „Was grinst du denn so komisch?“, reißt er mich aus meinen Gedanken. „Ich hab nur grad an meine liebe Schwester gedacht! Mit dir ist nichts!“ Ich küsse ihn innig und leidenschaftlich, als Entschädigung sozusagen. Plötzlich werden wir durch die Türklingel unterbrochen. Schnell schaue ich auf den Wecker und gerate leicht in Panik. „Wer ist das denn jetzt??? Jo und Timo können es nicht sein! Die kommen erst in zwei Stunden! Oh mein Gott, was machen wir denn jetzt?“, frage ich leicht hysterisch. Ganz gelassen antwortet mir Onni: „In solchen Fällen ist es ganz Vorteilhaft, wenn man sich anzieht und einfach mal nachschaut! So machen das zumindest die normalen Menschen.“ Er zieht sich also halbwegs an und geht zur Tür. Sicherheitshalber bleibe ich im Schlafzimmer. Ich habe kein Shirt oder ähnliches, was ich mir anziehen kann, da meine Tasche schon im Flur steht. >MIST! MEINE TASCHE! <, schießt es mir durch den Kopf. Aber so wie ich Onni kenn wird sich schon eine gute Ausrede einfallen lassen. Um alles zu hören, setzte ich mich auf den Boden vor die Türe. Ich habe mir inzwischen ein Shirt von Onni genommen. Draußen höre ich zwei Stimmen immer lauter werden. Eine gehört zu Onni, dass erkenn eich sofort, doch zu wem gehört die andere? Nach längrem hören erkenne ich sie. Es ist Lars!!! HILFE! Ich höre zwei Stühle quietschen. Ok. Sie sind jetzt also in der Küche, bzw. im Esszimmer. Nach einer Viertelstunde verschwindet er endlich wieder. Ich hätte NIE gedacht, dass ich mal froh bin, dass Lars endlich geht. Er ist einfach der beste Manager, den wir uns hätten wünschen können. Wir mögen ihn alle super gerne, obwohl er auch manchmal die Gabe hat, uns alle so tierisch auf die Nerven zu gehen! Vor allem ist er aber auch einer von MEINEN Jungs! Ich höre, wie die Türe wieder ins Schloss fällt und atme erleichtert auf. Ehe ich mich versehe, wird die Türe vom Schlafzimmer aufgerissen und kippe fast vorne rüber. „Was bitte macht du da? Suchst du was, oder ist dir nicht gut???“, fragt er mich mit einem breiten grinsen. Beleidigt antworte ich ihm: „Du bist blöde! Ich habe nur etwas gelauscht! Ich musste ja wissen, ob Lars mit in dein Schlafzimmer geht!“ Verwirrt fragt er mich: „Was sollte Lars mit mir in meinem Schlafzimmer wollen?“ Ich grinse ihn an und antworte ihm ironisch: „Wer weiß...Hättest du gedacht, dass du dich in mich verliebst???...Also!“ Er hilft mir aufzustehen und muss grinsen. „Wo waren wir stehen geblieben?“, fragt er mich. „Mm...soweit ich weiß, waren wir grade hier stehen geblieben“ Ich ziehe ihn zurück zum Bett, setzte mich auf es und zeige es ihm. Bei diesem zweiten Kuss werden wir wieder gestört. Diesmal gehe ich zur Tür. Dort schaue ich durch den Spion und bekomme es mit der Panik zu tun. Vor der Türe stehen Jo und Timo. Wie ein aufgescheuchtes Huhn renne ich wieder zurück zu ihm. „Sie sind da! Hilfe! Kann ich mir ein Shirt von dir leihen? Meine Tasche steht im Flur!“
„Ja klar! Such dir eins raus! Ich öffne die Türe!“ Er macht sich also auf den weg zur Türe und ich suche mir ein T-Shirt raus. Ich muss unbedingt mal mit ihm shoppen gehen! Die Sachen, die hier liegen...naja. Nach ca. einer Minute habe ich eins gefunden. Hastig ziehe ich es an, bleibe aber mit meinem Ohrring hängen. Vorsichtig tapse ich aus dem Zimmer ins Wohnzimmer. Ich bin sehr froh, dass ich Onni und seine Wohnung so lange kenne. Er hat eine große Wohnung! Hier gibt es nur sehr wenige Türen! Eigentlich nur eine zum Bad und eine zum Schlafzimmer. Ich mag seine Wohnung sehr gerne! Plötzlich stoße ich mit einer Person zusammen und falle um. Doch rechtzeitig fängt mich jemand auf und hilft mir, mich richtig anzuziehen. Als sich meine Augen an das helle Tageslicht, was ich heute ja noch gar nicht zu Gesicht bekommen habe, weil im Schlafzimmer die Fensterläden verschlossen waren, gewöhnt haben, erkenne ich die Person. Es ist Jo. Es ist schon etwas komisch, wie er mich anguckt. So als ob er in mich verliebt wäre, oder so. Diesen Gedanken schlage ich aber ganz schnell wieder aus meinem Kopf! Nicht noch ein Freund, der sich in mich verliebt hat! NEIN! „Du sag mal, was machst du hier nur halb angezogen um 10:00uhr?“, fragt mich Timo mit einem säuerlichen Unterton. Mist, ich habe ja auch noch gar keine Hose an. „Du hast doch nicht hier übernachtet, oder?“, fragt er mich. „Ich wüsste zwar nicht, was euch das angeht, aber doch, ich habe hier übernachtet!“, antworte ich nicht ohne ihn böse mit den Augen anzufunkeln. „Ich decke jetzt erst mal auf! Kommt jemand mit???“, frage ich und gehe schon mal vor in die Küche. Da wühle ich erst einmal in allen Schränken rum. „Kann ich dir helfen?“, fragt mich plötzlich jemand. „Klar! Du kannst schon mal die Teller zu Timo und Onni bringen und frag mal bitte Onni, wo er das Kaffeepulver versteckt hat. Danke, Jo, du bist ein Engel!“ Doch anstatt sich zu bewegen bleibt Jo stehen. „Jo, was ist mit dir?“ Er sieht nur verlegen auf den Boden. „Hast du damit ein Problem, dass ich mit Onni zusammen bin?“, frage ich ihn. Er ist immerhin einer meiner besten Freunde, aber seitdem ich mit Onni ‚zusammen bin’ haben wir uns nicht mehr richtig unterhalten. Ich muss an die Situation im Krankenhaus denken, als er sich so um mich gekümmert hat, weil Onni im Koma lag. Er hat mich schon immer unterstütz und wenn meine Ideen noch so abwegig waren, auf ihn konnte ich mich verlassen. Und jetzt stehen wir hier und reden um den heißen Brei. „Nein.“, gibt er zurück. „Es ist nur ein bisschen ungewohnt, euch zusammen zu sehen, bzw. sich vorzustellen dass ihr...“ „Schon klar“, sage ich und muss lachen. „Aber deswegen hat sich doch zwischen uns nichts geändert, oder?“ Jo fährt sich durch die Haare, das tut er immer, wenn ihm etwas unangenehm ist. Fragend sehe ich ihn an. Er schüttelt leicht den Kopf. „Nein, natürlich nicht.“ Ich atme erleichtert auf. Jetzt stehen wir hier nebeneinander und wissen nicht recht, was wir machen sollen. Ich nehme ihn einfach in den Arm. Er zuckt leicht zusammen, ich mache mir aber keine großen Gedanken. „Jo, du kannst mir alles sagen! Du kannst auch immer mit mir über alles reden. Nur weil Onni mein Freund ist, heißt dass nicht, dass ich euch drei noch genauso liebe! Lars, Timo und du, ihr seid meine aller besten Freunde!“ Jo nickt nur.
Nach dem Frühstück bin ich noch mal wie gestochen durch Onnis Wohnung gerannt und habe meine ganzen Sachen zusammen gesucht, während meine Jungs abräumten. Jetzt sitzen wir hier am Flughafen und warten auf unseren Flieger. Neben mir sitzt Onni und hält meine Hand. Im Moment ist es mir ganz egal, ob uns jemand so sieht, oder sogar fotografiert! Soll doch die ganze Welt wissen, dass ich verliebt bin, in unseren Gitarristen. Da wird unser Flug aufgerufen. Ich stehe also auf, gebe Onni noch einen Kuss, umarme ihn noch einmal und gehe mit meinen andern drei Jungs Richtung Gate A. Es ist schon komisch eine Tour ohne unseren Gitarristen, und nun auch meinem Freund, zu starten! Lars sieht mich verwundert an und stottert dann: „Seid ihr beide...ich meine, ist das dein neuer Freund?“ Dabei deutet er auf Onni. Ich nicke nur und gehe an ihm Vorbei ins Flugzeug. Im Flugzeug sitze ich neben Jo. Er sieht die ganze Zeit starr aus dem Fenster. Ich habe fast das Gefühl, dass er mir ausweicht. Hab ich irgendetwas Falsches gesagt, oder getan? „Sag mal, was ist da draußen eigentlich so interessant?“ Er starrt weiter raus. „Nichts“, gibt er mir knapp zurück. Ok, dann eben nicht. Ich wende mich meinem Discman zu und entspanne mich mal endlich. Das habe ich wirklich schon lange gebraucht! Ich habe schon so lange keine Musik mehr von den Chili Peppers gehört!

“Mari, aufwachen! Wir sind gelandet!“, flüstert mir Lars zu, der hinter mir sitzt. Ich muss wohl beim Musik hören eingeschlafen ein Zimmer gehen! Timo war letztes Mal, und davor Markus!“ Meine beiden Jungs reden auf ihn ein, dass das doch jetzt wirklich keine gute Idee ist, er lässt sich aber nicht von ihrem Gerede beirren und zieht Timo weiter. Moment mal, wieso hat Jo was dagegen, dass wir beide in einem Zimmer wohnen sollen? Ich hab ihm doch gar nichts getan! Und warum ist Timo auch davon überzeugt, dass es keine gute Idee wäre? Wir gehen also hoch. Als ich die Türe aufschließe, erschrickt Jo. In unserem Zimmer steht nur ein Doppelbett. Ich bin so müde, dass ich eigentlich nur noch schlafen will. Unser Flug hatte schon fast zwei Stunden Verspätung, dann mussten wir noch fast 12 Stunden fliegen und haben ein paar Stunden Zeitverschiebung! Ich bin einfach total platt vom ganzen sitzen und will nur noch schlafen! Außerdem haben wir schon oft in einem Doppelbett geschlafen und kennen uns eigentlich auch schon lange genug! „Hast du ein Problem damit? Ich meine, Ich könnte unten am Empfang anrufen, dass man uns ein anders Zimmer gibt“, frage ich ihn, „oder ich schlafe einfach auf dem Sofa.“ Ich will mir schon eine Decke schnappen, da entgegnet er mir: „Kommt ja gar nicht in Frage! Wenn, schlafe ich auf dem Sofa, Mari!“ „Du, ich finde, dass niemand auf dem Sofa schlafen muss! Wie lange kennen wir uns jetzt??? Zehn oder doch eher 15 Jahre? Also können wir doch auch in einem Bett schlafen, ohne uns anzufallen, oder? Ich werd dir auch nicht zu nahe kommen, falls du vor mir Angst hast“, grinse ich ihn an. Er fühlt sich sichtlich unwohl, sagt dann aber nichts mehr.
„Möchtest du zuerst ins Bad?“, fragt er mich rücksichtsvoll. Ich schmeiße meine Tasche in die Ecke. „Nee, geh du mal zuerst!“ Während er das Bad belegt, suche ich schon mal all meine Sachen raus, die ich für die Nacht brauche. Als er aus dem Bad kommt belagere ich es. Als ich mich grade halb ausgezogen habe kommt Jo noch einmal herein. Total verstört und mit einem knall roten Kopf schließt er schnell wieder die Türe. „Tschuldigung! Ich wollte nicht...kannst du mir vielleicht mal meine Brille geben?“, stammelt er durch die geschlossene Türe. Ich muss grinsen. Wir beide sind die ‚Brillenschlangen’ in der Band. Nur bei mir weiß es so gut wie keiner, da ich meistens Kontaktlinsen trage. „Ja klar!“ Ich reiße die Türe auf und halte ihm die Brille hin. Wieso reagiert er immer wieder so komisch??? Jetzt auch wieder. Er zuckt zusammen, bedankt sich knapp und dreht sich dann um zum schlafen gehen. Ich ziehe mich weiter um und mache mich fertig. Als ich aus dem Badezimmer komme liegt Jo schon im Bett. Das Licht ist gelöscht, nur seine kleine Nachtischlampe brennt. Aus unserem großen Fenster kann man die Skyline von New York sehen. Ich war noch nie zuvor in den USA und bin deswegen sehr angetan. Hier ist alles so viel größer als in Stockholm. Wir sind zwar erst knapp eine Stunde hier, ich habe aber schon das Gefühl, als ob auch die Zeit viel schneller vergeht.

Als ich die Augen aufmache erschrecke ich mich. Ich habe in der Nacht von Onni geträumt, und habe anscheinend auch gedacht, dass er neben mir liegen würde. Eng an Jo gekuschelt liege ich da. Er lächelt im Schlaf. >Was er wohl träumt? < frage ich mich. Irgendwie bin ich schon froh, dass er nicht als erster aufgewacht ist, so wie er sich in der letzten Zeit verhalten hat. Ich versuche mich so langsam und vorsichtig wie möglich von ihm zu lösen. Das gelingt mir auch. Vorsichtig wecke ich ihn. „Jo, aufwachen!“ Jo öffnet langsam seine Augen und grinst mich breit an. Wow, er kann noch lachen! Wahnsinn! „Na, gut geschlafen?“, frage ich ihn. Er nickt nur. Jetzt muss ich auch grinsen. Wir sind uns in so vielen Fällen so gleich! Ich rede am frühen Morgen auch nicht so gerne und werde schnell mürrisch, genau wie er. So liegen wir einige Zeit nebeneinander. Plötzlich klingelt mein Handy. Ich krame es aus meiner Tasche und gehe ran: „Hej Liebling! Na, wie geht’s dir?“ Jo steht wie vom Blitz getroffen auf und verschwindet im Bad. Nach 5 Minuten verschwindet er aus der Suite. „Wer war das denn?“, fragt mich Onni, ganz verwundert von dem lauten Türknall. „Das war Jo. Wir haben im Moment etwas krach, ich weiß aber nicht wirklich wieso“, seufze ich in mein Handy. Wir telefonieren fast eine halbe Stunde. Ich höre an seiner Stimme, dass nicht nur er mir fehlt. In Manhattan ist die Sonne schon aufgegangen und die Sonnenstrahlen fallen durch dieses riesige Fenster in unser Zimmer. Wenn jetzt noch Onni da wäre, wäre die Welt in Ordnung. Mein Blick fällt auf meinen Wecker. Schon 9:00Uhr. Langsam stehe ich auf, ziehe mich an und gehe runter zum Speisesaal. Dort sehe ich schon Jo sitzen. Von Lars und Timo ist aber sonst nirgendwo eine Spur. Langsam gehe ich auf Jo zu, der nur so da sitzt und in seinen Kaffeebecher starrt. „Darf ich mich setzten?“, frage ich ihn. Er nickt nur. „Jo, können wir mal reden?“ Er nickt wieder nur. Diesmal aber um einiges langsamer. „Jo, was ist mit dir los? Du kannst mir doch alles sagen! Ich bin dir auch nicht böse, egal was es ist!“ „Glaub mir Mari, alles kann ich dir nicht sagen, und du willst auch nicht alles wissen! Es ist besser so wie es ist...“ „Jo, du kannst mir nicht die ganze Zeit aus dem Weg gehen“, flüstere ich verzweifelt. „Mari...es ist so, dass...ich...ich habe...“ >Onni ermordet, meine ganzen Sachen versteigert oder Marion verkauft???<, schießt es mir durch den Kopf. Weiter kommt er nicht, da plötzlich Lars und Timo hinter uns stehen. Verdammt! Ich war so kurz davor, zu wissen was Jo hat, da kommen Timo und Lars und unterbrechen uns einfach! Nach dem Frühstück fahren wir sofort zu unserem 1.Interview. Natürlich werden wir sofort gefragt wie es Markus geht, und wann man denn damit rechnen könnte, wann er wieder bei uns wäre, oder ob er jetzt für immer aus unserer Band ausgestiegen wäre. Weil ich so erbost bin, als man uns fragt, ob er nicht ganz aus der Band ausgestiegen wäre, und wie denn der neue Gitarrist heißt, fragt man mich natürlich auch: „Have you a boyfriend?“ Da ich ganz brav mit ‚yes’ antworte werde ich weiter gefragt: „Is Markus your boyfriend?“ Ich sehe die Reporterin ganz verwirrt und unschuldig an und antworte: „No, my boyfriend is another man! But, I think, that’s my private life!” In dem Moment als ich diese Antwort gebe, verfinstert sich Jos Blick. Was is denn jetzt wieder los? Am Abend bleiben wir alle auf dem Zimmer. Wir haben uns vorgenommen, auf dieser Tour keinen Alkohol zu trinken und auch nicht so viel zu feiern, außer an Onnis Geburtstag. Da haben wir eine richtig große Party geplant. Als wir beide im Bett liegen und das Licht gelöscht ist starte ich einen neuen Versuch. „Jo, was ist mit dir los?“ Er antwortet nicht. „Hej? Lebst du noch?“ Er rollt sich zu mir, als ob es ihm so unangenehm ist, dass es wirklich gar keiner außer mir hören soll. Trotzdem schweigt er weiter. Ich setzte mich auf und sehe ihm tief in die Augen. Doch schnell sieht er weg, so als ob es ihm zu unangenehm wäre, mir in die Augen zu schauen. „Mari, es ist so, dass...du solltest es besser noch nicht wissen“, antwortet er mir endlich. „Ich bin der Meinung, dass du es mir erzählen solltest! Jo, hast du etwas gegen mich?“, frage ich ihn. Geknickt antwortet er mir: „Nein! Ganz im Gegenteil!“ „Wie, ganz im Gegenteil? Du hast also kein Problem?“, frage ich weiter. „Doch!“ Ich sehe ihn verwirrt an. „Bist du wirklich so schwer von Begriff?“, fragt er mich aufgebracht. Ich zucke mit den Schultern. Im Moment weiß ich gar nichts mehr. Der Mann hat eine Gabe mich zu verwirren. Ich lege mich zurück in meine Kissen und starre an die Decke. „Jo, was meinst du damit?“, frage ich. Wieder keine Antwort. Plötzlich beugt sich Jo zu mir vor und küsst mich. Ich bin total perplex. Nach ein paar Sekunden löst er seine Lippen von meinen. Aus heiterem Himmel geht das Licht an. In der Türe steht Onni und sieht uns fassungslos an. „Onni, es ist nicht so wie du denkst...“, versuche ich zu erklären. „So, wie denke ich denn? Ich erwische grade meine Freundin mit meinem besten Freund beim Knutschen. Dabei hat mein bester Freund nur noch eine Boxershorts an, was soll ich denn da denken?“, fragt er ironisch. Jo richtet sich auf und erklärt führsorglich: „Markus, es ist wirklich nicht so. Mari kann gar nichts dafür! Sie war wehrlos! Ich habe sie geküsst. Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist. Es tut mir leid!“ Ok, jetzt verstehe ich gar nichts mehr! Soeben meinte er doch noch.... Onnis Blick hellt sich wieder auf und er guckt mich wieder genauso verliebt an, wie er es immer tut. „Können wir den Rest auf morgen verschieben ihr süßen?“, frage ich. Ich bin schon total müde. Alle nicken, Onni kommt auf mich zu, ich stehe auf nehme ihn in den Arm und küsse ihn. Jo hat sich wieder in seinen Teil des Bettes gelegt. „Bis Morgen!“, flüstere ich Onni zu. „Schlaf schön! Und morgen erklärst du mir alles!“ Insein. Verschlafen stehe ich auf und gehe langsam aus dem Flugzeug zum Flughafengebäude. Zum Glück erkennt uns niemand und wir können ungestört durch das Gebäude gehen. Lars winkt uns ein Taxi ran und wir alle steigen ein. Am Hotel angekommen hilft uns der Taxifahrer unsere Taschen aus dem Kofferraum in das Hotel zu schaffen. Dort hält uns eine freundlich lächelnde Dame zwei Schlüssel entgegen. Lars schnappt sich sofort einen und zieht Timo mit sich „Dieses Mal musst du mit Jo auf dieser Nacht schlafe ich sehr schlecht. Als ich aufwache ist Jo schon wach. Er hat sich schon angezogen, sitzt an dem Fenster und starrt auf das langsam aufwachende Manhattan. „Danke!“, flüstere ich ihm zu. Er erschrickt sich, dreht sich schnell um und guckt mich groß an. Ich verstehe seinen Blick natürlich, und erkläre ihm: „Wegen gestern Abend! Warum hast du das gemacht?“ Er dreht sich wieder um, starrt aus dem Fenstern und antwortet mir leise: „Wir sind doch Freunde!“ Er stockt und redet erst nach einer Minute weiter: „Außerdem hast du einen bezaubernden Freund! Mit Markus könnte ich nicht mithalten und ich will meinen ‚Arbeitsplatz’ und meine beiden besten Freunde nicht verlieren!“
Ich stehe auf, gehe zu ihm und umarme ihn. Er erschrickt sich fürchterlich, besonders als ich ihm einen Kuss auf die Wange drücke. „Jo, hab ich dir eigentlich schon mal gesagt, dass du der beste bist! Ich habe echt Glück so einen Freund zu haben! Ich hab dich lieb Jo! Ich zieh mich mal eben an. Wartest du noch auf mich? Danke!“ Bevor ich im Badezimmer verschwinde gebe ich ihm noch ein Küsschen. Jo wird schlagartig knall rot. Als ich wieder aus dem Bad komme steht Jo vor mir und hält mir die Türe auf. „Danke...für alles!“, sage ich im vorbeigehen. „Wieso? Ich habe dir doch nur die Türe aufgehalten...“ Ich verdrehe die Augen und gehe weiter. Ok, wenn er die letzte Nacht schon vergessen hat...bitte, dann nicht. Unten sitzen meine Jungs schon und schlürfen ihren Kaffee. Ich setzte mich dabei. „Hej! Na, alle gut geschlafen?“ Die beiden nicken nur und murren: „Nur n bisschen zu kurz!“ So kenn ich die beiden gar nicht. Sonst sind sie immer so hyperaktiv, besonders am frühen Morgen! Plötzlich hält mir jemand die Augen zu. Mir ist sofort klar, dass es Onni ist. Ich drehe mich also um und gebe ihm zur Begrüßung einen langen Kuss. Als ich mich wieder umdrehe sehen mich Timo und Lars so an, als ob ich grade einen Marsmenschen geküsst hätte. Jo dagegen sieht nur diskret zur Seite. Ich weiß, dass ich ihn grade sehr verletzt habe. Aber, was soll ich denn machen? Jo will ich ja nicht verletzen, aber Onni nie mehr küssen oder in den Arm nehmen? Nee, dass schaff ich nicht. „Markus, ich finds ja echt super dich wieder zu sehen, aber WAS ZUM TEUFEL MACHST DU HIER?“, fragt Timo, als er wieder Worte gefunden hat. Onni setzt sich neben mich und fängt an zu erklären: „Ich hatte Sehnsucht nach meiner Süßen und nach euch!“ „Spinner“, werfe ich ein. „Wir können nur ein paar Minuten, höchstens eine Stunde weg gewesen sein!“ Er überhört das diskret und erzählt weiter: „Also habe ich mir ein Flugticket gekauft und bin euch hinterher geflogen! Ich habe mich entschlossen, dass ich jetzt vom Gitarristen zum Obergroupie wechsele! Ich reise euch nämlich hinterher!“ „Kommt gar nicht in Frage! Du musst dich doch schonen! Und das geht am besten zu Hause!“, mischt sich Timo bemutternd ein. Spontan fängt Onni an zu grinsen. Erst weiß ich nicht, was er hat, doch dann fällt mir wieder die letzte Nacht vor unserem Abflug ein. „Ah, eine Sache zwischen unseren Turteltauben!“, grinst Lars. Ich beschwere mich sofort: „Das Turteltauben nimmst du sofort zurück!“ Er sieht mich unschuldig an und nuschelt nur so etwas wie ‚Is ja gut!’ So fangen Lars und Timo an zu rätseln warum und worüber wir so grinsen und fragen Onni auch noch aus. Ich trinke währenddessen eine Tasse Kaffee und versinke in Gedanken über mein jetziges Leben.

Ich wache auf. In unserem Zimmer ist es stock dunkel. An dem riesigen Fenster sehe ich einen Umriss. Ich drehe mich auf die andere Seite. Der Umriss am Fenster muss Jo sein. Die rechte Seite des Bettes ist nämlich leer. Ich stehe vorsichtig auf. Je näher ich Jo komme umso deutlicher höre ich ihn weinen. Vorsichtig flüstere ich ihm zu, als ich fast direkt hinter ihm stehe: „Jo, was ist los?“ Er antwortet nicht. Ich werde noch etwas vorsichtiger, nehme ihn aber trotzdem in den Arm. Er wehrt sich überhaupt nicht, mir kommt es mehr so vor, als ob er es eher genießt. Ich mache mir große Sorgen über ihn. Es kann doch so nicht weiter gehen! Aber wie sonst?
Als ich ihn wieder halbwegs getröstet habe gehen wir beide ins Bett und schlafen weiter. Wir müssen am Morgen früh aufstehen. Unsere Tour geht weiter durch die USA. Am Frühstückstisch erfahre ich, dass auch Onnis Arzt sehr dagegen ist, dass Onni mit uns auf Tour geht. Also hat er schon ein Ticket für einen Flug nach Stockholm gebucht. Nach dem Frühstück gehen wir alle hoch auf unsere Zimmer, um unsere Koffer zu packen. Am Flughafen breche ich wieder in Tränen aus. Es tut mir so weh Onni gehen zu lassen. So ungefähr muss sich Jo immer fühlen. Nachdem ich Onni tausendmal gesagt habe, wie sehr ich ihn liebe und er es mir erwidert hat muss er einchecken und ich muss ihn endgültig gehen lassen. Wir müssen dann auch zu unserem Flugzeug gehen. Als wir in unserem Hotel angekommen sind und ich mit Jo geregelt habe, wer wo schläft schalte ich den Fernseher ein um Nachrichten zu sehen. „Heute um 13:00Uhr Amerikanischer Zeit stürzte über dem Atlantic eine Passagiermaschine vom Typ 747 der Lufthansa ab. Schock für alle Musikfans! In dem Flugzeug soll sich der Gitarrist der schwedischen Band Thunderstorm befunden haben. Zum jetzigen Zeitpunkt konnten noch keine Passagiere lebend gerettet werden. Die Rettungsstaffel konnte jedoch schon 50 Leichen bergen...“ Ich bekomme einen riesigen Schock, mir wird schwarz vor Augen, ich lasse die Fernbedienung fallen und kippe rückwärts auf den Boden. Als ich wieder zu mir komme liege ich auf meinem Bett und meine Jungs sehen mich an. Ich schaue Jo fragend an. Er nickt nur langsam. „Wir haben grade einen Anruf bekommen. Man hat wahrscheinlich Markus Leiche gefunden. Wir sollen sie noch identifizieren. Es tut mir so leid für dich!“ Mir wird sofort wieder schwindelig. Das kann doch alles nicht wahr sein. Was soll ich denn jetzt machen? Mir steigen Tränen in die Augen und ich fange an zu weinen. Jo nimmt mich in den Arm und versucht mich zu trösten. Als ich mich wieder halbwegs beruhigt habe kann ich nur noch so etwas wie: „Ich muss sofort zu ihm!“ raus bringen. Lars nickt verständnisvoll: „Ich habe schon Flugtickets besorgt! Gleich morgen früh fliegen wir alle mit dir nach New York zurück. Ich glaube, dass du uns jetzt brauchst!“ Da hat Lars total Recht. Im Moment kommt es mir immer noch vor wie in einem schlechten Film!
In dieser Nacht schlafe ich sehr unruhig. Ich wache immer wieder auf und habe Albträume. In diesen Träumen bringe ich Onni um und Jo mich. Am Morgen bin ich sehr nervös. Ich habe so etwas noch nie gemacht. Ich bin echt sehr froh, dass ich jetzt Jo, Timo und Lars bei mir habe, obwohl ich sehr viel lieber noch Onni bei mir hätte. Als wir in der Leichenhalle angekommen sind geht es mir eigentlich recht gut, doch als ich dann zu Onni geführt werde breche ich fast wieder zusammen. Es ist wirklich mein Onni. Er sieht so furchtbar aus! Man gibt mir die Sachen, die Onni bei sich hatte. Ganz oben in seiner Tasche liegt ein schnell zusammen gefalteter Zettel. Als wir wieder in unserem Hotel sind sehe ich mir den Zettel an. Es ist ein Abschiedsbrief wo drin steht, wie sehr er mich liebt, egal was passiert! Ich muss schon wieder weinen. Ich glaube, so viel wie ich in diesen zwei Tagen geweint habe, habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht geweint. Ich habe noch nicht wirklich realisiert, dass Onni nicht mehr da ist, und dass ich ihn nie wieder in den Arm nehmen kann, oder dass mich nie wieder diese strahlend blau-grauen Augen ansehen werden. „Jo, ich möchte bitte nach hause! Kannst du mal mit Lars reden, dass wir die Tour abbrechen?“, frage ich ganz verzweifelt. Jo nickt nur und nimmt mich wieder in den Arm. Genau das brauch ich im Moment wirklich! Am nächsten Tag regeln wir alles mit Lars und fliegen noch gleich an dem Tag nach Stockholm zurück. Am Flughafen werden wir von 100ten von Reportern und Fotografen belagert. Jo schütz mich etwas und beantwortet ganz lieb all die Fragen, die eigentlich mir gestellt werden. Die Presse in Schweden hat wohl davon Wind bekommen, dass ich mit Onni zusammen war. Bei Marion fällt sie mir sofort in den Arm. Sie weiß natürlich auch alles.

Mir geht es immer noch so schrecklich! Das alles ist jetzt schon fast zwei Wochen her. Onnis Beerdigung liegt auch schon zwei Tage zurück. Jo hat mich in den Tagen so sehr unterstützt! Mir geht es im Moment wirklich nicht gut! Mir ist andauernd schlecht und oft habe ich Heißhungerattacken. „Sag mal, kann es sein, dass du schwanger bist Schwesterlein?“, fragt mich Marion plötzlich, als ich mir grade ein Sandwich mit Nutella und sauren Gurken mache. >Was ess ich hier eigentlich? <, frage ich mich als ich mir das Sandwich noch einmal genau angucke. „Meinst du?“, frage ich sie.
Einen Tag später sitze ich auch schon bei meinem Frauenarzt. Zur Unterstützung ist Jo mitgekommen. Marion hatte keine Zeit. Sie hat grade einen super großen Auftrag von ihrer Agentur bekommen. Sie ist Innenraumdesignerin. Als der Arzt ins Wartezimmer kommt um mich noch einmal in sein Untersuchungsraum mitnimmt wird mir irgendwie kalt und doch warm. „Herzlichen Glückwunsch! Sie sind schwanger! Im zweiten Monat“ Ich sehe ihn ganz geschockt an. „Freuen sie sich denn gar nicht?“, fragt er mich. Jetzt bin ich wohl gezwungen ihm alles zu erklären. „Der Vater meines Kindes ist grade verstorben. Sie kennen doch wohl Markus, oder?“ er nickt und gibt jetzt auch noch sein Beileid bekannt. Das alles ist doch etwas zu viel für mich. Sofort als wir aus der Praxis raus sind, rufe ich Lars an um ihm mitzuteilen, dass unsere Tour nun endgültig ausfallen muss. Ich will das Kind wirklich nicht verlieren! Es ist auch ein Teil von Onni. Ein noch lebender Teil! Als nächstes rufe ich Toumas an um ihm zu sagen, dass Toumas Onkel wird. Alle freuen sich total mit mir. Langsam realisiere ich auch alles und freue mich riesig. Ich habe Onnis Kind in meinem Bauch!

Jetzt ist es bald soweit. Ich bin im 9. Monat. In drei Wochen soll ich mein Baby bekommen. Jo hat mich bisher so sehr unterstützt! Unsere Fans haben mir 100te von Briefen geschickt. Im Moment diskutiere ich angeregt mit Jo über einen Namen. „Wenn es ein Mädchen wird, dann kannst du es ja Johanna nennen!“, schlägt Jo vor und betont das Jo extra stark. „Und wenn es ein Junge wird Markus!“, mischt sich jetzt auch Marion ein. Ich nicke. „Ja, ich glaube so mach ich es. Marion, wann musst du jetzt nach Lahti? Und hast du schon gehört, wann meine Wohnung fertig ist?“ „Ich muss schon morgen weg! Dann musst du leider anderthalb Wochen alleine bleiben! In zwei Wochen kommt dann auch Mutti. Und dann kannst du in drei Wochen dein Baby bekommen! Deine Wohnung ist in zwei Wochen, wenn ich wieder da bin, fertig!“ „Mari soll alleine bleiben? Kommt gar nicht in frage! Sie kann doch bei mir wohnen, oder ich zieh für die Zeit hier hin! Wer weiß wie eilig es das Baby hat?“, regt sich Jo nun auf. Marion ist sofort begeistert. „Das ist eine gute Idee, aber es ist besser wenn du hierhin kommst! Ich habe mal gelesen, dass es nicht so gut für das Baby sein soll, wenn sich die Mutter in einer fremden Umgebung befindet...“
So diskutieren die beiden was für mich am besten ist. Ich frage mich, was wäre, wenn Onni jetzt noch da wäre. Würden sie sich dann auch so um mich sorgen? Ich nehme mir einen Becher und trinke erst einmal einen Kaffee. „...und wenn ich dann wieder da bin, dann ist das Haus fast fertig. Wenn alles nach Plan läuft“, beendet sie ihren Vortrag. Ich nicke nur immer wieder, trinke meinen Kaffe und überlege weiter.

Ich wache von dem Geruch von frisch gekochtem Kaffee auf. Langsam und verschlafen stehe ich auf, um zu untersuchen, wer den Kaffee gekocht hat. Als ich in der Küche ankomme sehe ich Jo, der mich breit angrinst. „Na, gut geschlafen, Große?“, fragt er mich und drückt mir einen Becher Kaffee in die Hand. „Marion ist schon weg. Ich soll dich von ihr grüßen!“ Ich grinse ihn nur an und gebe ihm einen ‚Gutenmorgenkuss’. So ein ‚Bussi’. Er schafft es jetzt sogar schon nicht mehr rot zu werden. Wir reden den ganzen Tag und albern rum. Es ist so wie es früher war, als wir noch 15 waren. Doch am Abend fühle ich mich nicht mehr so gut. „Johooo, ich glaube es geht los!“, rufe ich ihm in die Küche zu, als ich meine erste Wehe bekomme. Er fährt sofort mit mir ins Krankenhaus. Er füllt alle Formulare für mich aus und hält meine Hand, als die Wehen immer stärker werden. 12h später erblickt mein Sohn das Licht der Welt. Als erster darf Jo ihn in den Arm nehmen. Er hat Onni super ‚vertreten’! Es sieht so rührend aus, wie er den kleinen ansieht. Als ich auch endlich meinen Sohn in den Arm nehmen darf fallen mir als erstes seine Augen auf. Er hat genauso strahlend blau-graue Augen wie Onni. Er hat die Augen, die ich jetzt fast neun Monate vermisst habe. Er ist so wunderhübsch! „Wie wollen Sie Ihren Sohn denn nennen, Frau Ahonius?“, fragt mich plötzlich eine Krankenschwester. Knapp antworte ich nur: „Markus“

„Ist er nicht wunderhübsch?“, fragt mich Jo während er mit mir, den schon schlafenden Markus ansieht. Es ist mittlerweile schon dunkel und der Mond scheint durch mein Fenster in das Zimmer. Ich nicke nur leicht um Markus nicht zu wecken. Als ich hoch sehe, in Jos Augen bekomme ich so ein Kribbeln im Bauch. Die berühmten Schmetterlinge im Bauch. Er ist für mich so viel mehr als nur mein bester Freund geworden! Der Mond fällt auf ihn und lässt ihn noch viel hübscher erscheinen. Durch das Mondlicht glitzern seine Augen so mythisch. Genau solche Augenblicke meinte ich immer, wenn man mich in Interviews gefragt hat, was magische Momente seien. „Jo...“, flüstere ich ihm leise zu, „ich liebe dich!“ Ganz entgeistert sieht er mich an. „Sag so etwas nicht! Wir haben jetzt viel zusammen durch gemacht, aber...sag so etwas einfach nicht!“ Ich lege Markus in sein Bett, setzte mich neben Jo und gebe ihm einen innigen Kuss. „Nein! Wir dürfen nicht! Ich habe ein schlechtes Gewissen Markus gegenüber! Ich meine, kaum ist er tot fange ich was mit dir an. Das ist ja fast so, als hätte ich ihm dich ausgespannt! Du warst jetzt eine lange Zeit alleine und...“, sagt er ganz aufgebracht. Ich entgegne ihm: „Nein Jo, ich hatte dich! Ich habe Onni zwar vermisst, aber nich so stark, wie ich es erwartet hatte. Ich hatte ja dich! Jo, ich habe jetzt fast sieben Monate gebraucht um festzustellen, dass ich dich liebe, und dann sagst du, dass das alles nicht stimmen kann und darf??? Was soll ich denn machen?“ „Es geht einfach nicht Süße!“, erwidert er mir, steht auf und geht. Das kann doch jetzt nicht wahr sein! Tränen steigen mir in die Augen und ich schluchze leise: „Onni, bitte sag mir doch was ich jetzt machen soll! Ich brauche jetzt deinen Rat!“ Plötzlich leuchtet ein Stern besonders hell auf. Der Schein fällt auf Onnis Tasche, die ich mit ins Krankenhaus genommen habe. Ich stehe auf und sehe mir die Tasche noch einmal gut an. Aber nirgends ist auch nur die kleinste Andeutung für einen guten Ratschlag oder so etwas in der Art. Als letztes nehme ich mir noch einmal den Brief zur Hand und lese ihn mir noch einmal durch. Gar nichts. Ich drehe das Papier um und sehe, dass auf der Rückseite noch etwas geschrieben steht. Onni hat schnell mit einem Kulli geschrieben. Das kann ich sehen. „Hej meine Süße!“ >Wie sehr ich es vermisse, dass er mich Süße nennt<, schießt es mir durch den Kopf. „Wir haben grade die Mitteilung von unserem Piloten bekommen, dass wir abstürzen werden. Ich weiß nicht, ob ich das überlebe, deswegen wollte ich dir noch einen letzten Brief schreiben, und hoffe, dass du ihn jemals lesen kannst! Du musst wissen, dass ich dich immer lieben werde! Aber du darfst mir nicht hinterher trauern! Für dich geht das Leben ganz normal weiter! Ich bin sicher, dass du noch einen Mann findest, der dich mindestens genauso doll liebt wie ich dich liebe! Wenn du diesen Mann gefunden hast, dann hoffe ich, dass du glücklich mit ihm wirst! Ich weiß genau, dass du mich trotzdem nie vergisst! Ich liebe dich! Onni 1.000.000Kisses!“ „Danke!“, grinse ich immer noch mit Tränen in den Augen meinen Stern an. Mir ist eingefallen, dass Onni ihn mir mal geschenkt hat! Er hatte ihn von seinen Opa bekommen! Ich lege den Brief und die Tasche wieder weg und sehe noch einmal nach, ob mein Sohn schon schläft. Als ich mich über das Bettchen beuge sehe ich Markus, der mich breit angrinst. Ich nehme ihn also noch einmal auf meinen Arm. Nach ein paar Minuten schlafe ich glücklich und zufrieden mit dem Kleinen im Arm ein. Als ich meine Augen aufschlage sehe ich Jo. Markus liegt noch in meinen Armen und schläft noch. Jo sieht uns beide ganz verträumt an. „Jo, ich liebe dich! Wirklich! Jetzt widersprech mir nicht! Tu mir einen Gefallen. Guck mal in die Tasche da drüben. Da ist ein Brief drin. Les dir bitte die Rückseite durch. Onni wollte, dass ich einen Mann suche, der mich so liebt wie Onni mich geliebt hat. Den habe ich gefunden! Er saß 15 Jahre vor meiner Nase und ich habe es nicht einmal bemerkt! Jetzt habe ich was bemerkt! Ich liebe dich! Bitte glaub es mir“ Er steht auf, nimmt vorsichtig Markus aus meinen Armen, legt ihn in sein Bett, kommt wieder zurück zu mir ans Bett und küsst mich. Danach flüstert er mir zu: „Ich liebe dich auch! Sehr sogar! Ich glaube du und Markus ihr habt Recht! Der Kleine braucht ja einen Ersatzpapa!“ Er gibt mir noch einen Kuss. Er küsst so gut! Besser als Onni? Nein, aber anders! Noch viel zärtlicher! Nach dem Kuss setzt er sich zu mir aufs Bett, nimmt meine Hand in seine und grinst mich an. Da klopft es an der Türe. Kurze Zeit später stehen meine Mutter, Marion, Lars, Timo und Toumas bei mir im Zimmer. Ich freue mich riesig meine Mutter wieder zu sehen! Marion und ich können sie nicht oft sehen, da sie in Lappland an der Grenze zu Finnland wohnt. „Hallo aller liebste Zwillingsschwester! Na, wie geht es dir und meinem liebsten Neffen?“, fragt mich Marion. Ich grinse Jo an und antworte ihr: „Uns geht es sehr gut!“ Jo bleibt immer noch auf meinem Bett sitzen, hält liebevoll meine Hand, lächelt mich an und macht nicht die geringsten Anstallten diesen Zustand in der nächsten Zeit zu ändern. „So glücklich hab ich dich ja schon lange nicht mehr erlebt!“, flüstert mir meine Schwester ins Ohr, als sie mich zur Begrüßung umarmt. Meine Mutter ist so stolz Oma geworden zu sein. Sie nimmt Markus vorsichtig aus seinem Bettchen und wiegt ihn ganz liebevoll und vorsichtig langsam hin und her. Als Mutti, Lars, Jo, Timo und Toumas im Café sind kann ich endlich in Ruhe mit Marion reden. „Jetzt sag schon Schwesterchen, warum bist du so glücklich?“ „Na ja, ich hab mich in Jo verliebt!“ „Endlich hast du’s auch bemerkt! Ich dachte schon du wärst blind!“
„Wie blind?“, frage ich ganz verwirrt. Marion antwortet mir immer noch ganz aufgekratzt: „Dass Jo in dich verliebt ist wusste jeder! In deiner Schwangerschaft hat man auch gemerkt, dass du dich immer mehr in ihn verliebt hast. Jeder hat gemerkt, dass ihr euch sehr verändert habt! Selbst Lars hat was mitbekommen!“ Wir müssen beide grinsen. Solche Probleme mit Männern hatte ich früher auch schon öfter. In dem Moment geht die Türe auf und mein Besuch kommt zu ihr herein.
Mutti, Marion, Toumas, Lars und Timo bleiben noch ca. eine Stunde, bevor sie wieder nach hause gehen. Jo bleibt sogar die Nacht da um auf mich und meinen, Entschuldigung, eigentlich eher unseren Sohn aufzupassen. In der Nacht liegen wir lange wach und sehen uns einfach nur so an. Wieder so ein magischer Moment...

„Guten Morgen mein Engel! Gut Geschlafen? Ihr dürft heute mit nach Hause kommen! Deine...“ „Unsere“, werfe ich ein. „Wohnung ist gestern fertig geworden. Meinst du das ernst mit unserer Wohnung?“, fragt mich Jo ganz verdutzt. Ich nicke. “Ich liebe dich! Ich brauche dich und Markus braucht dich auch! Du bist der beste Vater, den ich mir für Markus vorstellen kann! Ich liebe dich!“, flüstere ich ihm zu um den kleinen nicht zu wecken. Nach dem Frühstück dürfen wir nach Hause. Jetzt sehe ich zum ersten Mal die neu eingerichtete und neu gestrichene Wohnung. Ich erkenne sie nicht wieder. Onni hat mir seine Wohnung vererbt. Marion hat diese dann neu designt, damit mich nicht ganz so viel an Onni erinnert. Das ist meiner Schwester aber auch wirklich sehr gut gelungen! Wenn ich nicht genau wüsste, dass das das Haus in der Storgatan ist würde ich denken ich wäre irgendwo ganz anders. Es ist aber echt schön geworden! Das Wohnzimmer ist ganz in schwarz, weiß und rot gehalten! Das restliche Haus in Pastelltönen. Das Zimmer von Markus ist gelb gestrichen. Die Decke ist dunkel blau und es sind silberne Sternchen aufgemalt. Ich bin überglücklich! Ganz unerwartet zieht mich Jo runter in die erste Etage in einen, mir unbekannten Raum. In dem Raum ist es stock dunkel. Der Raum hat kein einziges Fenster und die Türe ist auch keine normale Türe. Es ist eher eine Panzertüre. Aber wieso hat Marion in mein Haus Panzertüren einbauen lassen??? Nun hält Jo mir meine Augen zu. Trotzdem kann ich aber sehen, dass er das Licht anschaltet. Als ich endlich wieder etwas sehen kann und darf denke ich, ich träume. Der Raum ist nicht grade klein, aber voll gestellt mit Platin und Gold Platten. Jo versucht zu erklären: „Der Arzt meinte, wir sollten dich keinem Stress aussetzen. Auch wenn es so schöner Stress ist! Deswegen mussten wir dir verheimlichen, dass wir in fast zehn Ländern Platin, in zwei doppel Platin und in fünf Gold für unser Album und in zwölf Ländern Platin für die Singles bekommen haben. Die Dinger die hier rum stehen gehören alle dir, Süße!“ Als er mich Süße nennt steigen mir Tränen in die Augen und ich stürze Jo in die Arme. Ich bin so stürmisch, dass wir beide hinten rüber fallen. „Au! Nicht so stürmisch Kleines!“, ruft er, als er mit dem Kopf auf den harten Marmorfußboden aufprallt. Ich küsse ihn sozusagen als ‚Gutebesserungskuss’ und als Entschädigung. „Was macht ihr denn da? Wird das ein Schwesterchen für Markus?“, unterbricht uns Marion, die im Türrahmen steht und uns beide angrinst. Ich strecke ihr meine Zuge raus, stehe auf und umarme sie erst mal. Nachdem ich mich mindestens 1000mal bedankt habe setzten wir uns in den Garten. Heute wollen noch ein paar unserer Freunde kommen um unser Haus mit uns einzuweihen. Tuomas, Lars, Timo und all unsere Freunde, einschließlich unserer zwei befreundeten Bands sind da und feiern mit uns nicht nur unseren Einzug, sondern auch die Geburt des Kleinen. Die anderen beiden Bands und wir sind schon in unserer Schulzeit entstanden. Wir 12 kennen uns jetzt schon seit unserer Zeit in der 5. Klasse und sind auch seit daher super eng befreundet. Unsere Freundschaft hat zum Glück sogar den uns Aufgezwungenen ‚Konkurrenzkampf’ der für uns eigentlich kein Konkurrenzkampf war, überstanden! Die 11, jetzt ja leider nur noch 10, sind für mich meine zweite Familie! „Entschuldigung“, unterbreche ich die Party, „ich wollte mich heute noch einmal bei euch allen für eure Liebe und Unterstützung, mit der ihr mir alle so Wahnsinnig geholfen habt, bedanken! Aber besonders danke ich Marion, du bist die beste Zwillingsschwester, die ich mir hätte aussuchen können, und Jo, du bist der beste Ersatzpapa, den ich mir für Markus vorstellen könnte! Ich liebe euch!“ Jetzt gucken mich einige Leute sehr überrascht an, grinsen dann aber doch wieder. Wir feiern noch recht lange. Als all unsere Gäste weg sind sitzen Jo und ich noch was auf dem Rasen. Es ist schon recht kalt, aber Jo versucht mich so gut es geht zu wärmen. Leise flüstere ich meinem Stern, bzw. Onni zu: „Danke! Ich werde dich nie vergessen!“ „Mhm? Was?“, fragt mich Jo. Anstatt ihm eine Antwort zu gegen drehe ich mich um und küsse ihn. Wir stehen auf und gehen rein. Draußen ist es jetzt doch etwas zu kalt.

„Schatz, weißt du schon ob du mit uns weiter Musik machen willst? Ich meine, ich könnte gut verstehen wenn nicht! Du bist jetzt ja Mutter und hast sicher andere Probleme, oder?“, fragt mich Jo plötzlich. Wir liegen noch auf unserem Bett. Zwischen uns liegt der kleine. Unser Schlafzimmer ist im Moment der einzige Ort im Haus, an dem man es so halbwegs aushalten kann. Der Hochsommer hat jetzt so richtig eingesetzt! Ganz erbost antworte ich ihm: „Sicher machen wir weiter! Das bin ich Onni schuldig! Außerdem seid ihr meine zweite Familie! Ihr und die Musik seid immer noch mein Leben! Ich liebe und brauch euch einfach! Wir bekommen das schon hin!“ „Ja, du hast Recht! Ich glaube es ist auch besser so! Markus soll ja auch irgendwann einmal studieren können!“ Ich muss grinsen und versuche ihn zu beruhigen: „Unser Sohn ist erst knapp eine Woche alt und du denkst schon darüber nach, ob er studieren kann...Wir haben doch bisher genug mit unseren Platten und Touren verdient, dass er auch locker in Howard studieren kann! Mach dir mal keine Sorgen!“ War Jo schon immer so fürsorglich? Ich glaube nicht. Er sieht mich ganz entgeistert an. „Was hast du denn jetzt? Hab ich was Falsches gesagt?“ „Ja...nein...also...UNSER Kind?“ Er ist wirklich süß wenn er verwirrt ist! Und das ist er im Moment wirklich sehr! „Jo, du hast dich schon um mich und Markus gekümmert, als noch gar nicht sicher war, ob ich überhaupt schwanger bin. Du hast ihn als erster auf den Arm nehmen dürfen! Du bist sein Vater! Zwar nicht ganz der biologische, aber das ist doch egal! Markus kennt dich nur als sein Papa! Und das bist du ja wohl auch, oder nicht?“ Er nickt. Er hat jetzt dieses Funkeln in den Augen. Während ich meinen Kleinen in sein Bett bringe überlege ich etwas. Eigentlich heißt es ja immer, dass man nur einmal im Leben die ‚große Liebe’ findet. Das kann ich aber überhaupt nicht bestätigen! Es klingt zwar komisch, aber ich habe mehrere große Lieben, die auch noch bis heute anhalten! Meine großen Lieben sind Schweden, meine Musik, Onni, Jo und mein Kleiner! Dass einzige was ich komisch finde ist, dass ich so lange gebraucht habe um mir klar zu werden, dass ich sie liebe. „Markus schläft! Wir haben also sozusagen sturmfrei!“, grinse ich ihn an. „Bist du dir sicher, dass das jetzt ein guter Augenblick ist?“ Er ändert seine Meinung nicht, obwohl ich ihn wie ein Dackel ansehe und ihn liebevoll küsse. Beleidigt gehe ich ins Kinderzimmer vom Kleinen. In der Ecke steht noch ein Bilderrahmen. Der Bürgermeister hat meinem Sohn zur Geburt ein Bild einer sehr berühmten schwedischen Künstlerin der Moderne (meine Lieblingskünstlerin) geschenkt. Am unteren Bildrand ist eine Widmung für den Kleinen von der Künstlerin. Ich beschließe es endlich aufzuhängen! Als ich grade fertig bin und mir mein ‚Meisterwerk’ ansehe höre ich Jo flüstern: „Markus Jo?“ Ich erschrecke mich fürchterlich, da ich ihn nicht gehört habe, wie er rein gekommen ist. Ich drehe mich leicht um, um ihn zu küssen. Er stellt sich hinter mich und legt seine Arme um meine Hüfte. Zusammen sehen wir noch eine Weile den Kleinen an. „Was hältst du eigentlich davon, wenn der Kleine noch eine kleine Schwester hätte?“, frage ich Jo. Er überlegt etwas: „Noch nichts, aber so in zwei Jahren?“, überlegt er. Ich antworte ihm nicht, es scheint aber so als hätte er auch gar keine Antwort erwartet. „Maus, was meinst du, Sollen wir doch noch auf deine Idee zurück kommen? Ich glaube, jetzt ist der richtige Augenblick!“ Ich verdrehe meine Augen. „Schon mal drüber nachgedacht, ob du Stimmungsschwankungen hast?“, frage ich ihn, „Aber...mhm, lass mich überlegen...ich glaube nicht, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist!“ Ich zwinkere ihm zu und gebe ihm einen Kuss.

Der Kleine quengelt heute schon den ganzen Tag. Heute ist glaube ich der heißeste Tag im Jahr! Wir haben fast 35°C! Markus liegt es glaube ich im Blut, dass es Hitze nicht ab kann! Er ist halt ein echter dreiviertel Schwede einviertel Finne. Onni ist eigentlich ein geborener Finne! Er ist in Espoo geboren, genau wie sein Vater. Ich bin zwar schon etwas genervt von dem geknatsche, versuche ihn aber trotzdem ganz liebevoll zu beruhigen. Ich liege mit ihm in unserem Schlafzimmer und singe ihm schöne schwedische Volkslieder vor. Zwischendurch fallen mir auch ein paar deutsche und ein, zwei finnische ein. Die deutschen kenne ich auch meinem Austauschjahr in Deutschland. Dieses Jahr war für mich so ziemlich der Horror! Die Familie war zwar sehr nett und ich habe mich auch sehr gut mit allen verstanden, aber ich konnte ein Jahr Marion und meine Band nicht sehen und meine Gitarre konnte ich auch nicht mitnehmen. Während ich so vor mich hin singe wuschelt Jo irgendwo in unserem Haus rum. Ich habe keine Ahnung, was er vor hat kann aber auch nicht nachsehen. Als Markus dann endlich um halb zehn eingeschlafen ist sehe ich nach. Im ganzen Haus ist es stockdunkel. Vorsichtig taste ich mich durch den Flur. Die Glastüre, die den Flur von dem Esszimmer trennt ist mit Stoff zugehängt. Vorsichtig öffne ich die Türe. Mein erster Blick fällt in die Küche. Jo springt dort wie wahnsinnig hin und her. Dann sehe ich zu dem Tisch. Überall stehen Kerzen und Jo hat den Tisch mit hunderten von Rosen gedeckt. Im Hintergrund läuft leise Musik. Es sieht alles so wunderhübsch aus. Ich setzte mich an den Tisch und sehe mich noch einmal gründlich um. Kurz darauf kommt Jo auch ins Esszimmer. Er hat für uns beide gekocht. Eigentlich sagt er immer, dass er gar nicht kochen könnte...doch das Essen schmeckt super! Beim Essen reden wir nicht besonders viel. Auch nachher nicht. Wir sehen uns einfach nur tief in die Augen. „Music was my first love and it will be my last...“, höre ich leise aus dem Wohnzimmer. Music von John Miles! Ich liebe dieses Lied! Leise und mit sehr viel Liebe in der Stimme flüstert er: „Mari, du bist mein ein und alles! Ich liebe dich! Ich möchte für immer mit dir zusammen sein und dich nie verlieren! Du und Markus, ihr bedeutet mir alles! Ich brauche euch und besonders dich in meinem Leben! Deswegen wollte ich dich fragen...“ Er stockt, holt eine kleine schwarze Dose hervor und beendet seinen Satz: „Mein Engel, willst du meine Frau werden?“ Ich bin total geschockt! Damit hatte ich jetzt wirklich nicht gerechnet! Ich breche in tränen aus. Er sieht mich fragend aber auch ein bisschen verzweifelt an. Als ich mich wieder halbwegs gefasst habe antworte ich ihm: „Ja! Was hattest du denn gedacht? Ich liebe und brauche dich doch auch!“ Jo öffnet die Dose, kniet sich vor mich hin, nimmt vorsichtig meine Hand in seine und steckt mir den Ring an den Finger. Ich bin überglücklich und falle ihm in den Arm. Wir stoßen mit Champagner auf eine möglichst lange Ehe an. Hätte ich Onni auch heiraten wollen? Ich glaube nicht. Mit Jo ist einfach alles ganz anders! Und schon wieder so ein magischer Moment!

„Marion Ahonius“, meldet sich meine Schwester. Ohne das sie noch etwas sagen kann brabbel ich meinen Text runter: „Hej Schwesterchen! Ich muss dir unbedingt was erzählen! Als gestern Abend...und ich...ich bin jetzt und jetzt hat Markus auch wirkliche einen...und wir wollen dann...und, wirst du dann meine Trauzeugin?“ „Mari, jetzt mal ganz langsam! Was ist mit dir und Jo?“ „Marion, wir werden heiraten! Er hat mir gestern einen Antrag gemacht! Es war so schön! Er hat sogar für mich gekocht! Ja also, ich wollte dich fragen, ob du dann meine Trauzeugin werden willst! Kannst du dich noch dran erinnern? Das haben wir uns mal versprochen. Ich glaube, da waren wir grade in der ersten Klasse!“ „Ja...so ganz schwach kann ich mich noch dran erinnern! Herzlichen Glückwunsch! Natürlich übernehm ich den Part der Trauzeugin, wenn du wirklich willst!“ „Würd ich dich sonst fragen, Marion?“ Wir telefonierten noch einige Zeit. Ich rief auch noch meine Jungs an und natürlich meine Familie und engsten Freunde an, bevor ich Markus aus seinem Zimmer holte. Er hat bis grade sein Mittagsschläfchen gemacht und ist grade aufgewacht. „Ach Markus, deine Mama ist so glücklich! Wie gerne würde ich Onni danken!!! Wenn das alles nicht gewesen wäre, dann wäre ich wahrscheinlich nicht mit deinem Papa zusammen! Ich bin so glücklich!“ Ich stehe mit Markus auf dem Balkon der an sein Zimmer und an das Schlafzimmer grenzt. „Das freut mich, dass du glücklich bist! Ich bin es auch, und ich glaube unser Sohn auch!“, höre ich Jo sagen, der jetzt hinter mir steht. Tränen schießen mir in die Augen! Noch nie hat er ‚unser Sohn’ gesagt, und ich bin ganz gerührt! „Mausi, hättest du was dagegen, wenn ich Markus adoptieren würde? Dann wäre ich wirklich sein Papa!“ „Nein!“, flüstere ich unter Tränen zu Jo! „Nichts! Ich liebe dich! Du bist ein SUPER Vater!“



Ende



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