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Ruusu schreibt Finn
Ich schreibe Markus Jo

(zum besseren Verständnis:
Photobucket - Video and Image Hosting
wobei die 'Lost with you' inzwischen 'Muutos - Verloren ohne dich' heißt und MJ keine Schwester hat)



Keep your ♥ broken

~+~Markus Jo~+~

Man bin ich nervös. In zwei Stunden fliege ich nach Finnland. Normalerweise nichts ungewöhnliches, dass man mal weg fliegt, aber so wie alles in meinem Leben ist auch das nicht normal! Mein leiblicher Vater kam aus Finnland. Ich bin also Halbfinne, und wenn ich schon meinen Vater nicht kennen lernen kann, dann möchte ich wenigstens sein Heimatland kennen lernen! Mein leiblicher Vater ist nämlich Markus, aus der ehemaligen Rockband Thunderstorm. Meine Mutter und mein Vater haben mir diesen Flug geschenkt. Sie meinten es wäre gut, wenn ich meine Wurzeln kennen lernen würde. Okay, ich kenne die Familie von Markus, aber ihn selbst hätte ich auch gerne kennen gelernt! Nur das geht nicht mehr. Er ist bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Ich weiß nicht ob ich das gut oder schlecht finden soll. Wenn das nicht passiert wäre, dann hätte meine Mum Mari, die Sängerin und Gitarristin von Thunderstorm, nicht Jo, meinen Vater geheiratet.
„Die Passagiere des Fluges 73 nach Helsinki werden gebeten zum Check in an Gate C28 zu kommen. The passengers of the flight 73 to Helsinki please go to check in to gate C28. Thank you!”, dröhnt es aus den Boxen und mein Herz macht einen Sprung. Mit meinem Flugticket bewaffnet mache ich mich auf den Weg. Eine freundliche Dame checked mich ein und ich darf endlich das Flugzeug betreten.


~+~Finn~+~
Ich hasse Flughäfen, also nicht Flughäfen sondern eher das Fliegen... Ich habe totale Höhenangst... von meinem Vater geerbt! Deshalb bin ich auch nicht mit meiner Verlobten nach Schweden, zu ihrer Schwester geflogen. Nun stehe ich hier nach 3 Wochen wieder auf dem Flughafen an der Zollkontrolle und warte auf sie.
Oh Gott! Ich glaube ich hätte doch mitfliegen sollen! Da steht mein Schatz mit einem anderen Kerl an ihrer Seite, und lacht ihn total an! Was soll das denn bitte?!?!?! Ich glaub, die sieht mich gar nicht! Maaaan bin ich eifersüchtig. Und der Kerl sieht auch noch gut aus! Ach, sie hat mich doch bemerkt...Ja, ne is klar! Der Typ kommt auch noch mit hierhin! Schon fällt Riski mir um den Hals. "Ich hab dich sooo vermisst, mein Schatz!", flüstert sie mir ins Ohr. Hmmm....und der Kerl da vorne?! Sie bemerkt meinen Blick und meint: "Finn, das ist Markus Jo aus Schweden. Ich saß im Flugzeug neben ihm, er ist hier um Verwandte zu besuchen", aha...also doch keine Konkurrenz! "Wie lange bleibst du denn hier? Wir können uns dann doch noch mal treffen...", schlage ich vor. "3 Wochen. Ich ruf euch an!", sagt er und verschwindet zu einer Gruppe Leuten, wahrscheinlich seine Verwandten.
Riski und ich gehen erstmal zu meiner kleinen Wohnung mitten in Helsinki. "Hey, freust du dich überhaupt, dass ich wieder da bin?", fragt sie und schaut mich an. "Klar, was denkst du denn?", frage ich. Ich war mit den Gedanken irgendwie weit weg gewesen. "Ey, schatz! Ich hab mir ne neue Gitarre gekauft!", strahle ich sie an. "Wie geil! Was denn für eine?", ich bin echt froh ne Freundin zu haben die die Musik genauso liebt wie ich!!! Riski hat selbst mal Gitarre gespielt, bzw. spielt manchmal immer noch. "Ne Epiphone...in schwarz, wie immer!" "Wo?", fragt sie nur. "Da wo alle meine Gitarren stehen!" Sie rennt direkt ins Wohnzimmer. Kurze Zeit später höre ich ‚Nothing elso matters‘ von Metallica. Ich gehe langsam zum Wohnzimmer und bleibe im Türrahmen stehen. Riski sieht total schön aus wenn sie Gitarre spielt. Total auf die Musik konzentriert. Dabei fallen ihr einige Strähnen ins Gesicht.
Sie spielt noch die letzten Töne und blickt mir dann direkt in die Augen. „Ich hab dich gar nicht bemerkt!“, meint sie. „Du spielst total gut! Du solltest wieder mit Gitarre anfangen“, versuche ich sie zum x-ten mal zu überreden. „Mhm....so langam überleg ichs mir wirklich! Du gibst auch nicht so schnell auf, nicht war?“ „Nö.“ „Okay....Ich spiel wieder...dann schau ich mich mal nach ner Gitarre um...!“ Endlich! Ich habs geschafft! „Schatz, du kannst solange meine haben....“


~+~Markus Jo~+~

Mhh, der Kerl sieht aber verdammt gut aus. Doch leider ist er vergeben. An eine Frau. An Riski. Sie saß im Flugzeug neben mir und hat sich mit mir unterhalten. Sie hat mir sogar ihre Telefonnummer gegeben. Auf die Frage was ich in Finnland wolle, meinte ich nämlich wahrheitsgemäß meine Vergangenheit besuchen. Sie hat mich wahrscheinlich falsch verstanden, weil sie später nur noch was von meiner Verwandtschaft redete, aber sie hat mir trotzdem angeboten, dass ihr Freund, der gut aussehende Kerl, mit mir eine Stadtführung durch Helsinki machen könnte. Sie muss leider morgen wieder weg. Sie hat noch am Flughafen einen Anruf von ihrer Chefin bekommen, die ihr mitteilte ihre nächste Geschäftsreise würde in einem Tag nach Deutschland gehen.
Riski ist zwar super lieb, aber eigentlich ist mir das so auch ganz recht. Dann lerne ich Finn, so heißt ihr Freund, auch etwas kennen.
"Ich ruf euch an!", verabschiede ich mich von den beiden und verschwinde in einer Gruppe von Menschen. Ich kann mir vorstellen, dass die beiden jetzt ungestört sein wollen. Jetzt bin ich wirklich froh in der Schule Finnisch gelernt zu haben. Ich hätte auch Deutsch oder Norwegisch wählen können. Im Moment habe ich mir erstmal Urlaub genommen von allem, was auch nur im Entferntesten mit Schule zutun haben könnte. Ich habe nämlich grade meinen Abschluss hinter mir. Zu diesem haben mir meine Eltern auch diese Reise geschenkt. Und an ein paar Unis habe ich mich auch schon umgehört. Studieren will ich nämlich wirklich, ich bin mir nur noch nicht so ganz sicher wo. In Stockholm wär ganz hübsch, dann könnte ich noch bei meiner Familie wohnen bleiben, aber ich wollte mir auch mal die Unis in Helsinki und Espoo ansehen. Vielleicht bleibe ich dann ja auch hier…

Als ich mich durch die ganzen Menschen durchgewuselt habe suche ich mir ein Taxi und fahre zu meinem Hotel. Ich habe schon ein bisschen in Reiseführern gelesen und mir eine Liste gemacht wo ich überall hin möchte. Relativ weit oben stehen Stockmann, der Hafen, das Sibeliusmonument und der Dom. Deswegen bin ich auch etwas überrascht, als der Taxifahrer genau gegenüber von Stockmann anhält und meine Koffer aus dem Kofferraum hievt. Okay, dann kann ich Stockmann ja schon so gut wie abhaken. Dann bleibt ja nur noch das Sibeliusmonument, was etwas außerhalb liegt. Da muss ich aber unbedingt hin! Ich liebe Musik und ich lebe für die Musik!


~+~Finn~+~

Ich schlage die Augen auf und recke mich erstmal. Dann springe ich aus dem Bett und schmeiße die Kaffeemaschine an. Riski schläft noch und ich will sie auch nicht wecken. Morgen muss mein Schatz leider schon wieder nach Deutschland. Sie kommt ziemlich weit in der Welt rum...Nachdem ich dann geduscht und meine zwei Tassen Kaffee intus habe, schreibe ich Riski einen Zettel: >Bin auf dem Markt, nachher noch bei Stockmann. Ruf an wenn du nachkommst! Ich liebe dich! Finn< und lege ihn neben das Bett.
Dann mache ich mich auf zum Markt. Dort treffe ich direkt Markus Jo, den Halbfinnen vom Flughafen gestern. Ich laufe ihm entgegen. „Hei! Schön dich zu sehen!“, begrüße ich ihn. „Hei! Ist Riski schon in Deutschland?“ „Ne, sie fliegt erst morgen früh. Deshalb wollte ich sie nicht wecken. Was hast du denn heute vor?“, frage ich. „Mal gucken...Vielleicht fahre ich zum Sibeliusmonument. Gestern war ich schon am Dom und kurz bei Stockmann. Mein Hotel liegt direkt gegenüber von Stockmann!“ Häh? Hotel? Hatte Riski nicht was von Verwandten gesagt? Naja...“Weißt du was? Ich komme mit dir zum Sibeliusmonument! Da war ich schon lange nicht mehr!“ „Okay, wenn Riski will kann sie ja auch mitkommen...oder muss sie Koffer packen?“, fragt mich Markus Jo. „Ich denke mal schon, aber ich rufe sie nachher mal an. Wie gefällt dir eigentlich Helsinki bisher?“, frage ich neugierig. „Total geil! Irgendwann nächste Woche wollte ich mal bei der Uni vorbeischauen. Vielleicht bleibe ich ja hier!“ Wow, cool. Der hat’s irgendwie einfach, bekommt ne Reise nach Helsinki geschenkt, und überlegt ob er nicht direkt hier bleiben will...! Wir laufen inzwischen Richtung Dom. Aber eigentlich habe ich es ja auch recht einfach, n Platz an einer Uni, zwei berühmten Väter, eine total süße Freundin und natürlich die Musik. „Ich bin auch hier auf der Uni, habe aber grade Semesterferien. Da du ja gut finnisch sprichst, denke ich schon, dass du nen Platz bekommst. Was willst du denn studieren?“, setze ich unser Gespräch fort. „Ich weiß es noch nicht genau. Aber auf jeden Fall Musik!“ Aha, also noch son Musikverrückter, würde ich sagen! „Bist du auch so Musikverrückt?!“, frage ich deshalb. Ich bin nicht neugierig, neeeiiinn! (Achtung! Ironie) „So könnte man es wohl nennen! Ich lebe für die Musik!“, meint er und grinst! Mittlerweile sitzen wir auf den Stufen vor dem Dom. „Ich auch! Ich habe zu Hause 5 Gitarren stehen und spiele seit ca. 16 Jahren“, erzähle ich. „Ich spiele nur wenig Gitarre. Meine Mum ist Gitarristin. Aber eigentlich habe ich mich auf Schlagzeug spezialisiert, und Spiele nun schon seit 14 Jahren!“ Nun muss auch ich grinsen. „Mein Vater ist auch Drummer. Er wollte immer, dass ich werde wie er. Als ich acht war hat er versucht mir beizubringen wie man Schlagzeug spielt, aber ich hab trotzdem mehr an den Gitarren gehangen!“, erzähle ich. Markus Jo ist ein super Gesprächspartner! Und wir haben jetzt schon jede Menge Gemeinsamkeiten =)! „So ging es mir mit meiner Mum! Zwei Jahre habe ich ihren Unterricht mitgemacht und dann Schlagzeug gelernt!“


~+~Markus Jo~+~

Es ist noch recht früh und doch bin ich schon auf dem Markt. Gestern war ich schon bei Stockmann und am Dom und ich muss wirklich sagen: ICH LIEBE DIESE STADT!!! Vielleicht sollte ich wirklich hier bleiben und mir hier ein Uniplatz suchen.
Mum meinte am Abend vor meinem Abflug hier in Helsinki gäbe es viele hübsche und nette Männer. Und sie hatte Recht! Ja, ich stehe auf Männer! Aber alle wissen und akzeptieren es. Und genau weil sie das alles weiß hat sie vorgeschlagen ich könnte ja auch hier studieren. Ich habe echt verdammtes Glück mit meiner Familie! Dadurch, dass Mum und Dad früher zusammen in einer Band waren sind sie schon weit rumgekommen. Von Markus, meinem biologischen Vater konnte ich leider nichts von all diesen Reisen und allen anderen Weißheiten des Lebens lernen, da er bei einem Flugzeugabsturz gestorben ist, als meine Mum noch gar nicht wusste das sie schwanger ist, aber mit Jo habe ich wirklich einen tollen Dad!
Huch, was sehen meine Augen denn da? Zwischen den Gemüseständen am anderen Ende des Marktes steht Finn und sieht sich um. Als er hochsieht sieht er mich und kommt auf mich zu. Nach einem kleinen Plausch beschließt er mit mir zusammen zum Sibeliusmonument zu fahren, doch erst setzen wir uns vor dem Dom auf die Stufen.
Hier sitzen so viele Menschen. Fast alles Studenten wie ich annehme. Hier in der Nähe ist ja auch die Uni.
„Bist du auch so Musikverrückt?!“, fragt er mich plötzlich mitten im Gespräch. Nein, bin ich überhaupt nicht. Ich möchte nur neben Psychologie Musik studieren, weil ich jegliche Art von Musik hasse wie die Pest…Okay, er wusste nicht, dass ich Musik studieren will bis grade eben, und dass ich Psychologie studieren werde, wird er auch so schnell nicht erfahren, aber ich dachte immer man sieht mir das so ein bisschen an.
„So könnte man es wohl nennen! Ich lebe für die Musik!“, antworte ich deshalb und muss ihn unwillkürlich angrinsen. Finn ist aber auch zu süß! Riski schläft noch, kommt auch nur vielleicht noch zu uns und fliegt morgen nach…Deutschland? Ja, ich glaube wohl. Das heißt wenn ich mich mit ihm treffe, dann sind wir allein. Nein, allein wahrscheinlich nicht, in dieser Stadt leben noch ein paar hunderttausend Menschen, aber unter uns wären wir. „Ich auch! Ich habe zu Hause 5 Gitarren stehen und spiele seit ca. 16 Jahren“, berichtet er mir und seine Augen leuchten richtig. Falls es überhaupt noch geht muss ich noch mehr grinsen und erzähle ihm: „Ich spiele nur wenig Gitarre. Meine Mum ist Gitarristin. Aber eigentlich habe ich mich auf Schlagzeug spezialisiert, und Spiele nun schon seit 14 Jahren“ Nun fängt auch er an zu grinsen wie ein Honigkuchenpferd. Was hat der denn? „Mein Vater ist auch Drummer. Er wollte immer, dass ich werde wie er. Als ich acht war hat er versucht mir Schlagzeug beizubringen, aber ich hab trotzdem mehr an den Gitarren gehangen!“ Okay, guter Grund so zu grinsen. Wir haben Gemeinsamkeiten! Danke Gott, ab heute glaub ich wirklich an dich. Okay, dass wir Gemeinsamkeiten haben ist ja nicht unbedingt außergewöhnlich, aber wenn ich auch hier studiere sehen wir uns zwangsläufig öfters, treffen uns vielleicht sogar und wenn ich Glück habe, vielleicht wechselt er ja die Ufer…
„So ging es mir mit meiner Mum! Zwei Jahre habe ich ihren Unterricht mitgemacht und dann Schlagzeug gelernt!“, erzähle ich noch bevor er auf die Uhr sieht und langsam aufsteht. „Fahren wir mit dem Bus?“, fragt er. Ich nicke und zusammen machen wir uns auf den Weg. An irgendwen erinnert mich Finn. Ich weiß nur nicht an wen. Mit den alten Sachen von Mum muss es zutun haben, aber was genau es damit zutun hat weiß ich nicht.
Während der gesamten Fahrt reden wir kein einziges Wort miteinander. Wir sitzen uns gegenüber und er grinst mich an, während ich fasziniert aus dem Fenster sehe. Diese Stadt gefällt mir wirklich immer besser!


~+~Finn~+~

Während der Fahrt mit dem Bus zum Sibeliusmonument schweigen wir uns nur an, aber irgendwie ist das Schweigen nicht unangenehm, so wie sonst wenn Leute sich nur anschweigen….
Irgendwie sieht Markus Jo ja echt nicht schlecht aus… Wenn ich Riski nicht hätte, hätte ich mich sofort an ihn rangemacht. (Für alle dies jetzt immer noch nicht gecheckt haben: Ich bin bi!) und außerdem denke ich ja mal nicht das er schwul ist oder wenigstens bi…
Am Sibeliusmonument steigen wir aus. Hier war ich wirklich schon lange nicht mehr, aber es beeindruckt mich immer wieder.
Markus Jo scheint auch total beeindruckt zu sein. Wir schlendern etwas über die Grünanlagen und setzen uns dann unter das Monument.
Mein Handy piept. Ne Sms von Riski: >Muss heute schon fliegen, sehen uns wahrscheinlich nicht mehr. Ruf dich heute Abend an! Ich liebe dich!<
„Mist“, fluche ich. „Was ist denn?“, fragt mich MJ. „Riski muss heute schon fliegen, und so wie’s sich anhört steht sie schon fast am Flughafen!“ „Wann kommt sie denn wieder?“ „Mhm…weiß sie noch nicht. Na ja, dann machen wir heute ne ganze Stadtführung“ „Okay, wohin gehen wir als nächstes?“ Nach einer halben Stunde haben wir aus diskutiert, dass wir uns erst mal die Uni von innen ansehen, und danach geht’s auf Shoppingtour durch Stockmann.
Und schon sitzen wir schon wieder im Bus, diesmal aber nicht schweigend, wir reden viel, über total alltägliche Sachen, über das Leben und die Liebe, über Gott und die Welt. Ich habe das Gefühl, MJ schon Ewigkeiten zu kennen!
In der Uni zeige ich ihm alles, den Campus, die besten Pubs, die jetzt noch nicht geöffnet haben, die Bibliothek… Naja einfach alles eben. Ich liebe die Uni! Danach gehen wir in meinem Lieblingscafe, Café Engel noch eben einen Kaffee trinken. MJ hat sich auch schon als Koffeinjunkie geoutet, als schwul aber leider nicht.
So, jetz geht’s zu Stockmann.


~+~ Markus Jo ~+~

Warum sind die besten Männer vergeben oder Hetero? Oder im schlimmsten Falle noch beides zusammen? So wird das nie was! Aber wenigstens habe ich mich in diese Stadt verliebt! Liebe kann ja niemandem schaden. Im Moment hocken wir wieder im Bus und sind auf dem Weg zurück zu Stockmann. Irgendwie bin ich ja schon froh Riski heute nicht sehen zu müssen. Ich weiß auch nicht wieso, aber ich finde es beruhigend zu wissen Finn wenigstens einen Tag für mich zu haben. Auch wenn ich ihn noch nicht lange kenne, habe ich das Gefühl ihn schon ewig als meinen besten Freund zu haben.
Mit ihm kann ich über Gott und die Welt reden, aber auch Schweigen ist alles andere als peinlich. Ich muss heute Abend gleich Mum anrufen. Ohne sie wäre ich garantiert nicht gefahren! Meine Liste an Erledigungen wird immer länger. „Du Finn? Riecht es immer so hier bei Stockmann[1]?“, frage ich und rümpfe meine Nase. Lächelnd nickt er und erklärt: „Ja, hier in dieser Abteilung wohl. Das muss wohl an dem Anglerbedarf liegen. Aber ich muss unbedingt noch mal eben in die Sportabteilung. Wirst du es aushalten?“
„Ich hoffe doch mal stark! Ansonsten musst du mich wohl retten“, scherze ich. Diesen Scherz muss er wohl etwas zu ernst genommen haben, denn plötzlich bleibt er stehen, schlingt seine Arme um mich und mein Herz bleibt fast stehen. Er hebt mich hoch und trägt mich, über seiner Schulter hängend, durch den halben Laden. Inzwischen bin ich schon knallrot, als er mich absetzt und mich zufrieden angrinst. Was sollte das denn jetzt bitte? Panisch gehe ich noch mal meine vorhin gesprochenen Worte durch. Mir wird schlecht! Warum habe ich früher nicht vernünftiger Vokabeln gelernt? Ich habe grade allen Ernstes gesagt er solle mich tragen, anstatt er solle mich retten. Hilfe. Erdboden tu dich auf und verschluck mich!
Schnell schnappt er sich die Mütze von Puma, die er unbedingt noch haben musste und trabt mit mir zusammen zur Kasse. Ich habe heute morgen und gestern schon alles gekauft was ich haben wollte, aber trotzdem finde ich immer noch ein paar Kleinigkeiten, die ich noch kaufe.
Nach ungefähr anderthalb Stunden kommen wir im Keller an. Finn nimmt sich einen Einkaufswagen und schiebt diesen in den Laden rein. Vor einer Pyramide aus Zitronenlimonadenflaschen bleibt er stehen und sieht sich die Flaschen völlig abwesend an. „Möchtest du vielleicht heute mit mir zu Abend essen?“ Von einer Sekunde auf die andere fühle ich mich als wäre ich von diesen paar Wörtern erschlagen. Nach ein paar Sekunden des Realisierens fange ich an heftig an zu nicken. Grinsend antworte ich ihm „Es wäre mir eine Ehre!“ Wie kommt der jetzt von ZITRONENLIMONADE auf ein Essen? Mir würde dazu jetzt ja was ganz anderes einfallen[2], aber das ist auch ein anderes Thema! Finn hat eine Freundin!
„Spinner! Wie wärs mir Lachsspaghetti mit Blattspinat?“ Er will also wirklich selbst kochen? Mir soll es recht sein. Wieder nicke ich und helfe Finn die Sachen zusammen zu suchen. So viel ist es wirklich nicht, und wir können unsere Tour bald schon weiter führen. Ich bin heute Abend bei Finn zu Hause eingeladen! Danke Gott, ich bin dir was schuldig!


~+~Finn~+~

Bei der Anglerabteilung bei Stockmann fragt Mj mich plötzlich:
„Du, Finn? Riecht es immer so hier bei Stockmann?“ „Ja, hier in dieser Abteilung wohl. Muss wohl am Anglerbedarf liegen. Aber ich muss unbedingt noch in die Sportabteilung. Wirst du es aushalten?“, erwidere ich. „Ich hoffe doch mal wohl, ansonsten musst du mich wohl tragen!“ Ich wunder mich kurz, aber da ich recht spontan bin hebe ich MJ hoch und trage ihn anschließend so halb über meiner Schulter durch den Laden bis zur Sportabteilung. Wow, hat der Kerl nen Körper....mir ist verdammt warm geworden, naja, liegt bestimmt daran, dass ich normalerweise nicht mit Typen über der Schulter durch Stockmann trabe.
Bei der Puma-Ecke setze ich ihn ab und schnappe mir die Mütze nach der ich schon seit längerer Zeit suche.
Wir gehen zusammen zur Kasse und bezahlen.
So, mittlerweile sind wir im Keller von Stockmann und stehen bei einer Pyramide aus Zitronenlimoflaschen.
Wie gesagt, ich bin ein spontaner Mensch und bevor ich nachdenken konnte frage ich MJ auch schon: „Möchtest du vielleicht heute mit mir zu Abend essen?“ Er sieh mich erstmal total verdattert an aber endlich antwortet er grinsend: „Es wäre mir eine Ehre!“ Ich lache: „Spinner! Wie wär’s mit Lachsspaghetti mit Blattspinat?“ Er nickt und wir suchen die Sachen zum Abendessen zusammen.
Danach beenden wir unsere Stockmanntour auch recht bald, es wird langsam ziemlich viel was wir so mit uns rumschleppen.
Ich erkläre ihm noch eben wie er zu mir nach Hause kommt und verabschiede mich mit einem: „Bis heute Abend um 8! Ich freu mich!“
Zu Hause räum ich erstmal auf, das habe ich schon seit längerem nicht mehr gemacht, wofür auch? Riski war ja nicht da. Mein Gott was man für Kram dabei findet[3]...
Um halb acht fange ich dann an das Essen vorzubreiten, ist ja nicht viel Aufwand. Nebenbei decke ich noch eben den Tisch, mit Kerzen und so. Obwohl, ist das nicht vielleicht was übertrieben...?
Ich glaub ich tu die Kerzen weg, dafür n paar Rosenblätter....oder doch nicht?! Mein Gott jetzt werde ich auch noch nervös, weil in einer Viertelstunde MJ auf der Matte steht, der glaub ich auch noch stockhetero ist...Oh mann!
Naja, ich werde jetzt einfach das Grünfutter und die Kerzen auf dem Tisch lassen und nach dem Essen gucken. Okay, das ist soweit in Ordnung. Dann geh ich mich mal eben umziehen. So, mein schwarz-rot gestreiften Lieblingspulli dazu meine Lieblingshose. Okay perfekt. Haare sitzen auch. Soll ich mich noch was schminken? Ne, zu übertrieben, oder? Ich mein, das mach ich sonst nur bei Auftritten! Ne, ich lass es so! Perfekt!
Jetzt schnell wieder zum Essen, gut noch nichts angebrannt! So, ich stell den Wein schon mal raus.
Plötzlich geht meine Klingel. Okay, er ist da!


~+~ Markus Jo ~+~

„Bis heute Abend um 8! Ich freu mich!“, ruft er und lässt mich etwas verdattert vor meinem Hotel stehen. Oh mein Gott was soll ich denn jetzt noch in der Zeit machen? Das ist noch so lange. Erst mal hoch gehen und umziehen. So kann ich ja nicht zu einem…na was ist das heute Abend eigentlich? Normales Abendessen, Date, oder noch was ganz anderes? Ich bin überfordert mit der Situation…Ich meine wir kennen uns noch nicht wirklich lange und er hat mich schon eingeladen. Das einzige was gegen ein Date spricht ist im Moment sehr weit weg in Deutschland! Riski!
Warum lernt man in der Schule eigentlich nicht mal so was? So nach dem Motto ‚Wenn das und das zutrifft und man dann noch das in Betracht zieht ist es ein Date’? Mhhh ich guck mir nachher mal den Tisch an wie der gedeckt ist. Aber jetzt hab ich erst mal ganz andere Probleme! Was soll ich anziehen? Wenn ich noch nicht mal weiß was das heute Abend ist, woher soll ich dann wissen was ich anziehen soll, verdammt? Mhhh was mach ich denn jetzt? Das erst beste was mir einfällt ‚Mum anrufen’! Also tue ich das auch und hänge keine Minute später am Telefon. Zum Glück ist sie zu Hause und kann mich also beraten. „Hei mein Großer! Und, wie ist Helsinki? Hast du schon jemanden kennen gelernt?“, fragt sie mich gleich bei der Begrüßung. Neugierig war sie noch nie [4]! Nein!
„Ja Mum, hab ich. Aber bevor du ausflippst, genau deswegen ruf ich dich eigentlich an. Das ist nämlich gar nicht so leicht!“, versuche ich sie gleich schon zu beruhigen. Ich kenn meine Mum und wie sie sich immer freut wenn ich wieder jemanden neues finde. „Er hat mich nämlich zum Essen heute Abend eingeladen“ „Ja und? Das ist dein Problem oder was? Wurdest du noch nie zum Essen eingeladen?“, unterbricht sie mich. „Man Mum! Natürlich wurde ich schon mal eingeladen, aber das Problem ist ja, dass er ziemlich hetero ist und auch noch eine Freundin hat, die im Moment in Deutschland sitzt! Was soll ich denn jetzt machen, und vor allem WAS SOLL ICH ANZIEHEN???“ Meine Stimme wird immer leiser und immer verzweifelter. In so einer Situation war ich halt noch nie. Wenn ich sonst jemanden kennen lerne, dann wissen wir beide, dass wir schwul sind. Das ist halt das gute an schwulen Bars, die es bei uns eigentlich wie Sand am Meer gibt.
Nach kurzer Zeit hat meine Mutter meinen gesamten Koffer über das Telefon durchwühlt und hat mich am Ende wirklich gut angezogen. So kann ich mich sehen lassen finde sogar ich [5].
Eine Viertelstunde früher als geplant treffe ich bei Finn ein. Durch meine Nervosität hab ich kein Zeitgefühl mehr. Aber auch egal. Es gibt schlimmeres! Zum Beispiel meine Knie die grade butterweich werden. Ich hoffe mal Finn macht die Türe auf und lässt mich rein, sonst bekomm ich noch einen Herzkasper[6]! Und kaum habe ich das gedacht öffnet Finn auch schon die Türe. Mein erster Blick nach unserer etwas konfusen Begrüßung, keiner weiß so recht wie er den anderen jetzt begrüßen soll, fällt mein Blick auf den Tisch und mein Herz macht einen Sprung. Kerzen und Grünzeug, sprich Blumen. Das ist schon mal kein schlechtes Zeichen!
„Setz dich schon mal hin das Essen ist grade fertig geworden!“, fordert er mich auf. Ich bin froh dies zu hören, da ich das Gefühl hab gleich umzukippen. Deswegen setze ich mich so schnell wie möglich hin und lass Finn mal machen!


~+~ Finn ~+~

MJ sieht echt ziemlich nervös aus... Aber ich hab auch keine Ahnung was ich machen soll... Ist der Tisch eigentlich zu übertrieben gedeckt? Hab ich das richtige an? Ach, auch ganz egal, ändern lässt sich’s eh nicht mehr...das wär ja noch schöner „Warte mal kurz, ich muss den Tisch neu decken“! Oh mein Gott... ich gehe erstmal in die Küche. Puh, in Sicherheit! Ich brauche mit dem anrichten des Essens eigentlich länger als nötig und gehe dann zu MJ ins Esszimmer. Meine Nerven! Ich stelle das Essen auf den Tisch und schenke uns Wein ein. Okay...ein Gespräch...worüber zum Teufel sollen wir reden?!
Ha, ich hab ne Idee...mit Musik kann man erstmal nichts falsch machen... „Mhm...nächste Woche spielen Deep Insight hier. Kennste die?“, frage ich deshalb. „Ja klar! Ich war schon auf zwei Konzerten von denen“ „Würdest du mit mir dahin gehen?“
„Wenn ich Zeit habe gerne!“, grinst MJ.
Dieses Grinsen! Zum dahin schmelzen! Wie soll ich jetzt bitte noch was essen?
Während wir essen reden wir so über dies und das und die Nervosität verschwindet allmählich.
Nach dem Essen frage ich MJ ob er nicht Lust hätte mit mir ins Lost and Found zu gehen. „Ne Bar hier?“, fragt er mich. Hehe, er kennt das Lost and Found also noch nicht. Gut. „Ja, gar nicht weit weg von hier.“
Wir räumen eben noch die Sachen zusammen und dann geht’s auch schon los. Nach einem kurzen Spaziergang durch Helsinki stehen wir vor dem L&F. Wir gehen rein. Die Leute hier kennen mich mittlerweile, ich bin ziemlich oft hier. MJ schaut sich kurz um und grinst mich an. „Ne Schwulenbar?“ „Jep, meine Lieblingsbar!“ Er sieht mich weiterhin von der Seite an. „Aber du bist doch mit Riski zusammen...“, wundert er sich. Ich grinse daraufhin auch erstmal. Das hörte sich doch ziemlich hoffnungsvoll an...


~+~ Markus Jo ~+~

„Mhm...nächste Woche spielen Deep Insight hier. Kennste die?“, fragt mich Finn. „Ich war schon auf zwei Konzerten von denen“ „Würdest du mit mir dahin gehen?“ Was ist das denn bitte für eine Frage? Ich würde sterben um mit ihm da in zu gehen. Und nicht unbedingt um Deep Insight zu sehen. Von mir aus könnte das auch die letzte Volksmusikband sein oder irgendeine Popband á la Tokio Hotel. „Wenn ich Zeit habe gerne!“, antworte ich und muss grinsen. Was eine Ironie! Wenn ich Zeit habe… Was soll mir denn hier groß Zeit rauben? Außer Finn selbst.
Während des Essens reden wir über alles Mögliche. Dabei fühle ich mich so geborgen bei ihm. Es ist egal über was wir reden, und ob wir überhaupt reden. Nervosität scheint fehl am Platz zu sein, wenn man bei ihm ist. Ich kann Riski gut verstehen, dass sie ihn liebt! Nach dem wir aufgegessen haben räumen wir eben die Sachen zusammen. „Hast du noch Lust mit mir ins Lost & Found zu gehen?“ Wenn ich jetzt auch noch wüsste was das genau ist… „Ne Bar hier?“, frage ich ihn. Er nickt: „Jo, gar nicht weit weg von hier.“
Also gut. Auf so was war ich zwar nicht eingestellt, aber so kann ich wenigstens noch was Zeit mit Finn verbringen. Eigentlich hatte ich mir ja fest vorgenommen mich nicht in ihn zu verlieben, aber ich glaube das ist spätestens nach diesem Abend doch passiert.
Nach einem wirklich sehr schönen und erfrischenden Spaziergang durch Helsinki stehen wir vor der Bar. Sieht wirklich sehr nett aus. Finn scheint öfter hier her zu kommen. Der Türsteher kennt ihn anscheinend, denn er begrüßt ihn mit seinem Namen und einem netten Grinsen. Nachdem wir im Innenraum stehen sehe ich mich erstmal kurz um. In einer Ecke sitzen zwei Männer und sind grade dabei heftigst miteinander zu knutschen; keinen interessiert es. Eine Schwulenbar! „Ne Schwulenbar?“, frage ich etwas verwirrt. Ich dachte er wäre mit Riski, einer Frau, zusammen. Warum ist dann eine SCHWULENBAR seine Lieblingsbar??? „Aber du bist doch mit Riski zusammen...“ Er grinst mich nur an. Auch ich muss lächeln. Das glaub ich grade alles nicht. „Tja, ich bin bi. Und um ehrlich zu sein, die Beziehung läuft auch nicht mehr grade so gut wie sie laufen könnte. Und um dir noch ein Geheimnis zu verraten, habe ich das Gefühl, dass ich Frauen satt habe. Ich brauche mal wieder einen Mann. Für die Seele und für den Körper“, er zwinkert mir zu. Was soll das denn jetzt schon wieder?
‚Für die Seele und für den Körper’, lasse ich seine Worte noch einmal in meinem Kopf widerhallen. Nett formuliert. Wenn ich soeben ein klein wenig mehr Wein getrunken hätte, dann würde ich ihm jetzt auch antworten. Nur auf Wein schlage ich voll drauf an. Dann werde ich total ungehemmt, aber trotzdem nicht aggressiv. Trotzdem antworte ich: „Soll ich dir auch ein Geheimnis verraten?“ Er sieht mich auffordernd an doch dann sagt er zu mir gewand: „Du bist auch bi!?“ Ich grinse breit und schüttele meinen Kopf. „Nein, schwul!“ Ich hoffe er hat mein Genuschel nicht verstanden, aber andererseits wäre es mir auch egal! Er ist es ja quasi auch.
Wir setzten uns zusammen an die Bar und Finn bestellt zwei Drinks. Zwei ‚Sex on the beach’. Wie passend grade. „Wollen wir gleich wieder gehen? Die Musik ist heute für meinen Geschmack nicht wirklich berauschend, und hier ist auch zu wenig los?“, fragt mich Finn und stellt sein Glas ab. Ich nicke. Die Musik ist wirklich schlimm! Als ob die allen Klischees gerecht werden wollten spielen sie die ganze Zeit schon ‚Mädchenmusik’. Im Moment läuft ‚Baby one more time’ von Britney. Wir trinken noch eben unsere Drinks aus und verlassen den Clu,b.
Die Nacht ist wunderschön klar und warm. „Können wir noch eine Runde laufen? Dann kannst du mir die Stadt ja mal bei Nacht zeigen!“, schlage ich vor. Meine Begleitung nickt nur. Während wir laufen reden wir nicht viel, aber es scheint sich eine Magie zwischen uns aufzubauen. Plötzlich bleibt Finn stehen. Fast laufe ich in ihn rein, doch ich kann es grade noch verhindern, Wir sind am Strand von Helsinki angekommen[7]. Das Bild, was sich uns bietet ist einfach nur überwältigend! Der Mond spiegelt sich im Meer wieder, genauso wie hunderttausende von Sternen. Wir beide gehen noch etwas mehr an das Wasser heran und setzen uns in den Sand. Er setzt sich unglaublich nah an mich ran und mein Herz setzt ein paar Schläge aus.
Nur schwer kann ich meinen Blick von dem Meer abwenden, nur um ihn auf Finn zu richten. Er sieht mir grade in die Augen und ich habe das Gefühl, dass er grade alles sehen kann. Alle geheimsten Geheimnisse und auch sonst alles! Ganz langsam kommt er mir mit seinem Gesicht immer näher und stoppt nur einige Millimeter vor meinem. Unsere Nasenspitzen berühren sich schon fast. Es würde noch nicht mal mehr ein Blatt Papier zwischen uns passen.


~+~ Finn ~+~

„Tja, ich bin bi. Und um ehrlich zu sein, die Beziehung läuft auch nicht mehr grade so gut wie sie laufen könnte. Und um dir noch ein Geheimnis zu verraten, habe ich das Gefühl, dass ich Frauen satt habe. Ich brauche mal wieder einen Mann. Für die Seele und für den Körper“ dazu zwinker ich ihm zu. Ähm...habe ich das grade ernsthaft gesagt?! Super, soviel habe ich doch garnicht getrunken.... egal... jetz weiß er warscheinlich woran er ist...
„Soll ich dir auch ein Geheimnis verraten?“, fragt er mich. Ich rate einfach spontan: „Du bist auch bi?“
Er schüttelt den Kopf und grinst: „Nein, schwul!“ Ich starre ihn an... DAS hab ich jetzt echt nicht erwartet.
Wir gehen zur Bar und setzten uns. Ich bestelle zwei Sex on the Beach... natürlich ganz ohne Hintergedanken [=)].
„Wollen wir gleich wieder gehen? Die Musik ist heute für meinen Geschmack nicht wirklich berauschend, und hier ist auch zu wenig los?“, frage ich. Er nickt nur. Die Musik ist echt zum kotzen heute! Wir trinken aus und verlassen das L&F. Kurz darauf fragt Markus Jo ob wir nicht noch etwas laufen könnten. Ich könne ihm ja dann mal Helsinki bei Nacht zeigen. Ich nicke. Die Nacht ist wirklich total schön! Man kann jeden einzelnen Stern erkennen. Auf dem Weg schweigen wir fast nur. Und doch ist es wunderschön. Ich habe das Gefühl MJ schon ewig zu kennen! Ich glaube er hat mich verzaubert!
Plötzlich bleibe ich stehen, MJ schaut mich verwundert an. Wir sind am Strand. Es sieht total schön aus wie sich der Mond im schwarzen Wasser spiegelt. Wir gehen noch ein Stück näher ans Wasser und setzen uns in den Sand. Ich rücke noch ein Stückchen zu Markus Jo rüber. Mir wird grad etwas warm....
Ich blicke ihn von der Seite an. Er ist wunderschön, genauso wie das Panorama des Meeres vor uns.
MJ dreht den Kopf und blickt mir direkt in die Augen und wieder habe ich das Gefühl das wir uns schon lange kennen. Langsam bewege ich meinen Kopf auf ihn zu. Als sich unsere Nasenspitzen fast berühren schließe ich die Augen und küsse ihn. Er schmeckt noch besser als ich es mir vorgestellt habe! Ich wünschte ich könnte die Zeit anhalten...dieser Augenblick darf einfach nicht vorbeigehen! Doch kurz darauf löse ich mich von ihm und schaue ihm wieder in die Augen. Oh Gott das hätte ich nicht tun dürfen! Das ist ja schlimmer als jede Droge! Doch MJ geht wieder zum Angriff über und küsst mich. Diesmal schmecke ich die Leidenschaft schon fast. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor in der wir dort sitzen und uns küssen. Schließlich flüstert Markus Jo mir zu: „Du, Finn mir wird langsam kalt...können wir wieder zu dir gehen?“ Ich nicke.
Wir stehen auf und küssen uns noch einmal. Dann laufen wir Arm in Arm zu meiner Wohnung. Auch jetzt reden wir fast garnicht. In meiner Wohnung angekommen küsse ich ihn wieder. Wenn das so weitergeht könnten wir beide Schürfwunden von meinem Sisalteppich davontragen.
Ich glaube MJ hatte grade den gleichen Gedanken denn er schiebt mich langsam in Richtung Schlafzimmer. Auf dem Weg fange ich an ihm das Shirt auszuziehen. Auch er fängt an mich auszuziehen...


~+~ Markus Jo ~+~

Langsam schlage ich meine Augen wieder auf und versuche den gestrigen Abend zu rekonstruieren. Der leichte Kater, der von dem Wein und dem Cocktail gestern Abend herrührt macht das Denken nicht grade sehr viel leichter. Vorsichtig stehe ich auf und schlurfe erst einmal ins Badezimmer. Nachdem ich mich soweit frisch gemacht habe, wieder halbwegs passabel aussehe und unter den Lebenden wandele gehe ich runter um zu frühstücken.
Als ich aus dem Aufzug tappe werde ich schon gleich von einem wirklich sympathischen, jungen Herren begrüßt, der wohl heute Frühschicht hat, Beim Frühstück starte ich einen weiteren Anlauf meine Gedanken und vor allem die Geschehnisse von gestern Abend zu sortieren, Nach der dritten Tasse Kaffee scheint mir das auch zu gelingen. Fast schon ein kleiner Film spielt sich vor meinem inneren Auge ab.
Nachdem wir im Lost and Found waren sind wir noch zum Strand gegangen. Dort haben wir was rumgeknutscht und sind schließlich zurück zu Finns Wohnung. Auf dem Weg dorthin habe ich mich wirklich gut gefühlt, aber als er dann angefangen hat mich auszuziehen bin ich wieder zu mir gekommen. Ohne noch viel zu sagen habe ich ihn von mir weggedrückt, mich wieder angezogen und bin gegangen. Im Hotel bin ich dann wie ein Stein ins Bett gefallen.
Einerseits bin ich wirklich froh gegangen zu sein, andererseits quält mich meine Neugierde und mein Verstand versucht mir auch deutlich zu machen, dass ich gestern womöglich die einzige Chance ausgeschlagen habe mit diesem Mann…’Er ist noch mit Riski zusammen. Und außerdem ist er wahrscheinlich eh nicht an mir als Person, sondern an meinem Körper interessiert. Wie er gesagt hatte er brauche einen Mann für den Körper, also nicht für eine Beziehung’ Verärgert über mich selbst trinke ich meinen Orangensaft aus und starre in die Kaffeetasse. Mein Kopf tut immer noch schrecklich weh. Das Wetter draußen passt zu dem Unwetter in mir. Es regnet und scheint nicht wirklich freundlich zu sein. Genauso wie mein Zustand.
Etwas enttäuscht von mir selbst, da ich nicht genau weiß wie ich mich denn jetzt fühlen soll, trotte ich wieder hoch zu meinem Zimmer. Der Beschluss einfach nur im Bett liegen zu bleiben und fern zu sehen hat sich in mir festgesetzt, Noch nicht mal der gut aussehende Kerl an der Rezeption, der mich soeben schon so nett begrüßt hat, kann ein Lächeln auf mein Gesicht zaubern. Frustriert stelle ich mich in den Aufzug und drücke auf den Knopf, damit ich möglichst schnell wieder in mein Zimmer, mein Bett komme.
Kurz nachdem ich mich in die Decke eingekuschelt habe klingelt mein Handy. Kurz sehe ich auf das Display und entscheide mich nicht ran zu gehen, das Handy auszuschalten. Ich habe keine Lust mir Finn zu reden. Genauso wenig mit meiner Mutter oder Emma, meiner besten Freundin, die beide noch anrufen wollten.


~+~Finn~+~

Seit einer Stunde versuche ich schon MJ anzurufen. Mist, jetzt hat er das Handy ausgeschaltet glaube ich! Scheiße, das gestern... Ach maaaan, MJ das wollte ich doch nicht!
Verdammt MJ, geh an dein Handy! ich will mich doch nur entschuldigen... mhm... Die Nummer vom Hotel... Ich ruf die Auskunft an und frage nach MJs Hotel, kurze Zeit später habe ich die Rezeption am Telefon. Wie heißt MJ eigentlich? Joah hoffentlich können die mit Markus Jo was anfangen.... Und ich habe Glück, das Freizeichen ertönt.


~+~ Markus Jo ~+~

"Ich will nich! Ich will nich! Ich will nich!", murmele ich und halte mir mein Kopfkissen über die Ohren. Aber auch dieser Beschwörungsversuch hilft nichts und das Telefon klingelt kontinuierlich weiter. Am anderen Ende der Leitung scheint jemand mit verdammt guten Nerven zu sein.


~+~Finn~+~

Zehn Freizeichen...fünfzehn... ich lege auf! Verdammt was hab ich nur getan?!?!?! Scheiße....
Ich versuche es noch mal. Tuut......Tuut......Tuut... nach dem zwanzigsten Freizeichen lege ich wieder auf. Da kommt mir eine Idee..... mhm müsste klappen....


~+~ Markus Jo ~+~

Ich habe mich grade dazu durchgerungen endlich an dieses dumme Telefon zu gehen, da verstummt es auch schon. War also doch nicht so wichtig [8]. Also verkrieche ich mich wieder unter meine warme Decke und schaue etwas fern. Auch wenn mein Finnisch nicht mehr ganz so gut ist, dass ich alles verstehe, so finde ich es doch extrem unterhaltsam und nach einiger Zeit finde ich sogar noch einen schwedischen Sender.


~+~Finn~+~

Ich stehe auf, kippe noch einen Kaffee runter und mache mich auf in die Innenstadt. Erstmal kaufe ich eine Rose für MJ, dann geht’s in Richtung Hotel.
Vor dem Hotel zögere ich kurz, überwinde mich jedoch dann dazu rein zu gehen.
Zielstrebig steuere ich die Rezeption an.
Es dauert einige Zeit bis ich die Empfangsdame überredet habe mir den Schlüssel zu MJs Zimmer zu geben, aber letzten Endes hat es doch geklappt. Langsam gehe ich zum Aufzug...


~+~ Markus Jo ~+~

Irgendwie wird mir das ganze rumgezappe nach einer Zeit aber doch zu langweilig und ich beschließe mich von dem Vorfall von gestern nicht runterziehen zu lassen und noch etwas durch Helsinki zu laufen. Das Wetter ist wieder halbwegs angenehm und sonst hab ich ja auch noch einen Regenschirm. Schnell ziehe ich mir meine Schuhe und meine Jacke an, bringe meine Haare wieder in Ordnung und stelle mich in den Aufzug.


~+~Finn~+~

Verdammt wo bleibt dieser verdammte Aufzug?
Ich haue wieder auf den blinkenden Pfeil.
Ich blicke auf die Anzeige... 2....1....E... endlich!
Die Türen öffnen sich, ich mache einen Schritt nach vorne und stoße mit jemandem zusammen. Ich schaue ihn an und wäre beinahe hinten rüber gekippt! Vor mir steht MJ!


~+~ Markus Jo ~+~

Während der Fahrt bin ich total in Gedanken versunken. ALs sich die Türen des Aufzugs öffnen rempelt mich jemand an. Ich achte aber nicht weiter drauf, murmele eine kurze Entschuldigung und gehe schnellen Schrittes nach draußen. Ich muss einfach hier raus und zwar GANZ SCHNELL! Vor der Türe des Hotels hält grade eine S-Bahn an. Ich beeile mich also und schaffe es noch rechtzeitig in sie einzusteigen. Hinter mir schließen sich die Türen. Erst als ich sitze überlege ich mir wo ich überhaupt hinfahren möchte. Mein Blick wandert über das immer noch verregnet aussehende Helsinki und bleibt auf dem Eingangsbereich meines Hotels kleben. Finn!


~+~Finn~+~

Oh Mann! Das is alles wie innem gaaanz schlechten Film! MJ ist einfach an mir vorbeigelaufen und rein in die S-Bahn! Nun stehe ich an der Haltestelle und warte auf die nächste Bahn.... Verdammt! Verdammt! Verdammt! Ich hab das Gefühl, dass das Schicksal verdammt gegen mich ist! Endlich kommt die Bahn. Hmh...wohin mag MJ wohl gefahren sein. Ich fahre einfach mal durch Helsinki und steige irgendwann nach Gefühl aus.
Ich blicke mich um. MJ ist nirgendwo zu sehen, zumindest nicht auf den ersten Blick. Ich setze mich auf eine niedrige Mauer und starre auf den Boden...


~+~ Markus Jo ~+~

Was wollte Finn denn bitte in dem Hotel? Und warum hatte er eine Rose dabei?
Schlagartig werde ich rot, als mir erst mal bewusst wir, was ich da gesehen hab. Wieder versinke ich in meinen Gedanken und steige einfach irgendwann aus. Als ich mich umsehe erkenne ich die Umgebung erst auf den zweiten Blick. Nur noch ein paar Meter und ich bin am Strand. Alle Erinnerungen von gestern Abend kommen wieder in mir hoch und ich setzte mich erst einmal in den noch leicht nassen Sand um meine Gedanken zu ordnen. Um mir klar zu werden was ich eigentlich will.

~+~Finn~+~

Plötzlich habe ich eine Idee. Langsam laufe ich dahin wo dieser ganze Mist angefangen hat.
Nach einer halben Stunde komme ich dort an. Ich blicke mich um und mein Herz macht einen kleinen Satz. MJ sitzt genau da wo wir gestern Abend den Mond im Wasser betrachtet haben. Langsam gehe ich auf ihn zu. Hinter ihm bleibe ich stehen und beuge mich zu ihm runter. "Tut mir Leid wegen gestern!", flüstere ich ihm ins Ohr. MJ erschrickt und dreht sich zu mir um. Ich überreiche ihm die Rose "Ich weiß auch nicht was da gestern mit mir los war...normalerweise bin ich nicht so... aber das mit dir war auch nicht normal! Das war...einzigartig.... Du bist einzigartig! Kannst du mir verzeihen?"


~+~ Markus Jo ~+~

Es kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit die ich hier sitze, doch trotzdem bin ich immer noch nicht zu einer richtigen Antwort gekommen. Ich wollte das gestern Abend doch auch! Ich dachte doch ich hätte mich in Finn verliebt. Was war und ist dann immer noch los mit mir? Grade als ich aufstehen will, weil meine Hose schon eklig nass an meinem Körper klebt, höre ich leise neben meinem Ohr geflüstert: "Tut mir Leid wegen gestern!" Ich erschrecke mich fürchterlich und drehe mich um. Hinter mir steht Finn, drückt mir eine wunderschöne Rose in die Hand und redet weiter: "Ich weiß auch nicht was da gestern mit mir los war...normalerweise bin ich nicht so... aber das mit dir war auch nicht normal! Das war...einzigartig.... Du bist einzigartig! Kannst du mir verzeihen?" Ich nicke. "Verzeihen kann ich dir, Finn, aber nicht so weiter machen." Ich gebe ihm seine Rose wieder und gehe zurück zur S-Bahn Station.


~+~Finn~+~

Nach einigen Sekunden in denen ich bestimmt tausend Tode gestorben bin, sagt MJ: „Verzeihen kann ich dir, Finn, aber nicht so weitermachen" Mit diesen Worten drückt er mir die Rose in die Hand und geht zur S-Bahn Station.
Oh Gott...und jetzt? Ich lasse mich in den Sand fallen und mir steigen Tränen in die Augen. Verdammt MJ, ich liebe dich doch! Ich darf gar nicht dran denken was wäre wenn du wieder nach Schweden zurückkehren würdest und ich dich nicht mehr sehen würde. Nun rollen mir die Tränen übers Gesicht. Ich stehe auf und gehe bis zum Rand der Brandung. Ich blicke auf die Rose in meiner Hand und werfe sie ins Wasser. Ich weiß nicht wie lange ich dort stehe und MJ nachweine, aber es kommt mir vor wie ein halbes Jahrhundert! Irgendwann drehe ich mich um und gehe zur S-Bahnstation.


~+~ Markus Jo ~+~

OH GOTT, was habe ich nur gemacht? Mein Herz sticht wie verrückt und scheint grade in mehrere tausend Teile zu zerbrechen.
Ich liebe diesen Mann! Ich liebe ihn wirklich! Wir kennen uns zwar grade erst zwei Tage, es scheint aber so, als würden wir uns schon immer kennen. In der S-Bahn kann ich meine Tränen nicht mehr zurück halten und fange bitterlich an zu weinen. Ich bin allein in diesem Abteil und höre erst nicht als mein Handy klingelt. Als ich es endlich mit meinen zitternden Fingern aus meiner Jackentasche gefriemelt habe gehe ich ran, bemerke erst jetzt, dass es Riski ist, die grade anruft. Ganz toll!


~+~Finn~+~

Ich fahre bis zu der Haltestelle an meiner Wohnung... Wie in Trance steige ich aus, schließe die Haustüre auf und schmeiße mich aufs Bett. Ich vergrabe mein Gesicht in den Kissen und heule schon wieder.


~+~ Markus Jo ~+~

„Und wie geht es meinem Schatz? Er geht nicht mehr ans Telefon ran, obwohl ich ihm doch extra gesagt hab, dass ich anrufen werde!“, ihre Stimme klingt so süß, betäubend und zugleich zerstörend süß. Mein Herz macht einen Sprung und zerschellt dann in noch mehr Teile. „Dem…dem geht’s…geht’s ganz gut, glaube ich“ ‚LÜGE’, schreit es in meinem Kopf. Das gesamte Telefongespräch ist mehr als deprimierend und als ich endlich auflegen kann bin ich mehr als froh!
Finn hat nicht mit ihr geredet, über uns, sie einfach nur ignoriert! Leichter Hass steigt in mir aus. Wenn ich mich auf ihn einlassen würde, würde er mich auch so behandeln?
Vor meinem Hotel steige ich aus der S-Bahn aus. Hinter der Rezeption steht immer noch der niedliche Typ von heute Morgen. Im Moment ist nicht viel los und ich bin der einzige in der großen Empfangshalle. Der junge Mann sieht mir direkt in die Augen und lächelt mich an. Auf irgendeine Art und Weise geht es mir plötzlich wieder sehr viel besser.


~+~Finn~+~

Nach einiger Zeit versiegen meine Tränen endlich. Das Kabel vom Telefon habe ich raus gezogen und mein Handy gegen die Wand geworfen, Ich stehe auf und laufe zu meiner Anlage. HIM, das brauche ich jetzt! Und MJ! Ich habe mal wieder alles verbockt! F*UCK!
Da kommt mir noch ein Gedanke: RISKI!
Scheiße! Schnell friemel ich das Telefonkabel wieder in die Steckdose. Ich tippe ihre Nummer. Ich hasse diese verdammten Freizeichen so langsam!
„Ja?“, meldet sich Riski. „Hei, ich bin’s!“, sage ich zögernd. „Hei! Ich habe den ganzen Tag versucht sich zu erreichen! Was ist los bei dir?“ „Ach, das ist schwierig zu erklären...aber ich habe dir doch mal versprochen dich nie zu belügen, oder?“
„Jaaaa…“,sagt sie langsam. „Okay, Riski! Also das hat alles nichts mit dir zu tun. Aber ich habe ein großes Problem! Hilfst du mir?“, frage ich. „Ja klar!“ „Danke…also ich habe mich verliebt…“,beginne ich und erzähle ihr alles.


~+~Markus Jo~+~

Draußen scheint die Sonne, aber keiner von den Sonnenstrahlen erreicht mich. Die Vorhänge habe ich zugezogen und mich mir je einer Familienpackung Schoki und Taschentüchern in mein Bett verzogen. Ich hasse es! Ich hasse es, dass ich mich so verhalten habe, ich hasse es, dass das alles passiert ist, aber vor allem hasse ich es, dass ich dich so grundlos verletzt habe!
Als meine Tränen langsam versiegen und ein Großteil der Schokolade aufgegessen ist, fange ich an zu überlegen. Ich habe noch knapp zwei Wochen hier in Helsinki vor mir. Doch was ist danach? Den Flug zurück nach Hause habe ich noch nicht storniert. Ich glaube ich werde es auch nicht machen. Nach diesem Urlaub brauche ich dringend Urlaub!


~+~Finn~+~

Langsam lasse ich den Hörer aufs Bett sinken.
Das ist schon mal geklärt. Riski war eigentlich echt verständnisvoll, dafür, dass ich aus heiterem Himmel Schluss gemacht habe. Sie hat mir sogar versucht zu helfen! Dafür liebe ich sie echt!
Aber in Sachen MJ weiß ich nicht weiter! Ich weiß auch nicht wen ich um Rat fragen kann. Riski hat weiß Gott genug für mich getan!


~+~Markus Jo~+~

Mein Zeitgefühl ist endgültig flöten gegangen. Erst als ich meinen Magen knurren höre, stehe ich auf und überlege mir, wo ich essen gehen könnte.
Ohne Plan gehe ich erst einmal runter. An der Rezeption steht noch immer der süße Typ von heute Morgen. ‚Joonatan’ steht auf dem kleinen Namensschild an seinem Hemd. Er lächelt mich schon von weitem an.
“Entschuldigen Sie, können Sie mir sagen, wo man hier am Besten essen gehen kann?“, frage ich ihn. Er nickt und antwortet mir richtig süß schüchtern: „Wenn Sie möchten können Sie mich begleiten. Ich hatte heute eh vor essen zu gehen!“ Nach nur wenigen Momenten des Überlegens nicke ich einfach und warte auf Joonatan.


~+~Finn~+~
Kurzerhand beschließe ich, Tejio, meinen besten Freund, anzurufen.
Er schlägt mir vor, dass wir uns in einem Restaurant treffen könnten. Erstens hätte ich wohl bisher nur wenig gegessen (stimmt) und zweitens kann man da auch gut reden.
Eine Stunde später betrete ich umgezogen und geduscht das Restaurant.
Ich sehe mich um, aber kann Tejio nirgends entdecken. Dafür aber jemand anderes: Markus Jo. Ich kippe beinahe hinten rüber. Er sitzt hinten in einer Ecke mit einem ziemlich gut aussehenden Typen. Das kann doch nicht wahr sein. Ich muss mich geirrt haben. Doch bevor ich zu MJ gehen kann kommt auch schon ein Kellner auf mich zu und bringt mich zu einem Tisch in einer abgelegenen Nische. Dort sitzt Tejio und wartet schon auf mich.


~+~Markus Jo~+~
Der Weg bis zu dem, von Joonatan vorgeschlagenen Restaurant ist nicht lang und wir sind schnell da. In der Zeit erzählen wir ein wenig über Gott und die Welt. Joonatan ist zwar nett, aber noch lange nicht so toll wie Finn! Vor ein paar Stunden habe ich ihn das letzte Mal gesehen, doch ich vermisse ihn jetzt schon. Ich bin doch nicht mehr normal!
Im Restaurant setzen wir uns zusammen an einen Tisch und bestellen erst einmal Rotwein. Kurz nachdem der Rotwein vor uns steht betritt ein junger Mann das Restaurant. Erst als er sich zu einem anderen Mann setzt erkenne ich ihn. Finn! Ich bin also sehr schnell austauschbar gewesen!


~+~Finn~+~
Sobald ich sitze und der Kellner verschwunden ist, kann ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Tejio versteht mich, wie immer und lässt mich erstmal ausweinen. Dann fragt er: "Was ist denn passiert? So schlecht ging’s dir schon lange nicht mehr!" "Ach, das ist alles sooo scheiße! Ich hab den Typen, den ich liebe gestern vergrault, und er will nichts mehr mit zu tun haben glaube ich und sitzt nun mit einem verdammt süßen Kerl hier im Restaurant", klage ich. Zejio sieht mich nur etwas geschockt an und legt seine Hand auf meine. Er hört sich die ganze Geschichte an. Danach geht es mir etwas besser. Endlich alles aus mir rausgeredet. "Wenn ich dir irgendwie helfen kann musst du mir Bescheid sagen, ja?" "Na klar! Danke Tejio!" Wir werden vom Kellner unterbrochen, der unser essen bringt. Danach essen wir erstmal schweigend. Meine Gedanken drehen sich nur um MJ. Tejio versucht mich abzulenken und erzählt mich von seiner drei Monate alten Tochter, doch alles geht irgendwie an mir vorbei.


~+~Markus Jo~+~
Die ganze Zeit versuche ich Finn zu beobachten, kann aber nur den anderen Typen und Finns Hände sehen. Plötzlich legt der Mann seine Hand auf die von Finn. Ich glaube ich drehe hier gleich durch! Ich muss hier raus! So schnell wie möglich! Nach dem Essen gehen wir recht schnell wieder. Joonatan begleitet mich noch nach 'Hause' und ist so süß zu mir, dass ich es fast vergesse wie aufgeregt ich soeben noch war. Vor dem Hoteleingang folgt noch eine ziemlich konfuse Verabschiedung durch eine Umarmung. Kurz bevor ich das Hotel wieder betrete drückt mir Joonatan noch einen Zettel in die Hand. "Meine Nummer...Wenn du vielleicht noch mal...also ich fand den Abend sehr schön!", flüstert er mir leise zu und eine leichte Röte steigt ihm ins Gesicht.


~+~Finn~+~
Ich blicke kurz in Richtung Ausgang und sehe grade noch wie MJ und den Typen aus dem Restaurant gehen. Bei MJs Anblick schmerzt es sosehr als würde ein Blitz durch mein Herz gehen. Tejio folgt meinem Blick und fragt: " Ist er das?" ich nicke und schon wieder spüre ich Tränen in meinen Augen. So langsam müsste ich keine mehr übrig haben. Er blickt mich mitleidig an. Nach dem Essen begleitet er mich noch nach Hause. "Wenn du reden willst oder so, ruf mich einfach an. Ich bin immer für dich da, okay? Du kannst uns auch besuchen kommen wenn du Gesellschaft brauchst." Ich nicke und muss grinsen als ich an Tejios chaotische Familie denke. Seine Frau Mari war mal ein totales "PartyGirl" bis sie Tejio geheiratet und direkt zwei Kinder bekommen hat. Aber sie ist immer wieder auf der Suche nach Partys und Tejio muss auf seine Töchter aufpassen. Die beiden sind echt süß! zwei Jahre und drei Monate alt. Ich stell mir das ziemlich stressig vor.
Tejio verabschiedet sich mit einer Umarmung und ich schließe die Türe auf. Drinnen sehe ich mich um und habe wieder keine Ahnung was ich mit mir anfangen soll


~+~Markus Jo~+~
Den Zettel mit der Nummer verstaue ich in meiner Brieftasche. Sicher ist sicher! Dann, in meinem Zimmer erschlägt mich schon wieder diese Leere und ich fühle mich so allein und verlassen wie noch nie.
Nachdem ich mich wieder auf das Bett gelegt habe beschließe ich meine beste Freundin Emma anzurufen. Wenn ich jetzt eins nicht gebrauchen kann, dann meine Mutter, die völlig ausflippt. Nach nur wenigen Piepsignalen geht sie ran. „Hallo“, höre ich ihre verschlafene Stimme. Siedendheiß fällt mir wieder ein, dass Emma ja im Moment ein Praktikum im Krankenhaus machen muss um Medizin studieren zu können. „Hallo Emma! Kann ich mit dir reden?“, frage ich und drehe mich zum Fenster um hinaus zu starren. Wieder höre ich ein Gähnen und danach ihre Stimme: „Aber klar doch! Immer! Was ist denn los? Du hörst dich so traurig an! Ich dachte du hättest so einen tollen Typen aufgegabelt.“ Meine Mutter, wenn ich wieder zu Hause bin muss ich erst einmal mit ihr ein Hühnchen rupfen…


~+~Finn~+~

So jetzt liege ich wieder auf meinem Bett... so kann’s echt nicht mehr weiter gehen....
Ich muss langsam echt was unternehmen... die Frage ist nur WAS! Soll ich MJ hinterherlaufen? Oder ihn vergessen? Vergessen werde ich ihn nie! Aber um ihm hinterherzulaufen bin ich auch zu stolz... Scheiße verdammt!
Ich will das alles nicht! Wieso kann ich nicht die Zeit zurückdrehen?
Ich rufe noch einmal bei ihm im Hotel an. Besetzt... mist... Ich rufe bei der Rezeption an und hinterlasse eine Nachricht für ihn „Markus Jo, es tut mir echt Leid! Können wir nicht noch einmal drüber reden? Ruf mich einfach zurück wenn du willst“
So wenn er sich darauf nicht meldet versuch ich die Möglichkeit mit dem vergessen....


~+~Markus Jo~+~

Mit leicht aggressiver Stimmung wähle ich die Nummer meiner Mutter. DAS muss jetzt erst mal geregelt werden! Das Gespräch dauert nicht lange. Wenn wir Streit haben schweigen wir uns halt immer an und das bringts am Telefon nicht wirklich. Nach ein paar Minuten lege ich einfach auf. Kaum liegt der Hörer auf der Gabel klingelt es auch schon wieder. Es ist die Rezeption. Eine Nachricht ist für mich hinterlassen worden: „Markus Jo, es tut mir echt Leid! Können wir nicht noch einmal drüber reden? Ruf mich einfach zurück wenn du willst“
Oh Gott, ja, ich will! Aber ich kann irgendwie nicht. Mit zitternden Fingern wähl ich seine Nummer, lege aber wieder auf, als er ran geht. Dieses eine Wort, sein Name, reicht schon, um mir einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen. So verliebt war ich noch nie! Ich hoffe jetzt einfach mal, dass meine Nummer nicht auf seinem Display angezeigt wurde...


~+~ Finn~+~

Etwas später klingelt mein Handy... Markus Jo is dran. Hastig drücke ich auf grün “Hei!” - aufgelegt –
Mist! Was war das denn jetzt? Aber wenigstens hat er es geschafft meine Nummer zu wählen. Dann werd ich wohl hier neben meinem Handy und neben meinem Telefon liegen bleiben und warten. Wenn er sich morgen nicht meldet... wart ich wahrscheinlich weiter! Das geht doch nicht! Warum muss das Leben so unfair sein?
Am nächsten Morgen wache ich auf und schaue direkt auf mein Display... keine Anrufe oder Kurzmitteilungen... schade! Ich beschließe nicht weiter im Bett rum zu liegen und schlurfe erstmal ins Bad. Dort angekommen hätte ich schon wieder Bock mich in meinem Bett zu vergraben.
Scheiß Leben! Aber einkaufen müsste ich mal, wobei ich in der letzten Zeit sowieso so gut wie nichts gegessen habe. Aber trotzdem. Irgendwie muss ja wieder etwas Alltag in mein Leben kommen! In einer Woche sind meine Ferien auch vorbei... zum Glück! Vielleicht lenkt mich das Studium ja ab...


~+~Markus Jo~+~

Die ganze Nacht über bekomme ich kein Auge zu. Ich muss einfach mit Finn reden, doch ich habe zu große Angst! Er sagte es würde ihm Leid tun, aber das könnte auch heißen, dass er mit diesem Mann jetzt zusammen ist, dass er nur eine Freundschaft mit mir möchte. Mit dem Gedanken, dass ich ihn in zwei Wochen vielleicht nie wieder sehe, wenn ich jetzt nicht in die Puschen, komme schlafe ich in den frühen Morgenstunden doch noch ein.
Als ich aufwache ist die erste Reaktion auf mein Handydisplay zu sehen. Keine entgangenen Anrufe oder SMS. Er wird sich also nicht bei mir melden. Jetzt liegt alles an mir!
Nachdem ich gefrühstückt habe gehe ich zum Dom. Dieses weiße Gebäude hat irgendwie eine wahnsinnig beruhigende Wirkung auf mich! Genau das brauche ich jetzt auch! Nach all den Aufregungen der vergangenen Tage…Auf den Stufen setze ich mich hin und beobachte die Menschen, die an mir vorbei ziehen. In jedem zweiten Mann, der auch nur ansatzweise so aussieht wie Finn erkenne ich ihn. Tränen steigen mir in die Augen bei dem Gedanken ihn verloren zu haben. Das könnte ich nicht ertragen. Vergessen könnte ich ihn nie. Er besitzt mein Herz, hat es mir einfach so geklaut bei diesem einen Kuss! Doch ich gab es ihm gerne! Bei ihm ist der einzige Ort auf dieser Welt, wo mein Herz hingehört, auch wenn er das vielleicht nicht so sieht.


~+~Finn~+~

Ich beschließe noch einmal Teijo anzurufen. Vielleicht kann er mir ja helfen oder mich wenigstens ablenken. Ich erreiche ihn und er sagt, dass er selbstverständlich vorbei kommt. Also gehe ich noch mal ins Bad und sehe zu, dass ich nicht allzu schlecht aussehe. Danach setze ich noch schnell frischen Kaffee auf.
Endlich klingelt es. Ich umarme ihn und erzähle ihm das neuste. Wir setzen uns in die Küche, jeder einen Kaffee vor sich.
Teijo blickt mich erstmal schweigend an. Dann: „Also, ich würde erst mal abwarte. Ganz ehrlich! Das wird irgendwann lächerlich und nervig, wenn du Telefonleitungen blockierst oder so!“
So war er schon immer: direkt und objektiv. Aber dafür bin ich ihm auch dankbar!


~+~Markus Jo~+~

Ich habe mich grade auf den Weg zu gemacht. Am Telefon kann ich die ganze Sache ja nicht regeln. Immer wenn ich seine Nummer gewählt habe packt mich die Nervosität oder sonst was und lässt mich auflegen. Die ganze Stadt glitzert und glänzt, doch von all dem bekomme ich nichts mit. Ich bin nervös wie selten zuvor und habe wirklich Angst davor, dass die Wahrheit anders aussehen könnte, als ich sie gerne sehen würde.
Leicht fröstelnd, trotz der strahlenden Sonne, bleibe ich vor seiner Türe stehen und sehe grade noch, wie der Mann aus dem Restaurant Finn umarmt und dann mit ihm in der Wohnung verschwindet. Ein paar Minuten bleibe ich noch wie versteinert stehen, bevor ich gedankenverloren zum Hafen gehe und mich dort auf einen großen Stein setze.


~+~Finn~+~

Nachdem Teijo wieder gegangen ist, frage ich mich zum hunderttausendsten Mal wie es nun weitergehen soll. Klar, ich sollte versuchen ihn zu vergessen, aber das kann ich beim besten Willen nicht. Ich werde einfach versuchen mich abzulenken. Wir haben grade Nachmittag, also beschließe ich, einkaufen zu gehen. Das hatte ich mir eigentlich schon längst vorgenommen, aber immer wieder aufgeschoben... Also schaue ich noch mal in den Spiegel, schnappe mir meine Handtasche und mein Handy und mache mich auf den Weg. Mhm was brauch ich eigentlich? Was zu essen wäre nicht schlecht. Außerdem neuen Kaffee, ohne Koffein komme ich um! Kurz darauf habe ich alles zusammen und bin wieder in meiner Wohnung. Ich schaue auf den Anrufbeantworter. Kein rotes Lämpchen blinkt... Mist, MJ hat immer noch nicht angerufen!
So langsam fange ich an zu verzweifeln! Was soll ich denn noch machen? Nix! Ich kann ja nichts tun!
Ich verstaue meine Einkäufe in der Küche und setze mich auf die Couch. Ich blättere im Fernsehprogramm...Nichts Besonderes. Doch heute Abend läuft Queer as Folk das könnte ich mir mal wieder ansehen. Bis dahin werde ich wohl warten ob MJ doch noch anruft.


~+~Markus Jo~+~

Nach einer halben Ewigkeit, die Sonne steht schon weit im Süd-Westen, erhebe ich mich endlich und laufe irgendwohin. Dahin, wo mich meine Beine hintragen. Plötzlich finde ich mich in den Markthallen wieder. Es scheint, als ob ganz Helsinki beschlossen hätte genau jetzt hier einzukaufen. Tausend Menschen wuseln wie in einem Bienenstock durch die Hallen. Gedankenverloren laufe ich an den Ständen vorbei, bis ich mit jemandem zusammenstoße. Orangen fallen hin und rollen über die Erde. Etwas verwirrt knie ich mich hin, hebe ein paar der orangen Früchte auf und sehe mir erst einmal an, mit wem ich zusammengestoßen bin.
Ein Paar leuchtend blaue Augen sehen mich strahlend an. „Hallo Joonatan! Entschuldige bitte, ich wollte dich nicht anrempeln“, entschuldige ich mich und muss mich wirklich zusammenreißen nicht in diesen wunderschönen Augen zu versinken!
„Nicht schlimm!“, lächelt mein Gegenüber mich an. „Wenn ich mit so einem hübschen jungen Mann kollidiere habe ich nichts dagegen. Hast du Lust mit mir einen Kaffee trinken zu gehen?“
Etwas überrumpelt nicke ich und könnte mich im selben Moment ohrfeigen. Ich wollte doch erst einmal mit Finn reden, bevor ich irgendetwas anderes mache. Mit der schlechten Ausrede, dass er sich schließlich auch wieder mit dem Restaurant Mann getroffen hat ziehen wir los.


~+~Finn~+~

Ich muss noch mal los, hab vergessen Kaffee zu kaufen, das wichtigste vergesse ich natürlich! Ich bin heute wirklich etwas verplant. Also beschließe ich zu den Markthallen zu gehen, das bringt normalerweise immer Ablenkung.
Kurze Zeit später lasse ich mich von den Menschenmassen durch die Markthallen schieben.
Auf einmal sehe ich jemanden sehr bekanntes. Keine 10 Meter vor mir läuft Markus Jo! Vielleicht sollte ich zu ihm gehen und fragen ob wir bei einem Kaffee noch mal über alles reden können.
Doch auf einmal fällt mir auf, wer neben MJ läuft... der Typ aus dem Restaurant! Ich glaub’s einfach nicht. So langsam befürchte ich, dass meine Chancen bei MJ immer kleiner werden. Der Typ sieht echt nicht schlecht aus!
Ziemlich niedergeschlagen kaufe ich meinen Kaffee und mache mich wieder auf den Heimweg.
Ich mache einen kleinen Umweg. Angeblich soll frische Luft helfen die Gedanken zu ordnen. Also laufe ich noch Richtung Dom.
Dabei komme ich am „Cafe Engel“ vorbei, und genau in dem Moment tritt MJ mit dem Restaurant-Typen nach draußen.


~+~Markus Jo~+~

Bei Café Engel setzen wir uns an einen der hinteren Tische und trinken unseren Kaffee. Ich mag dieses Café. Es ist so nett klein und persönlicher als diese ganzen riesigen Kaffeehausketten. Wobei mir einfällt, dass ich noch nach Suomenlinna rüber fahren möchte. Jo, mein Stiefvater, meinte dort gäbe es so richtig niedliche Cafés.
Joonatan und ich, wir unterhalten uns richtig gut über alles Mögliche. Es ist fast so wie mit Finn, nur das Joona bei mir nicht dieses bestimme Gefühl auslöst. Auch nicht den Wunsch ihn einfach zu umarmen und zu küssen.
Als Joona mir dann beim Verlassen des Cafés die Türe aufhält und die Sonne mich wieder anstrahlt, bleibt erst einmal mein Herz stehen. Vor mir steht Finn und sieht mich mit einer Mischung aus Enttäuschung und Frustration an. Als Joonatan dann an meine Seite tritt würdigt er uns noch einen Blick, bevor er sich schlagartig umdreht und wegläuft.
„Was warn das jetzt? Kennst du den?“, fragt mich Joonatan, dem die Unverständnis ins Gesicht geschrieben steht.
Genau jetzt heißt es handeln. Dieses Mal höre ich auf mein Herz und nicht mehr auf meinen Verstand. Verstandentscheidungen sind bis jetzt hier in Helsinki nur schief gegangen! Ich nicke hastig bevor ich antworte: „Ja, ich kenne ihn! Er…er…ach ich erklär es dir später! Du, ich muss diesem Mann jetzt hinterher, sonst werde ich mich ein Leben lang hassen! Ich ruf dich an!“
Hektisch drehe ich mich wieder in die Richtung, in die Finn verschwunden ist und renne ihm hinterher. Das ist meine letzte Chance, habe ich so im Gefühl, und wenn ich diese nicht nutze, werde ich ihn verloren haben.
Ich beeile mich und schaffe es sogar ein gutes Stück aufzuholen. Menschenmassen drängen sich immer noch durch die Straßen. Ganz zu meinem Vorteil. Finn denkt wahrscheinlich er hätte mich abgehängt, wird nämlich um einiges langsamer. Als er nur noch langsam geht, langsamer als die anderen Menschen, die ihren Einkäufen hinterher hasten, kann ich es nicht mehr an mich halten. Ich bleibe stehen und schreie zu ihm: „Finn, jetzt bleib doch mal stehen! Verdammt noch mal, ich liebe dich!“


~+~Finn~+~

Ich werde langsamer und lasse mich von der Menge treiben. Ich glaube ich bin nun aus MJs Sichtweite.
Plötzlich höre ich ein „ Finn, jetzt bleib doch mal stehen! Verdammt noch mal, ich liebe dich!“ hinter mir.
Wie erstarrt bleibe ich stehen. Langsam drehe ich mich um und sehe MJ auf mich zulaufen.
Auf einmal fühle ich mich wie in diesen Filmen oder Werbungen. MJ und ich stehen still voreinander und die alle laufen hektisch um uns herum, als ginge gleich die Welt unter.
„Ehrlich?“ Frage ich. „Ja!“ grinst MJ. „Ich liebe dich auch“, stottere ich und falle ihm in die Arme „Es tut mir soo Leid kannst du mir verzeihen?“ „Mhm...ja... ich glaube schon!“ Ich blicke ihm in die Augen und küsse ihn.
Wie lange ich mich danach gesehnt habe!
Ich bin so glücklich!
Ich kanns noch gar nicht fassen!
Markus Jo liebt mich!
Doch da ziehen auch schon wieder dunklere Wolken auf. Hinter MJs Rücken sehe ich den Restaurant-Cafe-Mann, der sich langsam durch die Menge kämpft.
Er sieht überhaupt nicht glücklich aus. Um ehrlich zu sein, er sieht verdammt sauer aus.
„Du sag mal wer ist das eigentlich?“ frage ich und deute in die Richtung des Typen.


~+~Markus Jo~+~

Finn küsst mich und ich vergesse die gesamte Welt um uns herum. Ich bin so glücklich! Aus meiner privat persönlichen Welt, in der es nur mich und Finn gibt werde ich schnell wieder herausgeholt. „Du sag mal wer ist das eigentlich?“, fragt er mich und sieht mir über die Schulter in Richtung Café. Vorsichtig drehe ich mich um und sehe Joonatan, der nicht wirklich erfreut aussieht. Wirklich ganz und gar nicht!
Ich löse mich ein wenig aus der Umarmung und gehe ein paar Schritte auf Joonatan zu, der nun fast bei uns angelangt ist. Völlig ahnungslos was ich denn jetzt sagen soll stehe ich vor ihm und sehe ihn an. Zum Glück macht er den ersten Schritt: „Ich hab alles gehört Markus! Das ist doch okay! Ich wollte nur fragen, ob wir uns trotzdem noch mal treffen wollen? So rein freundschaftlich.“
Erleichtert nicke ich und stelle die beiden einander vor. Dieses Funkeln in Finns Augen verheißt mir nichts Gutes. So schnell eifersüchtig mein kleiner? Wie süß! Das macht mich gleich ein wenig stolz.


~+~Finn~+~

Puh noch mal Glück gehabt. Das Dingsda is doch nich so sauer... er akzeptiert sogar das Markus MICH liebt!
Aber ein wenig eifersüchtig bin ich schon, immerhin hat er ja ziemlich schnell einen Neuen gefunden gehabt.
Was man ihm eigentlich nicht verübeln kann, er ist einfach der tollste Mann der Welt!
„Und jetzt? Ich wollte eigentlich wieder nach Hause gehen und auf deinen Anruf warten...“ frage ich ihn. „Hättest du Lust auf einen Kaffee?“ „Du warst doch grade erst im Café Engel!“ grinse ich ihn an. „Na und? Kaffee vertrag ich immer“ „Okay, lass uns gehen!“ Wir verabschieden uns noch schnell von Joonatan und gehen dann zusammen zum Café.
Als wir uns nach einem freien Tisch umsehen, guckt uns die Kellnerin doch schon etwas komisch an, so unter dem Motto „Na, schon wieder n Neuer?“, aber wir achten kaum drauf.
Wir bestellen uns zwei Latte Machiatto und erzählen so dies und das. Eigentlich nichts Besonderes. Nach einiger Zeit greife ich über den Tisch nach seiner Hand.
Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden!!!


~+~Markus Jo~+~

Irgendwie kommt es mir so vor, als ob Finn immer noch nicht ganz begriffen hat, dass ich ihn liebe und auch so schnell nicht mehr weg gehe! Bei einem Latte Machiatto erzählen wir über Gott und die Welt. So unbefangen wie noch nie reden wir miteinander und seine Augen nehmen mich regelrecht gefangen. Als Finn dann auch noch nach meiner Hand greift, könnte ich fast platzen vor Glück. Er will unsere Beziehung also nicht geheim halten. Nach meiner Aktion von soeben würde das auch nur noch schwer gehen. In Gedanken lege ich mir schon mal einen passenden Text zurecht, den ich Mum und Emma erzählen kann.
Nachdem wir unseren Kaffee ausgetrunken haben und Finn bezahlt hat, ganz der Gentleman heute, verlassen wir das Café. „Möchtest du vielleicht noch mit zu mir kommen?“, fragt mich mein Freund, wie gut sich das anhört, und ich nicke. „Aber gerne doch, mein Schatz!“ Ich musste es einmal aussprechen, glaube es jetzt aber immer noch nicht so ganz. Langsam wird es schon dunkel und ich fange an zu frieren. Kurz nachdem er das bemerkt hat, zieht er mich näher zu sich heran und legt mir seinen Arm um die Hüfte. In seiner Wohnung küssen wir uns noch einmal, bevor wir uns auf das Sofa setzen. Hatten wir das alles nicht schon mal?


~+~Finn ~+~

Irgendwie sieht Markus Jo nachdenklich aus... aber auch irgendwie glücklich...
Ich hoffe mal, er will unsere Beziehung nicht geheim halten, aber nachdem er auf der Straße so rum geschrieen hat...
Wir trinken unseren Kaffee aus und ich bezahle.
„Möchtest du vielleicht noch mit zu mir kommen?“, frage ich ihn. „Aber gerne doch, mein Schatz“, antwortet er. Ui, ich glaube ich platze gleich vor Glück!
Draußen ist es schon ziemlich dämmerig und Markus Jo scheint zu frieren. Ich lege ihm den Arm um seine Hüfte und ziehe ihn ein wenig näher zu mir.
Sobald wir in meiner Wohnung sind, küssen wir uns und setzen uns aufs Sofa.
Irgendwie kommt mir das vor wie ein Déjà-vu... aber ich werde MJ nicht noch mal so „überfallen“! Nicht das er mir sofort wieder wegläuft...
Ich kuschel mich ein wenig an ihn. Und jetzt?
„Sollen wir heute noch was unternehmen?“, frage ich ihn, „vielleicht ins L&F, oder DVDs ausleihen oder so?“
„Mhm, also L&F heute nicht so unbedingt... aber DVDs hört sich gut an.“


~+~Markus Jo~+~

„Sollen wir heute noch was unternehmen?“, fragt er mich. „Vielleicht ins Lost and Found, oder DVDs ausleihen oder so?“ Eine kurze Zeit überlege ich. Aufs Lost and Found oder sonst einen Club hab ich wirklich keine Lust. Ich will Finn erst einmal für mich haben! Am liebsten ganz, mit Haut und Haar! Etwas enttäuscht antworte ich ihm also: „Mhm, also L&F heute nicht so unbedingt…aber DVDs hört sich gut an.“
Naja, gut ist übertrieben, aber besser als alleine im Hotel zu hocken!
„Hier unten, zwei Häuser weiter ist gleich eine Videothek. Wollen wir eben ein paar Filme holen und es uns dann hier bequem machen?“ Ohne etwas zu sagen nicke ich. Das hört sich jetzt aber so ganz und gar nicht nach meiner Vorstellung von diesem heutigen Abend an. Ich dachte ja schon, dass mein Déjà-vu etwas länger reicht als nur dieser eine Kuss…
Naja, das wird schon noch! Der Weg zur Videothek ist echt nicht lang und bald stehen wir vor den ganzen Filmen. Mh, mal sehn, welchen Geschmack mein Liebster hat. Ich bestehe jetzt einfach mal auf diesen ur romantisch-kitschigen Film, der einfach zu einer Knutscherei animiert und lass mich überraschen.
Überraschenderweise treffen wir recht schnell eine Auswahl von drei Filmen und sind uns eigentlich sofort einig. Schnell machen wir uns auf den Heimweg. Zuhause angekommen, entzündet Finn nur ein paar Kerzen, holt etwas Wein und kommt, nachdem er die DVD angestellt hat, zu mir auf’s Sofa.
„Kann ich heute Nacht vielleicht bei dir bleiben, mein Liebling?“


~+~Finn~+~

Naja, so ganz begeistert hört sich mein Schatz doch nicht an... was erwartet der denn von mir???
Wir gehen zur Videothek und entscheiden uns recht schnell für drei Filme, alles so kitschdinger. Ich persönlich stehe ja mehr auf Psycho und Thriller aber was tut man nicht alles um jemanden glücklich zu machen....
Das beste an den Psychofilmen ist ja, dass die meisten sich so oft erschrecken und man dann ne gute Ausrede hat um den anderen in den Arm zu nehmen und zu beschützen... Aber son Kitschgedöhns ist auch nicht schlecht...vielleicht sogar besser für einen romantischen Abend!
Wieder zuhause, bzw. in meiner Wohnung, hole ich Wein aus der Küche und zünde einige Kerzen an. Nachdem ich die DVD eingelegt habe, kuschele ich mich zu Markus Jo auf die Couch.
Ganz überraschend fragt er mich: „Kann ich heute Nacht vielleicht bei dir bleiben, mein Liebling?“
„Aber klar doch, Schatz!“, ist das jetzt ne Erlaubnis um das Déjà-vu weiterzuführen?!
Der Film fängt an. „Casablanca“. Hab ich noch nie gesehen aber Markus Jo hat drauf bestanden.
Schon nach ein paar Minuten lenkt er mich ziemlich ab, indem er mit der Hand unter mein T-Shirt fährt und mich ganz leicht streichelt...


~+~Markus Jo~+~

Kurz nachdem der Film angefangen hat positioniere ich mich ein wenig anders, soll heißen meine Hand wandert erst mal gaaaanz unauffällig unter Finns Shirt. Ich freu mich ja schon soooo auf diese Stelle…
Irgendwie scheint Finn gar nicht so richtig an dem Film interessiert zu sein, sondern wohl eher an mir…hrhrhr das is doch schon mal gar nicht schlecht. Ganz und gar nicht schlecht! Kurz bevor ich wirklich durchdrehe und um die Lampe kreise kommt endlich meine Lieblingsszene. „Schau mir in die Augen, Kleines“, dröhnt es aus dem Fernseher und ich muss unweigerlich grinsen. So hat mich damals doch mein, jetzt Ex Freund…ach lassen wir das! Total hibbelig drücke ich auf den ‚Pause’-Knopf und springe auf. „Nachspielen“, ist das einzige Wort, welches ich sage, bevor Finn etwas verdattert aufsteht und mich in den Arm nimmt. Er übernimmt die männliche Rolle des Films und ich kann mich gelassen nach hinten lehnen um ihn anzuschmachten. Hab ich schon mal erwähnt wie sehr ich diesen Film LIEBE?
Natürlich nicht so sehr wie Finn, aber die Kombination ist einfach unschlagbar…


~+~Finn~+~

„Schau mir in die Augen, Kleines!“ tönt es aus dem Fernseher, und plötzlich drückt Markus auf Pause.
Etwas verwundert schaue ich ihn an. „Nachspielen!“, ist der einzige Kommentar von Markus. Okaaay....
Etwas verdattert stehe ich auf und er nimmt mich in die Arme. Ich übernehme die männliche Rolle.
Wenn man MJ so schnell zufrieden stellen kann. „Schau mir in die Augen, Kleines!“, ist mein relativ simpler Text. Anstatt, wie im Film, uns einfach nur zu umarmen küssen wir beide uns wieder. Ich bin nämlich im Moment alles andere als befriedigt.
Verdammt, ich will ihn! Sofort und auf der Stelle. Aber ich habe schon schlechte Erfahrungen mit Teppichen gemacht [9]!
Also drücke ich ihn langsam zurück aufs Sofa und lege mich auf ihn....


~+~Markus Jo~+~

Na bitte, geht doch. Langsam schiebt mich Finn zurück zum Sofa und legt sich auf mich. Das gefällt mir doch schon sehr viel mehr als irgend so eine doofe Schnulze, die wir uns soeben ausgeliehen haben…
Die Kerzen und der Wein tun ihr Übriges und machen mich fast schon willenlos. Wenn ich nicht genau das jetzt grade im Moment wollen würde. Vorsichtig beginnt Finn wieder damit mich zu küssen. Währendessen fahre ich mit meinen Händen unter sein Shirt und ziehe es ihm aus. Der Stoff stört doch eh nur. Kurz danach ist auch mein Shirt irgendwo, nur nicht mehr an meinem Körper. Für unsere Kleidung ist es jetzt hier in diesem Raum auch viel zu heiß geworden. Schnell entledigen wir uns auch noch unseren Hosen. Endlich kann ich Finns Haut ungestört auf meiner fühlen und ich muss sagen, es fühlt sich wahnsinnig gut an!
Sanft gibt mir mein Schatz zu verstehen, dass ich aufstehen soll um mit ihm ins Schlafzimmer zu gehen. Die Couch ist aber auch wirklich etwas unbequem für so was. Kaum sind wir im Schlafzimmer angekommen, klingelt mein Handy. Am Klingelton erkenne ich schon, dass es meine Mutter ist, die mich anruft. Nachdem ich auf die Uhr gesehen habe, bekomme ich einen leichten Schock. Irgendwas muss passiert sein! Sonst würde sie nie jetzt noch anrufen!
Vorsichtig drücke ich also Finn etwas von mir weg, küsse ihn noch einmal und flüstere dann: „Ich muss mal eben an mein Handy gehen. Das ist meine Mutter…leg du dich schon mal hin, ich komm sofort mein Schatz!“


~+~Finn~+~

Recht hastig entledigen wir uns unserer Kleidung. Ich versuche durch Blicke Markus aufzufordern mit ins Schlafzimmer zu gehen und siehe da: er folgt mir!
Ich fange an ihn leidenschaftlich zu küssen als sein Handy klingelt. Er hat die „Adams family“ als Klingelton. Er schaut auf die Uhr und schnappt sich mit einem erstaunt-besorgtem Blick sein Handy. Er küsst mich und flüstert: „Ich muss mal eben an mein Handy gehen. Das ist meine Mutter…leg du dich schon mal hin, ich komm sofort mein Schatz!“
Also tue ich was er mir sagt und warte. Ich höre einige Gesprächsfetzen von nebenan.

Verdammt... das hört sich nicht gut an!


~+~Markus Jo~+~

Ich beeile mich an mein Handy zu kommen und nehme ab. „Mum, wie schaffst du es eigentlich immer, mich in den unpassendsten Momenten anzurufen?“, frage ich gereizt. Ihre Antwort folgt nicht direkt und ihre Stimme ist sehr zerbrechlich: „Tut mir leid, dass ich dich störe. Aber, deine Oma…sie ist soeben gestorben. Ich wollte dir nur bescheid geben und fragen, ob ich für dich einen Rückflug buchen soll.“ Von dieser Nachricht bin ich mehr als geschockt und muss mich erst einmal hinsetzen. „Ja, das wäre super! Wie geht es dir denn jetzt?“. Frage ich sie. Sie hat ihre Mutter mindestens so geliebt, wie ich diese Frau als meine Oma geliebt habe. Am anderen Ende der Leitung höre ich sie sich die Nase putzen und mir dann antworten: „Mir geht es soweit ganz gut! Wobei hab ich dich denn gestört?“ „Ach, nicht jetzt nicht mehr so wichtig! Aber Mum, ich bin jetzt mit Finn zusammen!“
„Willst du ihn mitbringen?“, fragt Mum mich etwas zurückhaltend. Sie weiß genau, dass das nicht geht, erst recht nicht zur Beerdigung meiner Oma. „Nein, ich komm alleine! Du weißt doch…“
Unser Gespräch ist nach wenigen Minuten zu Ende und ich kehre zu Finn ins Schlafzimmer zurück.


~+~Finn~+~

Markus kommt ins Zimmer zurück. Ich stehe auf und umarme ihn. Ich glaube das kann er gebrauchen. „Was ist denn los?“, frage ich ihn.
„Meine Oma...sie ist gerade gestorben!“, ihm steigen Tränen in die Augen. Das war wohl nich vorherzusehen.
„Das tut mir Leid...“ stammel ich. Die nächsten paar Minuten lasse ich ihn erstmal sich ausweinen. Ihm scheint das verdammt nahe zu gehen... Meine Großeltern kenne ich entweder nicht oder sind tot.
„Und jetzt? Wann musst du zurück?“, frage ich leise. „Keine Ahnung. Ich denke meine Mutter ruft mich noch mal an wenn sie weiß welchen Flug ich nehmen kann.“
Verdammt...jetzt verliere ich ihn schon wieder....


~+~Markus Jo~+~

Finn nimmt mich sofort in den Arm und lässt mich mich dort erst einmal ausweinen. Verdammt, warum musste Oma jetzt auch so plötzlich sterben? Sie war neben meiner Mutter, Jo und meiner Schwester die einzige in meiner Familie, die wusste, dass ich schwul bin. Und sie hat mich trotzdem, oder grade deswegen, ich weiß es nicht, immer unterstützt und geliebt. Mit ihr habe ich alles machen können und mit ihr konnte ich auch über alles reden!
„Und jetzt? Wann musst du zurück?“, fragt mich mein Freund und streichelt meinen Kopf. Leise antworte ich ihm: „Keine Ahnung. Ich denke meine Mutter ruft mich noch mal an wenn sie weiß welchen Flug ich nehmen kann.“ Jetzt ist eh alles zu spät! Jetzt werde ich nie wieder mit ihr reden können. Diese Gewissheit schmerzt am meisten! So hatte ich mir den heutigen Abend garantiert nicht vorgestellt! Meine ganzen Pläne kann ich jetzt ja wohl knicken!
„Soll ich mitkommen zu dir nach hause? Vielleicht…ich meine…vielleicht hilft dir das ja?“, fragt er mich. Mein Gott ist Finn süß! Ich habe mich glaube ich ausnahmsweise mal in den richtigen verliebt! Geknickt antworte ich: „Nein…nein, das wäre keine gute Idee…“


~+~Finn~+~

„Soll ich mitkommen zu dir nach hause? Vielleicht…ich meine…vielleicht hilft dir das ja?“, frage ich ihn.
Er sieht mich noch ein wenig trauriger an und antwortet: „Nein…nein, das wäre keine gute Idee…“
Wieso keine gute Idee? Mhm, vielleicht möchte er allein mit seiner Familie sein, oder er möchte allein mit der Trauer fertig werden. Ich weiß es nicht. Oder weiß seine Familie nichts davon, dass Markus Jo schwul ist?
„Ähm... weiß deine Familie, dass du schwul bist?“
Er schaut mich ein wenig verwundert an. Also das ist wohl nicht der Grund. „Mhm ja eigentlich schon, also nicht alle, aber ich würde kein Geheimnis draus machen wenn mich jemand fragt“ Gut.
Dann denke ich mal braucht er Zeit alleine bzw. mit seiner Familie.


~+~Markus Jo~+~

Ich hätte Finn so gerne bei der Beerdigung bei mir! Es würde mir wirklich helfen! Sehr sogar! Ich hätte meiner Oma Finn auch gerne vorgestellt…ach mist alles!
„Naja, nur, ich bin immer mit meiner besten Freundin zu sämtlichen Feiern gegangen, um diesen Fragen auszuweichen. Meine Familie ist zwar größtenteils tolerant, aber ich möchte es nicht so gerne eine riesen Szene von irgendwelchen Großtanten oder so riskieren! Nicht an Omas Beerdigung! Ich hätte dich wirklich so gerne bei mir!“, erkläre ich ihm noch. Ich will nicht, dass er etwas Falsches denkt.


~+~Finn~+~

„Naja, nur, ich bin immer mit meiner besten Freundin zu sämtlichen Feiern gegangen, um diesen Fragen auszuweichen. Meine Familie ist zwar größtenteils tolerant, aber ich möchte es nicht so gerne eine riesen Szene von irgendwelchen Großtanten oder so riskieren! Nicht an Omas Beerdigung! Ich hätte dich wirklich so gerne bei mir“, sagt Markus Jo. Aha also doch. Aber naja, da kann man nichts machen. Ich denke bei meiner Familie würde ich es genauso machen. Ich bin ja auch immer überall mit Riski hingegangen, und schließlich sind wir dann wirklich zusammen gekommen.
Markus’ Handy klingelt wieder. Und wieder die „Adams Family“. Seine Mutter.
Er drückt mir schnell einen Kuss auf den Mund und geht wieder nach nebenan um zu telefonieren.


~+~Markus Jo~+~

Ich hoffe er versteht mich. Wieder klingelt mein Handy und wieder ist es meine Mum. Schnell küsse ich noch einmal Finn und gehe dann wieder rüber zum telefonieren. „Hallo?“, melde ich mich und warte Mums Antwort ab: „Hallo Liebling! Jo hat einen Flug für dich gebucht…naja eigentlich zwei. Bring Finn doch mit! Die alten Tanten bekommen doch eh nichts mehr mit und wenn schon…Mutti hätte sich bestimmt gefreut, wenn sie ihn kennen gelernt hätte, und ich würde mich auch freuen! Der Flug geht in 3 Tagen! Früher ging’s nicht! Und der Rückflug ist dann auch erst eine Woche später…Mit deinem Hotel ist auch alles geregelt…die Zeit kannst du hinten dran hängen!“ „Oh Mum…ich…ähm…also…ich ruf morgen noch mal an, okay?“


~+~Finn~+~

Ich stehe auf und gehe ins Wohnzimmer, wo Markus Jo auf dem Sofa sitzt. Ich bekomme noch seine letzten Wort mit. „...ruf dich morgen noch mal an, okay?“. Er lässt sein Handy sinken und schaut mich leicht geschockt an.
„Was ist denn jetzt passiert?“, frage ich ihn. „Meine Mum... bzw. Jo...sie haben zwei Flüge gebucht“. „Und jetzt?“, frage ich ein wenig perplex. „Na, wir fliegen wahrscheinlich zusammen hin. Meine Mutter meinte, die alten Tanten bekommen eh nix mit und wenn schon...“
„Wow... okay! Na dann.... Und du hast nichts dagegen?“ „Natürlich nicht. Ich war halt nur besorgt wegen einigen von meinen Verwandten!“. Ich setze mich neben ihn und umarme ihn wieder.


~+~Markus Jo~+~

Nein, ich habe nichts dagegen, ich habe nur tierische Angst…“Der Flug geht in drei Tagen hin und nach einer Woche dann wieder zurück. Ich muss mich dann wohl in einer Woche entscheiden haben, wo ich hingehöre!“, murmele ich vor mich hin und sehe auf den Teppich unter unseren Füßen. „Wie wo du hingehörst?“, ist seine erste Frage, die ich ihm gerne beantworte: „Ja, ob ich hier bleiben möchte, bei dir und hier studieren, oder in Stockholm…Wann beginnt hier denn die Uni wieder?“ „In fünf Ta…oh SCHEISSE! Das ist ja in genau der Zeit…Oh man…“


~+~Finn~+~

“Der Flug geht in drei Tagen hin und nach einer Woche dann wieder zurück. Ich muss mich dann wohl in einer Woche entscheiden haben, wo ich hingehöre!“, murmelt Markus vor sich hin. Ich glaube ich hör nicht richtig, was ist denn jetzt wieder?! „Wie, wo du hingehörtst?“ frage ich ihn.
„Ja, ob ich hier bleiben möchte, bei dir und hier studieren, oder in Stockholm…Wann beginnt hier denn die Uni wieder?“ „In fünf Ta…oh SCHEISSE! Das ist ja in genau der Zeit…Oh man…“
„Kannst du da nicht irgendwas drehen, damit du mitkommen kannst?“
„Ich rede mal mit meinem Dekan. Ich hoffe das sich was machen lässt. Ich rufe ihn gleich morgen früh an. Ich versteh mich zum Glück recht gut mit ihm!“


~+~Markus Jo~+~

„Ich rede mal mit meinem Dekan. Ich hoffe das sich was machen lässt. Ich rufe ihn gleich morgen früh an. Ich versteh mich zum Glück recht gut mit ihm!“
Ich hoffe mal er meint es so wie er es gesagt hat…Mein Gott, jetzt fang ich schon an eifersüchtig zu werden, aber ich habe den Dekan gesehen…Er ist noch relativ jung und sieht gar nicht mal so schlecht aus. Sympatisch scheint er auhc noch zu sein…Irgendwie hat mich die ganze Sache tierisch müde gemacht. „Schatz, wollen wir uns vielleicht wieder ins Bett legen? Die ganze Sache hat mich doch fertig gemacht…“, frage ich ihn und er nickt nur stumm. Zusammen gehen wir zurück ins Schlafzimmer und legen uns aufs Bett. Kaum liegen wir, fangen wie auch schon wieder an uns zu küssen… Ich liebe es!


~+~Finn~+~

„Schatz, wollen wir uns vielleicht wieder ins Bett legen? Die ganze Sache hat mich doch fertig gemacht…“ Ich nicke stumm. Hinlegen oder....?
Wir gehen zurück zu meinem Bett und legen uns hin. Wir liegen grade eine Zehntelsekunde und schon fangen wir schon wieder an, uns zu küssen.
Ich liebe ihn! Ob wir jetzt da weitermachen wo wir vor dem Anruf aufgehört haben? Oder ist das in dieser Situation sehr unpassend?
Verdammt, ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung was ich machen soll!
Ich werde ihm wohl die Führung überlassen. Ich will nämlich echt nicht noch mal so einen Fehltritt machen!


~+~Markus Jo~+~

Ob es jetzt sehr taktlos wäre, wenn wir…Ich glaube ich muss mich jetzt einfach ablenken und mein Gehirn frei bekommen! Finn stockt etwas. Hat sich wohl dieselbe Frage gestellt wie ich.
„Schatz, ich liebe dich! Schlaf mit mir!“, fordere ich meinen Freund auf. Er sieht mich etwas verwirrt an, doch ich nicke nur und küsse ihn. Meine Lippen brennen zwar schon etwas, aber das ist jetzt egal. Im Moment ist so gut wie alles egal!
Finn zieht mich näher zu sich, sodass ich nun auf ihm liege. Seine Haut auf meiner Haut ist warm und weich und nur durch unsere Boxershorts getrennt. Mein Herz fängt wie wild an zu rasen. Das ganze Verlangen, was soeben verschwunden war schwappt nun über mich wie eine große Welle. Ich habe noch nie einen Mann so geliebt wie ihn!


~+~Finn~+~

„Schatz, ich liebe dich! Schlaf mit mir!“, fordert mich Markus auf und ich sehe ihn verwirrt an. Also das ist mehr als eindeutig! Ich küsse ihn und zieh ihn näher zu mir, sodass er schließlich auf mir liegt. Oh Gott, so verliebt war ich noch nie! Die Schmetterlinge in meinem Bauch tanzen grad Salsa!
Ich küsse ihn mit immer größerer Leidenschaft und drehe ihn auf den Rücken, sodass ich auf ihm liege.
Unser Atem wird immer lauter, immer schneller. Mein Gehirn ist wie benebelt, ich bekomme von meiner Umwelt so gut wie gar nichts mehr mit.
Ich lasse von seinen Lippen ab und bewege mich ein Stück weiter nach unten, ziehe ihm seine Boxershorts aus.
Ich höre ihn aufstöhnen....
Kurze Zeit später befinden sich unsere Gesichter wieder auf gleicher Höhe und schon fangen wir an uns wieder zu küssen.
Ich halt’s jetzt kaum noch aus!
Ich spüre seine Erektion an meiner. Ich halte kurz inne und sehe ihn fragend an. Er nickt unmerklich und ich dringe in ihn ein....


~+~Markus Jo~+~

Überglücklich wache ich, von der Sonne geweckt, auf. Ein Blick auf den Wecker neben dem Bett verrät mir, dass es schon Vormittag ist, doch das macht mir herzlich wenig aus. Schnell schließe ich wieder die Augen und kuschele mich an Finn. Lasse den gestrigen Abend noch mal an mir vorüber ziehn. Meine Oma ist tot, aber mein Kopf war wenigstens gestern Abend ziemlich leer.
Verträumt male ich irgendwelche Muster auf Finns Bauch. Kann man einen einzigen Menschen in so kurzer Zeit so schrecklich stark lieben lernen? Dieser Mann hat mir auf jeden Fall gezeigt das es geht.
Nach ein paar Minuten entscheide ich mich aufzustehen. Da ich meine ganzen Sachen im Hotel habe, schreibe ich Finn einen Zettel, lege ihn auf den Küchentisch und mache mich auf den Weg zur Mannerheimtie. Ein paar Leute reisen ab, ein paar kommen an. Ein angenehmes Chaos herrscht in der Empfangshalle. Für einen kurzen Augenblick bin ich mehr als froh darüber. Joonatan hat heute Dienst an der Rezeption, hat aber nur Zeit mir einen kurzen Blick zuzuwerfen, bevor er versucht einer älteren, deutschen Dame weiterzuhelfen. Einen Augenblick später kommt auch mein Aufzug.


~+~Finn~+~

Ich wache auf und taste neben mich. Das Bett ist noch warm, aber Markus ist nirgendwo zu sehen.
Oder habe ich das letzte Nacht nur geträumt? Möglich wärs... das ich mal so ein Glück habe... Ich liebe ihn! Mehr als ich irgendetwas anderes vorher geliebt habe!
Ich taumel verschlafen in die Küche. Auf dem Tisch liegt ein Zettel von Markus. Also doch nicht geträumt!
Auf dem Zettel steht, dass er eben ins Hotel gegangen ist. Er meldet sich aber bei mir im Laufe des Tages.
Also schmeiße ich erstmal die Kaffeemaschine an. Kurze Zeit später sitze ich auf dem Küchentisch mit einer Tasse Kaffee in der Hand. So langsam werde ich wach. Ich versuche nachzudenken. Was habe ich heute noch zu erledigen? Aber nach jedem halben Gedanken schweifen diese ab zu Markus. Ich liebe ihn so sehr!!!


~+~Markus Jo~+~

Schnell schließe ich die Türe zu meinem Zimmer auf. Mein erster Weg führt mich ins Badezimmer. Irgendwie habe ich jetzt grade das Bedürfnis zu duschen. Das warme Wasser hat eine unglaublich beruhigende Wirkung auf mich, und scheint einen großen Teil der Trauer wegzuspülen. In mir befinden sich zurzeit zu viele gegensätzliche Gefühle.
Ich vergesse die Welt um mich herum und bleibe fast 20 Minuten unter der Dusche. Das habe ich gebraucht!
Schnell steige ich aus der Dusche und schwinge mir eins dieser weißen Hotelhandtücher um die Hüfte. Mist, jetzt habe ich vergessen die frischen Sachen mit ins Badezimmer zu nehmen. Egal, ich will so schnell wie möglich zu meinem Schatz zurück, also reiße ich die Tür auf. Als ich zu meinem Bett sehe bekomme einen Riesenschock!


~+~Finn~+~

Verdammt ich halte es kaum noch alleine in meiner Wohnung aus!
„Oh ich hab solche Sehnsucht, ich verlier den Verstand“, fällt mir eine Liedzeile einer deutschen Band ein, die mir einer meiner Exfreunde übersetzt hatte.
Ich beschließe kurzerhand Markus’ Anruf nicht abzuwarten sondern ihm einen Besuch im Hotel abzustatten. Und falls er dort nicht ist, werde ich mit diesem schicken Schlüssel aufschließen und ein hübsche Überraschung vorbereiten.

~+~Markus Jo~+~

Völlig perplex stehe ich halbnackt vor Joonatan und starre ihn mit offenem Mund an. Was soll das hier werden? Warum bitte sitzt Joona da auf MEINEM Bett, in MEINEM Zimmer. Okay, zugegebenermaßen in SEINEM Hotel….
Hastig springt er auf und stürzt sich auf mich. Hilfe?! Ruschlig [10] drückt er mir seine Lippen auf meine. Das ganze passiert so rasend schnell, das ich mich nicht dagegen wehren kann.
Hinter mir höre ich nur die Tür zu meinem Zimmer zuschlagen und überlege, wann diese überhaupt geöffnet wurde. Da trifft es mich wie ein Schlag. Natürlich. Mit roher Gewalt [11] stoße ich Joona von mir. „FUCK“ ist das einzige, was ich noch sagen kann.


~+~Finn~+~

Leise schließe ich die Türe auf und schleiche in Markus Zimmer. Ich sehe um die Ecke und kriege den größten Schock meines Lebens!
Auf dem Bett sitzt Joonatan und lächelt einen halbnackten Markus an. Danach steht er auf und küsst ihn hastig. Was bitte soll das denn jetzt???
Ich drehe mich um und stürme aus dem Zimmer, natürlich nicht ohne die Türe zuzuschlagen. Soll er doch ruhig wissen das ich ihn mit Joonatan erwischt habe!
Mir steigen Tränen in die Augen und ich sehe kaum wo ich hinlaufe... Erst am Hafen halte ich an. Ich setze mich auf einen Stein und weitere Tränen laufen mir übers Gesicht. Es war wohl doch zuu schön um wahr zu sein....


~+~Markus Jo~+~

„Fuck, fuck, fuck“, hallt es durch meinen Kopf und lässt keinen Platz für weitere Gedanken mehr. „Warum verdammt noch mal hast du das gemacht?“, fahre ich Joonatan an. Dieser grinst leicht diabolisch und antwortet mir: „Du weißt doch genau wie ich, dass wir beide zusammen gehören! Der Kleine hat doch nur gestört. Sei doch froh, dass ich ihn jetzt vertrieben habe!“ „Froh sein? Hast du gelitten? ICH LIEBE DIESEN MANN! Mehr als mein Leben, um genau zu sein! Ich dachte wir wären nur Freunde. Und jetzt raus hier!“
Innerlich schüttele ich immer noch den Kopf, als Joona mein Zimmer verlässt. Nicht ohne noch einmal zu erwähnen: „Wir gehören zusammen Jo!“ „Nenn mich nicht so“, zische ich ihm entgegen und beeile mich, mir etwas zum Anziehen rauszusuchen.


~+~Finn~+~

Mein Handy klingelt. Ich blinzel die Tränen weg und schaue aufs Display. „Markus Jo ruft an“ steht auf diesem.
Was will der denn bitte???
Ich drücke auf „abweisen“ und stecke mein Handy zurück in die rechte Hosentasche.
Keine drei Sekunden später klingelt es wieder. Ich ziehe das Handy wieder hervor. Schon wieder Markus! Will der sich jetzt entschuldigen oder was?
Das letzte was ich jetzt brauche ist, seine Stimme zu hören. Das würde mich nur noch mehr fertig machen!


~+~Markus Jo~+~

Beim Anziehen des quietschgrünen Pullis wähle ich schon Finns Nummer. Ich muss ihm das erklären. Verdammt, ich wollte das doch gar nicht! Ich wollte nicht Joona küssen und ich wollte auch nicht, dass Finn das sieht! Er hat doch alles nur falsch verstanden.
Doch Finn scheint das anders zu sehen, denn er drückt mich weg. Auch beim zweiten Versuch drückt er mich weg. Kurz entschlossen schreibe ich ihm also eine überlange SMS: „Ich LIEBE DICH! Joona war eifersüchtig und wollte dich vergraulen! Bitte vergiss es einfach! Wenn du mir noch eine Chance geben kannst, dann komm in einer Stunde ins Café Engel! Markus“


~+~Finn~+~

Mein Handy piept. Eine sms von Markus. Ich öffne sie und lese: „Ich LIEBE DICH! Joona war eifersüchtig und wollte dich vergraulen! Bitte vergiss es einfach! Wenn du mir noch eine Chance geben kannst, dann komm in einer Stunde ins Café Engel! Markus“
Ich überlege einen Moment und schaue auf die Uhr. Dann mache ich mich auf den Weg zu meiner Wohnung, denn so wie ich jetzt aussehe will ich Markus nicht unter die Augen treten.
Ich werde also mal mit ihm reden und raus finden ob das jetzt echt nur Joonas Eifersucht war.


~+~Markus Jo~+~

Bis zum Zerreißen sind meine Nerven gespannt. Wenn Finn in zwei Minuten nicht da ist, dann habe ich ihn wohl verloren. Ungeduldig drehe ich mein Latte Machiatto Glas hin und her und starre wie versteinert auf die Uhr, versuche die Zeiger anzuhalten. Zehn Sekunden vor Ablauf der Frist stehe ich auf, bezahle und verlasse das Café. Das ganze hat ja sowieso keinen Zweck. Ich bekomme es gar nicht richtig mit, doch nach kurzer Zeit sitze ich schon wieder in meinem Zimmer. Mit mir alleine. Mit zittrigen Fingern krame ich in meiner Tasche nach meinem Handy. Keine SMS oder entgangenen Anrufe. Bevor ich wieder einmal anfange zu heulen, wähle ich schnell die Nummer von Emma und bete, dass sie auch abnimmt.


~+~Finn~+~

Ich habe mich doch ein wenig mit der Zeit vertan und haste drei Minuten später als geplant ins Café Engel. Ich blicke mich um, doch nirgendwo kann ich Markus entdecken. Ich setze mich an einen kleinen Tisch und bestelle einen Latte Machiatto.
Alle paar Minuten blicke ich abwechselnd auf meine Uhr und mein Handy. Vielleicht hat er sich ja verspätet. Könnte sein, dass seine Mutter noch mal angerufen hat und er deshalb nicht da ist.
Nach 10 Minuten beschließe ich ihn anzurufen. Verdammt. Besetzt!


~+~Markus Jo~+~

„Ach Emma!“ „Oh man, Schatzi, du tust mir grade so leid! Jetzt dachte ich schon, du bist endlich mal glücklich und dann…dann kommt da son Kerl dahergelaufen und macht alles wieder kaputt! Wenn ich bei dir wäre, ich schwör dir, der Kerl wüsste nicht mehr, ob er Männchen oder Weibchen ist! Was willst du jetzt eigentlich mit Finn machen? Wenn du ihn so sehr liebst, wie du immer sagst, und er dich, dann ist da doch eigentlich kein Problem, oder?“, antwortet mir meine beste Freundin und ein erneuter Schwall Tränen kommt über mich. „Kein Problem, dass ich nicht lache. Er hat mich eine Stunde im Café sitzen lassen. Er hat mich versetzt. Da gibt es keine Chance mehr!“ Nach einer Stunde, in der ich mit Emma telefoniert habe, fasse ich einen Entschluss. Schnell tätige ich noch zwei weitere Gespräche. Jetzt muss ich mich wirklich beeilen!


~+~Finn~+~

Ich versuche noch sage und schreibe 13-mal bei Markus anzurufen. Jedes Mal besetzt.
Irgendwann gebe ich es auf. Ich sitze wie betäubt auf meinem Bett und weiß nichts mit mir anzufangen.
Ich gehe in die Küche um mir Kaffee zu machen, doch selbst der schmeckt mir nicht mehr. Und das bei nem Koffeinjunkie!
Nach anderthalb Stunden beschließe ich, Markus eine Sms zu schreiben. Die wird er ja auf jeden Fall bekommen, selbst wenn er das Handy aushat.
„Ich dachte wir wollten uns treffen?! Ich liebe dich!“


~+~Markus Jo~+~

Hastig schnappe ich mir meinen gepackten Koffer, meine Jacke und den Zimmerschlüssel und renne dann fast schon hinunter. An der Rezeption gebe ich den Schlüssel ab und muss noch einige Formulare ausfüllen, bis ich ausgecheckt habe. Finn will mich nicht mehr. Mich hält nichts mehr hier!
Das Taxi, welches ich gerufen habe, steht schon vor dem Hotel und wartet auf mich. Wenn jetzt kein Stau mehr dazwischen kommt, dann bin ich in ein paar Stunden wieder zuhause! Nach einer halben Stunde hält das Taxi endlich am Flughafen. Schnell drücke ich dem Fahrer ein paar Scheine in die Hand und renne zu meinem Check-In. Das Flugticket habe ich mir hinterlegen lassen. Nach einer weiteren halben Stunde sitze ich an meinem Gate und schalte gedankenverloren mein Handy aus. Jetzt ist eh alles zu spät!


~+~Finn~+~

Mittlerweile fängts an zu dämmern und ich habe immer noch nichts von Markus gehört. Verdammt noch mal was hat das zu bedeuten?
Ich beschließe einfach nicht darüber nachzudenken und an meiner Facharbeit für die Uni weiter zu schreiben.
Also schalte ich meinen Laptop ein und öffne das Word-Dokument mit dem Text über die finnische Musikgeschichte.
Schon nach 5 Minuten streikt mein Gehirn und meine Gedanken wandern zu Markus...


~+~Markus Jo~+~

Sehnsüchtig sehe ich aus dem kleinen Fenster des Flugzeugs. Da unten ist jetzt irgendwo mein Traummann. Was er wohl grade tut? Ob es ihm gut geht oder er noch ab und zu an mich denkt? Mindestens eine Milliarde Fragen schießen mir durch den Kopf, so dass ich fast schon panisch aufschrecke, als eine nette, schwedische Stewardess mich fragt, ob ich etwas trinken möchte. Ich nicke und bestelle mir einen Kaffee. Der Flug vergeht rasend schnell.
Am Ausgang des Flughafengebäudes steht schon Emma und wartet auf mich. Freudig falle ich ihr in die Arme und habe schon wieder Tränen in den Augen stehen. Irgendwie genieße ich es, wieder überall Schwedisch zu hören, andererseits fehlt es mir aber auch, an jeder Ecke Finnisch zu hören. Besonders aus Finns Mund.


~+~Finn~+~

Ich sitze immer noch vor meinem Laptop. Mittlerweile ist der Bildschirmschoner angegangen, aber richtig mitbekommen habe ich das nicht. Wieso meldet er sich nicht??? Ist ihm etwa was zugestoßen???
Ich weiß auch nicht wie ich Markus erreichen soll.
Verdammt ich vermisse ihn so!
Ich vermisse sein Lachen, seine Küsse, seine Stimme, seine Umarmungen, einfach alles.
Ich habe solche Sehnsucht nach ihm. Was er jetzt wohl grade macht? Geht es ihm gut? Ist was passiert? Was ist passiert?


~+~Markus Jo~+~

Nachdem wir mein Gepäck in Emmas kleines Auto gepackt haben und wir endlich auf der Autobahn nach Hause sind, schalte ich mein Handy wieder ein. Zwei SMS. Beide sind von Finn. Mein Herz bleibt für einen Augenblick stehen, als ich die erste öffne: „Ich dachte wir wollten uns treffen?! Ich liebe dich!“ Er hat mir doch eine zweite Chance geben wollen? Wollte sich doch mit mir treffen und über alles reden…Erneut schießen mir Tränen in die Augen. Die zweite SMS kann ich fast nicht mehr erkennen vor lauter Tränen: „Markus, geht es dir gut? Ist dir etwas zugestoßen? Ich liebe dich! Bitte komm heim!“
Mit einem Mal drängt sich mir die Frage auf, ob ich mich nicht eigentlich mit jedem Kilometer, den ich heimwärts fahre mich immer weiter von meinem zuhause entferne.


~+~Finn~+~

Ich schreibe Markus noch eine SMS: „Markus, geht es dir gut? Ist dir etwas zugestoßen? Ich liebe dich! Bitte komm heim!“
Was anderes kann ich ja im Moment eh nicht tun.
Eine Stunde später kommt endlich die lang ersehnte Antwort: „Mir geht’s gut. Ich musste nach Stockholm. Ich liebe dich!“
Stockholm?! Verdammt! Schnell verscheuche ich den Bildschilmschoner.
Flüge... Mist! Alle Flüge wurden wegen Orkanböen abgesagt!
Das nenne ich Schicksal!!!


~+~Markus Jo~+~

Daheim angekommen, im Auto habe ich kurzerhand entschlossen, dass das hier meine Heimat und Helsinki, bei meinem Schatz mein zuhause ist, fällt mir als erstes meine Mum um den Hals. „Oooh Markus, du musst mir alles über Finn erzählen. Sofort und…hast du geweint?“, überkommt sie der erste Redeschwall, bevor sie mir behutsam über die Wange streicht. Langsam nicke ich und antworte ihr dann: „Ja, aber jetzt ist alles wieder in Ordnung! Lass mich doch erst mal reinkommen!“
Nachdem ich auch meinen Dad begrüßt und meinen Koffer in mein Zimmer gestellt hab, setzen wir uns an den tollen, großen Tisch in der Küche und ich erzähle die ganze Geschichte von Anfang an.


~+~Finn~+~

So langsam habe ich das Gefühl, das Leben hat was gegen mich...
Ich habe meinen Laptop ausgeschaltet und sitze nun wieder auf meinem Bett.
Aber er hat geantwortet, er liebt mich noch! Da bin ich schon mal etwas beruhigt. Und doch stellen sich mir tausende Fragen.
Warum ist er nicht mehr hier? Warum war er nicht im Café? Warum hat er nicht Bescheid gesagt? Warum war Joonatan in seinem Zimmer? Warum musste er so schnell nach Stockholm? Warum?
Über all diesen Fragen schlafe ich so langsam ein und träume von der Liebe meines Lebens... Markus Jo....


~+~Markus Jo~+~

Nach ein paar Stunden sehe ich auf die Uhr und bekomme einen leichten Schock. Ich wollte doch noch Finn anrufen. Emma sieht mich verwundert an. Als sie jedoch auch auf die Uhr sieht versteht sie mich. Im wortlosen einvernehmen bleibt sie die Nacht über hier. Das haben wir schon früher so gemacht.
Bevor wir alle schlafen gehen, schnappe ich mir noch mal mein Handy, ziehe mir meine Jacke an und setze mich in den Garten. Ich muss jetzt einfach Finns Stimme hören!


~+~Finn~+~

Wie von weit weg höre ich Musik. Langsam tauche ich aus meiner Traumwelt auf und suche mein Handy.
Nach einigen Orientierungsschwierigkeiten, immerhin war ich grade mit Markus in meiner rosaroten Welt, in der alles perfekt ist [12], finde ich es und drücke schnell auf die „annehmen“ Taste. Auf dem Display stand „Markus Jo ruft an“.
Endlich!
„Hei!“ sage ich. „Hei...“ antwortet Markus... ich liebe seine Stimme!


~+~Markus Jo~+~

Nach einer halben Ewigkeit nimmt Finn ab. „Hei!“, sagt er. „Hei…“, antworte ich. Ich liebe seine Stimme, wie ich alles an ihm liebe! „Es tut mir so leid!“, ist das Einzige, was ich sage, bevor wir uns eine Zeit anschweigen. Wahrscheinlich können wir beide noch nicht so recht glauben, was im Moment alles passiert und was heute alles geschehen ist.
Gedankenverloren sehe ich in den Sternenhimmel und wünsche mir, dass Finn jetzt hier bei mir wäre. „Ich liebe dich so mein Schatz!“, flüstert er. Ich fasse es nicht. Er hat mich noch NIE so genannt! Bisher nannte er mich immer Markus, aber das war auch das höchste der Gefühle…


~+~Finn~+~

„Es tut mir so Leid“, sagt er. Danach schweigen wir uns erst eine zeitlang an. Ich höre ganz leise seinen Atem. Aber selbst unser Schweigen fühlt sich richtig an.
„Ich liebe dich so mein Schatz“, flüstere ich leise in die Stille hinein.
So habe ich noch nie jemanden genannt, nur im Scherz.
„Ich dich auch“ flüstert er zurück.
„Was ist passiert?“, frage ich schließlich. „Nun... also... als ich aus der Dusche kam saß Joonatan auf meinem Bett...“, beginnt er zu erzählen.


~+~Markus Jo~+~

„Joonatans Vater gehört das Hotel, er kann also machen was er will. Ich war völlig geschockt! In meiner Starre habe ich erst gar nicht reagieren können darauf, dass er mir einfach so um den Hals gefallen ist und mich geküsst hat. Bis ich dann die Türe gehört habe. Ich wusste sofort, dass du es warst. Naja dann hab ich dir halt die Sms geschrieben und eine Stunde auf dich gewartet. Als die Zeit abgelaufen war bin ich aufgestanden und gegangen. Ich konnte das alles nicht ertragen, ich konnte nicht ertragen so versetzt zu werden…besonders nicht von dir!
In meinem Hotelzimmer hab ich dann mit meiner besten Freundin telefoniert. Zusammen haben wir beschlossen, dass es besser für mich wäre, wenn ich nach Hause kommen würde…soeben ist mir klar geworden, dass es alles aber noch viel schlimmer gemacht hat.“, erkläre ich Finn alles. Das einzige was ich nicht verstehe: „Warum warst du denn nicht im Café, wenn du mich immer noch liebst?“


~+~Finn~+~

Nachdem er mir die Geschichte erzählt hat, stellt er mir eine einzige Frage: „Warum warst du denn nicht im Café, wenn du mich immer noch liebst?“
„Ich war doch da...“ „Wie?“ „Ich wollte mich noch duschen und umziehen bevor ich ins Café gehe. Dabei hat meine Zeitplanung nicht ganz hingehauen und ich hab mich um 5 Minuten oder so verspätet...“
„Verdammt...“, murmelt Markus. Schon wieder Schweigen. Ich wäre jetzt soo gerne bei ihm. „Vergeben und Vergessen?“, frage ich leise. „Ja... ich liebe dich, mein Schatz!“ „Ich dich auch!“ Schweigen...


~+~Markus Jo~+~

Er war da! Er wollte mit mir reden! Er liebt mich!
Alleine seinen Atem zu hören über das Telefon beruhigt mich und lässt mich immer mehr wünschen doch in Helsinki geblieben zu sein. Verträumt sehe ich in den Sternenhimmel und frage mich, ob Finn vielleicht grade dasselbe tut.
Ich könnte ihn zwar fragen, aber das tue ich nicht. Nach ein paar Minuten, die wir uns fast nur angeschwiegen und uns gesagt haben, dass wir uns lieben, muss ich mich leider schon verabschieden. „Schatz, ich muss morgen früh raus. Du weißt ja, meine Oma…Ich muss noch mit Emma in die Stadt! Ich ruf dich morgen an! Ich liebe dich!“ „Ich liebe dich auch mein Schatz!“, antwortet er mir, wünscht mir noch eine gute Nacht und legt dann auf. Ich lausche noch eine Weile dem gleichmäßigen Tuten und gehe dann zurück in unser Haus.


~+~ Finn ~+~

„Gute Nacht“, sage ich noch und lege auf. Mit dem Handy in der Hand lasse ich mich hinten rüber aufs Bett fallen und starre an die Decke. Wie lange ich dies tue weiß ich nicht. Ich starre und träume. Träume von Markus. Denke. Denke an unseren Spaziergang am Strand. An das Funkeln des Mondes im Wasser.
Und an Joona. Ich lasse alles noch mal Revue passieren und jedes Mal kommt mir der Gedanke, dass ich jetzt eigentlich bei ihm sein sollte. Bei meiner Liebe. Bei meinem Schatz.
Ich starre weiter auf die Decke. Irgendwann wird mir kalt und ich erwache aus meinen Gedanken. Wie lange ich so gelegen habe, weiß ich nicht. Mein Laptop surrt leise im Standby-Modus und mein Handy ist ebenfalls im Standyby. War also länger als eine halbe Stunde.


~+~Markus Jo~+~

Eine kurze Zeit überlege ich, was mir dieses Gespräch jetzt eigentlich gebracht hat und komme dann zu dem Entschluss, dass es gut war mit ihm zu reden. Ich bin vielleicht zu übereilt nach Schweden zurück gefahren. Ich weiß auch nicht, aber irgendwie bin ich hin und her gerissen zwischen Schweden und Finnland. Ich liebe meine Heimat, meine Freunde und meine Familie. Ich liebe es blind durch Stockholm gehen zu können, weil ich diese Stadt wie meine Westentasche kenne. Doch andererseits liebe ich auch Finn und die Gefühle, die ich habe, wenn ich bei ihm bin. Er gibt mir so eine Sicherheit und das Gefühl unbesiegbar zu sein, doch unsere Beziehung steht unter keinem guten Stern, dass weiß ich. Sonst wäre bis zum heutigen Tag nicht so viel schief gegangen.
Drinnen ist es schon dunkel. So leise es geht schleiche ich mich zu meinem Zimmer, wo Emma schon umgezogen auf meinem Bett sitzt und auf mich wartet. „Und, wie ist es gelaufen?“, fragt sie mich.


~+~Finn~+~

Ich weiß schon wieder nichts mit mir anzufangen. Ich würde am liebsten jetzt in einem Flugzeug nach Stockholm sitzen.
Aber NEIN, der alte Mann da oben muss mir natürlich auch das wieder versauen. Scheißsturm...
Püh, dann werde ich mich wohl wieder mal meinen Drogen zuwenden: Kaffee und Musik! Wie spät ist es eigentlich? 21:03... gut dann habe ich noch circa eine Stunde um Musik zu machen ohne gelyncht zu werden.
Also schnappe ich mir mein Baby, meine süße Gitarre und schrammel ein bisschen drauf los.
Mal mehr Metalgeschrammel, mal was punk-skaiges, mal was melancholisches. Meistens bleibe ich länger bei dem melancholischen hängen und langsam entwickelt sich eine Melodie daraus. Auch mein Gehirn fängt an auf Hochtouren zu arbeiten und Wörter, Sätze, Bruchstücke eines Textes kommen mir in den Sinn.
Ich bin dabei ein neues Kunstwerk made by Finn zu erschaffen...


~+~Markus Jo~+~

Ich schlage meine Augen auf, nur um sie gleich wieder zu schließen. Grade war ich noch in meiner Traumwelt versunken, in der alles gut war und jetzt muss ich feststellen, dass genau das Gegenteil der Fall ist! Die Sonne strahlt, als würde es kein morgen geben. Danke, darauf kann ich auch verzichten!
Mein Freund ist in Finnland, weit weg von mir, meine Oma wird heute beerdigt und erst jetzt bemerke ich so richtig, wie sehr sie mir doch fehlt. Eigentlich sollte heute ein verregneter Tag sein und nicht so ein Sonnenschein [13]! Schwerfällig quäle ich mich aus meinem Bett. Ich will nicht! Ich glaub ich übersteh das auch nicht alleine. Finn, warum bist du denn jetzt nicht hier?
Mein schwarzer Anzug mir dem ebenfalls schwarzen Hemd und der weißen Krawatte hängt schon an meiner Schranktüre. Meine Oma meinte immer, dass mir diese Kombination am besten stehen würde, also ziehe ich sie auch ihr zu ehren jetzt an!


~+~ Finn ~+~

Heute ist die Beerdigung von Markus Oma.
Ich schaue aus dem Fenster. Regen. Wie passend! Ob ich ihn anrufen soll? Oder direkt hinfliegen. Hinfliegen würde mir besser gefallen.
Ich schmeiße den Laptop an und klicke mich durch die Homepage der Billigflieger. Mhm 28 Euro bis nach Stockholm... Wenn ich den nächsten Flieger erwische, beziehungsweise noch ein Ticket bekomme, müsste ich zur Beerdigung noch rechtzeitig ankommen. Die Orkanböen haben sich wohl anscheinend soweit gelegt, dass der Flugverkehr wieder läuft, bzw. fliegt.
Ich schaue auf die Uhr. Eine stunde bis der Flieger geht. Ich klicke auf den Button „Tickets“. Yeah! Da sind noch welche verfügbar. „Buchen“....
Markus ich komme!!!


~+~Markus Jo~+~

Fest umklammere ich Emmas Hand. Die Sargträger haben sich grade erhoben. Die Messe ist beendet und der richtig ernste Teil der Beerdigung beginnt erst jetzt. Die gesamte Gesellschaft, die zum größten Teil aus Großtanten, Cousins und Omas Freunden besteht, geleitet den Sarg zu unserem Familiengrab. Alle sind da, nur die wichtigste Person ist von mir getrennt.
Am Grab spricht der Pfarrer noch ein paar Worte, bevor der Sarg herab gelassen wird. Nun ist die Zeit des Abschieds endgültig gekommen. Ich muss stark gegen die Tränen ankämpfen, als ich meine Rose auf den Sarg werde. Alles um mich rum ist still und verliert im Moment an Bedeutung. Ein paar einzelne Tränen tropfen doch auf den Boden und es scheint, als würden sie von der Erde fast schon gierig aufgesogen.
Plötzlich wird es um mich rum noch stiller als es eh schon ist. Als ich hoch sehe, entdecke ich einen jungen Herrn, der von weitem sehr stark Finn ähnelt. Erst als er fast vor mir steht erkenne ich, dass es sich bei diesem jungen Herrn tatsächlich um meinen Freund handelt.
Liebevoll schließt er mich in die Arme, während um uns herum ein relativ lautes Gemurmel ausbricht. Doch das ist mir in diesem Moment ganz egal. Zärtlich streicht mir Finn ein paar Tränen von der Wange und küsst mich. Es ist, als ob ich Oma lachen hören könnte und in genau diesem Moment wird mir klar, dass ich absolut keine Angst haben muss. Vor nichts. Als wir uns wieder voneinander lösen drückt Mum Finn eine Rose in die Hand und nickt ihm einmal zu. Somit ist er wohl grade in unsere Familie aufgenommen worden.


~+~Finn~+~

Ich bin grade auf dem Friedhof in Stockholm angekommen. In ca. 200 Meter Entfernung ist eine Trauergemeinde an einem offenen Grab versammelt. Ganz vorne steht Markus, wohl mit seinen Eltern.
Ich gehe langsam auf ihn zu. Er schaut mich ein wenig erstaunt an, so als ob er nicht glaubt was er da sieht.
Als ich vor ihm stehe lächelt er mich unter Tränen an und ich kann nicht anders als ihn zu umarmen.
Hinter uns fangen einige alte Tanten an zu flüstern und zu murmeln.
Ich sehe ihm in die Augen, streiche ihm einige Tränen von der Wange und küsse ihn.
Nachdem wir den Kuss beendet haben drückt mir die Frau neben Markus, die wohl seine Mutter sein muss, eine Rose in die Hand.
Was hat das jetzt zu bedeuten? Ich denke mal nur gutes oder?
Ich werfe die Rose ins Grab. Ich kannte Markus Oma zwar nicht, aber sie muss eine wunderbare Frau gewesen sein. Und es tut mir so Leid für Markus!
Danach entfernen wir uns langsam vom Grab und die restlichen Besucher der Beerdigung gehen am Grab vorbei und werfen Blumen oder etwas Erde auf den Sarg. Danach gehen sie noch an Markus und seinen Eltern vorbei um ihr Beileid auszusprechen [15].

~+~ Markus Jo~+~

Es tut so unheimlich gut Finn neben mir zu spüren! Er gibt mir den Halt, den ich im Moment so dringend nötig habe! Nachdem mein Freund seine Rose ins Grab geworfen hat, gehen wir zu meinen Eltern. „Finn, das ist meine Mutter Mari und mein Vater Jo. Mum, Dad, das ist Finn, mein Freund!“, stelle ich ihn voller Stolz mit. Mum muss leicht grinsen. Für die gegebenen Verhältnisse strahlt sie.
Da die ganze Gesellschaft an meinen Eltern vorbei zieht, um ihnen ihr Beileid auszusprechen stellen wir uns etwas abseits hin. Mit mir will jetzt sowieso niemand mehr was zu tun haben, was mich auf irgendeine Weise schon recht glücklich macht. Ich konnte diese alten Schrullen eh nie ab.
„Schatz, du darfst dich geehrt fühlen! Mum hat dich soeben in die Familie aufgenommen. So schnell wirst du mich jetzt wohl nicht mehr los!“ Ich bin mir nicht sicher, ob Finn jetzt kombiniert, dass das mit der Rose der Auslöser war, aber das ist mir grade auch egal. „Das will ich auch gar nicht“, flüstert er mir zu und küsst mich ein weiteres Mal.


~+~Finn~+~

Markus stellt mich seinen Eltern vor. Seine Mum muss grinsen bei den Worten „das ist Finn, mein Freund“. Ist aber auch zu süß, wie er das sagt.
Mein Schatz und ich stellen uns etwas abseits hin, ich glaube das hat was mit seinem „outing“ zu tun.
Plötzlich sagt er: „Schatz, du darfst dich geehrt fühlen! Mum hat dich soeben in die Familie aufgenommen. So schnell wirst du mich jetzt wohl nicht mehr los!“
Das bedeutete also die Rose und das Grinsen. „Das will ich auch gar nicht“, flüstere ich ihm zu und drücke ihm einen Kuss auf die Lippen.
Ich bin ja soo glücklich! Und das an einem solchen Tag. Aber anscheinend wird doch wieder alles gut.
Nach der Beerdigung müssen wir zum Beerdigungskaffee. Wenn auch nur anstandshalber, ich denke mal nicht, dass Markus unbedingt mit seinen komischen Tanten Kaffee trinken möchte.


~+~Markus Jo~+~

Nach der Bestattung müssen wir noch auf den Beerdigungskaffee. Ich will nicht! Zum Glück ist Emma noch da, mit der wir uns unterhalten können. Meine Verwandtschaft wird mich wohl so schnell keines Blickes mehr würdigen.
Auf dem Weg in das Lokal müssen wir durch eine Bar um zu unserem gemieteten Kaffeesaal zu kommen. So ist das bei uns in Schweden halt üblich. In der gemütlich wirkenden Bar sitzt kein einziger Gast. Trotzdem steht eine nette, junge Dame hinter dem Tresen, trocknet ab und summt leise die Lieder mit, die im Radio kommen. „Can’t find a better man“, tönt es grade aus den Boxen, als wir nach hinten durch gehen. Schon wieder muss ich lächeln und drücke sanft Finns Hand. Wie gut manchmal aber auch alles zusammen passt.
Finn lässt mich wirklich die Beerdigung vergessen, macht mich einfach glücklich dadurch, dass er einfach nur da ist. Während des Kaffees unterhalten wir uns, wie schon gedacht, nur mit Emma und verschwinden danach alle drei ganz schnell wieder. Dieses vorwurfsvolle Schweigen muss ich mir gar nicht bieten lassen!

~+~Finn~+~
Beim Kaffee wird hauptsächlich vorwurfsvoll geschwiegen und mit Blicken gelästert. Markus und ich unterhalten uns mit Emma und verschwinden auch schnell wieder. Vor der Tür des Lokals bleiben wir drei stehen. „Und was macht ihr zwei Süßen jetzt noch?“, fragt Emma uns. „Keine Ahnung...Ich dachte, ich zeige Finn mal Stockholm. Wenn er Lust hat...“, Markus schaut mich fragend an. „Okay, gerne“, antworte ich, „Willst du nicht mitkommen, Emma?“. „Ne, sorry, ich muss noch zur Bandprobe. Wenn ihr Lust habt könnt ihr ja auch vorbeischauen. Du weißt ja, wo, Markus“. Zwei kurze Umarmungen und schon steigt Emma in ihren schwarzen Mini.


~+~Markus Jo~+~

Also hab ich meinen Finn heute doch noch ganz für mich alleine. Das hätte ich heute Morgen echt nicht gedacht. Meine Stockholmführung beginnt standesgemäß am Königspalast. Nach einer kurzen Busfahrt sind wir dort angekommen und ich erkläre Finn: „Eigentlich wollte ich ja hier einheiraten, aber Carl ist nicht so mein Typ. Finnen sind mir da schon sympathischer!“
Als nächstes gehen wir am Wasser entlang. Davon ist in Stockholm wirklich genug zu finden!
Nach der Stadtführung fahren wir wieder nach Hause. Dort warten auch schon meine Eltern. „Schön, dass du auch gekommen bist, Finn! Möchtet ihr beiden Süßen noch was essen?“ fragt Mum. Sie sieht wirklich fertig aus. Ich möchte nicht wissen, was die alten Schrullen noch über uns gelästert haben.
Egal, sie lächelt wenigstens….


~+~Finn~+~

Wir sind wieder bei Markus zu Hause. Anscheinend mussten seine Eltern uns verteidigen, vor allem Finns Mutter sieht ziemlich mitgenommen aus. „Schön, dass du auch gekommen bist, Finn! Möchtet ihr beiden Süßen noch was essen?“, fragt sie uns, wenigstens mit einem kleinen Lächeln. „War doch selbstverständlich. Also ich für meinen Teil nicht…du denn, Schatz?“


~+~Markus Jo~+~

„War doch selbstverständlich. Also ich für meinen Teil nicht…du denn, Schatz?“, fragt mich Finn. Sofort fange ich an zu grinsen. Ich liebe dich so mein Schatz!!! Ich weiß genau, dass Mum nichts essen wird, wenn wir nichts essen. „Ja, ich koch schnell für uns!“, schlage ich vor.


~+~Finn~+~

Markus grinst sich grade einen ab. Ich liebe ihn. Und ich liebe dieses Grinsen!
„Ja, ich koche uns schnell was!“, antwortet er mir. Ah, okay. Auch gut.
„Was denn?“, frage ich. „Hmm…was schwedisches!“, grinst er und verschwindet in der Küche. Ich folge ihm. Markus ist grade dabei, Wasser in einem Messbecher abzumessen. Sehr konzentriert natürlich. Ich umarme ihn von hinten und hauche ihm einen Kuss auf den Hals.


~+~Markus Jo~+~

Ich bin grade dabei Wasser abzumessen, da kommt Finn zu mir in die Küche, umarmt und küsst mich. Ich hasse es gestört zu werden, wenn ich mich grade konzentriere…obwohl….schnell stelle ich den Messbecher ab und drehe mich um. So gefällt mir das Kochen immer besser!


~+~Finn~+~

Plötzlich dreht Markus sich um. Uih…die typische Filmszene! Ich küsse ihn wieder und drücke ihn ein wenig gegen die Arbeitsplatte. „Kann ich euch behilflich sein?“, ich drehe mich ruckartig um und sehe Finns Mutter grinsend in der Tür stehen. Ich laufe, glaube ich, knallrot an. Markus sieht das etwas lockerer: „Wobei genau, Mum?“


~+~Markus Jo~+~

Mum schafft es immer in genau den richtigen Momenten reinzuplatzen! „Ihr beide erinnert mich an zwei Freunde von uns. Die kamen auch aus Helsinki. Die beiden waren auch sooo süß zusammen!“ Dieser Blick heißt nichts Gutes bei ihr! Diese glasigen Augen…nicht gut!


~+~Finn~+~

„Ihr beide erinnert mich an zwei Freunde von uns. Die kamen auch aus Helsinki. Die beiden waren auch sooo süß zusammen!“ Aha…Helsinki…vielleicht kenn ich die ja… „Aus eurer „Bandzeit“, Mum?“, fragt Markus. „Ja…als wir noch auf Tour gingen…das muss ja schon fast Ewigkeiten her sein.“


~+~Markus Jo~+~

„…das muss ja schon fast eine Ewigkeit her sein.“, der Blick wird immer schlimmer! Jetzt kommen auch noch kleine Tränchen hinzu. Och nee… „Die beiden hatten später auch ein Kind. So ein süßes Baby! Du warst mit auf der Taufe! Schade, dass der Kontakt abgebrochen ist. Ihr beide habt euch so gut verstanden. Egal, was gibt’s denn jetzt zu essen, Schatz?“


~+~Finn~+~

„…egal, was gibt’s denn jetzt zu essen, Schatz?“ „Køtbullar mit Bratkartoffeln und ein Salätchen“ „Hey, das kenn ich von Ikea! Soll ich dir irgendwie helfen?“ „Hmm du könntest schon mal Kartoffeln schälen…“ grinst er. „Okay… wo finde ich was?“ Nachdem Markus mir eine kleine Kücheneinweisung gegeben hat, schäle ich Kartoffeln während Markus die Soße anrührt und seine Mutter die Salatsoße macht. Teamarbeit halt!

~+~Markus Jo~+~

Wir sind echt ein super Team! „Daddy! Kommst du mal?“, schreie ich aus der Küche heraus. Als er sich endlich zu uns bequemt hat, gebe ich ihm nur kurz die Anweisung: „Deck schon mal den Tisch!“ Danach wende ich mich wieder meinen Køtbullar zu.
Bei einem schwedischen Bier sitzen wir nach dem Essen dann noch zusammen und erzählen etwas. Mum möchte Finn anscheinend gerne kennen lernen und auch Dad scheint ihn nett zu finden. Ich bin so glücklich. Nach einer Zeit kommen mir wieder die beiden Finnen mit ihrem Kind in den Sinn. Ich würde ja schon gerne wissen, wer die beiden sind.

~+~Finn~+~

„Soll ich dir das Gästezimmer fertig machen, oder schläfst du bei Markus im Zimmer?“, reißt mich Markus Mutter aus den Gedanken. Bis grade habe ich nachdenklich in mein Bier gestarrt. Fragend blicke ich Markus an. „Von mir aus kannst du bei mir schlafen.“ „Okay“, lächele ich. Ich wusste ja nicht, ob er so nach der Beerdigung lieber alleine wäre.

~+~Markus Jo~+~

Auf was für dumme fragen kommt Mum heute? Wir sind doch nicht mehr im Kindergarten! Und so sensibel bin ich ja auch nich, dass ich jetzt nach der Beerdigung alleine sein muss! Finn starrt die ganze Zeit schon in sein Bierglas. Vielleicht sollten wir besser schlafen gehen. „Kommst du mit Schatz?“, frage ich nur. Er nickt und folgt mir, nachdem wir uns noch von meinen Eltern verabschiedet haben, ins Badezimmer.

~+~Finn~+~

„Kommst du mit Schatz?“, fragt Markus. Ich nicke und wir verabschieden uns von seinen Eltern. Anschließend folge ich Markus ins Bad.
„Hier findest du Handtücher, Waschlappen, Seife….“, fängt Markus seinen Rundgang an. „Hast du eigentlich Klamotten und so dabei?“, er schaut sich suchend nach einem Koffer oder ähnlichem um. „Ja, meine Tasche steht im Flur“. Er zieht mich weiter in sein Zimmer. Es ist verdammt hübsch, erinnert ein wenig an ein schwedisches Möbelhaus [16]. „Darf ich annehmen, dass ich keine Extramatraze hier reinlegen muss?“, fragt er mich. „Nee, ich schlaf bei dir, Schatz!“, ich küsse ihn kurz und mache mich auf, meine Tasche zu holen.

~+~ Markus Jo~+~

Schnell ziehe ich mich also um und kuschel mich unter meine Decke. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich heute noch mit Finn im Bett lande. Nach ein paar Minuten kommt auch Finn und legt sich zu mir. Nach meinem Gute-Nacht-Kuss schlafe ich an ihn gekuschelt ein.
Am nächsten Morgen wache ich schon früh auf. Warum bleibt mir erst einmal verborgen. Nach ein paar Sekunden realisiere ich wo und mit wem ich hier bin. Finn scheint auch schon wach zu sein. Schnell gebe ich ihm einen flüchtigen Kuss und klettere dann aus meinem Bett, um zu Mum in die Küche zu gehen.


~+~Finn~+~

Nachdem ich mich eben im Bad fertig gemacht habe und mich umgezogen habe, kuschel ich mich zu Markus ins Bett. Ich hätte es mir nie, wirklich nie träumen lassen, heute noch neben Markus im Bett zu liegen. Ich wünsche im noch eine Gute Nacht und küsse ihn. Danach schlafen wir beide relativ schnell ein. Ich könnte mich wirklich daran gewöhnen in neben ihm einzuschlafen.
Am nächsten Morgen wache ich schon vor ihm auf. Kurze Zeit später wacht er aber auch schon auf. Er küsst mich flüchtig und klettert aus dem Bett. Ich folge ihm in die Küche. Seine Mum steht schon an der Anrichte und bereitet das Frühstück vor. Markus fängt an den Tisch zu decken. Als alles fertig ist taucht auch sein Vater auf und wir setzen uns an den großen Esstisch.

~+~Markus Jo~+~

Beim Frühstücken redet fast keiner ein Wort. Wir sind halt alle Morgenmuffel…zumindest meine Familie! Typisch Musiker! Plötzlich, Mum hat grade ihren zweiten Kaffee auf, erwähnt sie ganz nebenbei, dass ein Brief für mich angekommen sei. Wer schreibt mir denn bitte? Dad ist so freundlich mir den Brief zu geben, sodass ich ihn öffnen kann.
Nach einem letzten Gähnen reiße ich den Umschlag auf und falte den Brief auseinander. Erst verstehe ich gar nicht, um was es sich in diesem Schriftstück handelt, doch dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen!
Australien!


~+~Finn~+~

Das Frühstück verläuft schweigend. Gegen Ende sagt Finns Mutter, das ein Brief für ihn angekommen sei. Sein Vater reicht ihn rüber und Markus öffnet ihn. Er liest und sieht ziemlich geschockt aus. „Was ist denn los?“ „Australien“. Super das sagt mir viel. „Geht’s genauer?“ „Ich flieg für ein Jahr nach Australien...“ „WAS?!“ Ich seh bestimmt grad aus wie ne Kuh wenns donnert. „Ich hab mich für ein Praktikum in Australien beworben...“ Heißt das, das wir uns ein Jahr nicht sehen werden? Das geht nicht! Ich sterbe ohne ihn....


~+~Markus Jo~+~

Oh Gott, ich muss das jetzt erst mal verarbeiten! Ich flieg nach Australien! Flieg ich nach Australien? Ein Jahr ohne Finn. Andererseits könnte das die größte Chance meines Lebens sein! Ich habe schon so viel von Mr. Kinney [17] gehört. Er ist die lebende Legende an der Uni hier in Stockholm! Als ich da war, um mir die Uni anzusehen, habe ich sofort von ihm gehört. Der Coffee-Shop gegenüber ist sogar nach ihm benannt…
Was soll ich denn jetzt machen? Wenn ich das Praktikum absage, verschenke ich die größte Chance meines Lebens, wenn ich es nicht tue, verliere ich vielleicht die größte Liebe meines Lebens! In meinem Kopf rattert es und ich brauche erst mal noch eine Tasse Kaffee. Mit meiner Tasse verschwinde ich dann ohne ein weiteres Wort, dafür aber mit einem Blick zu Mum gerichtet, der besagt, dass ich jetzt alleine sein will, auf den Balkon und hoffe, dass mich alle erst mal in Ruhe lassen! Ich brauch jetzt meine Ruhe um nachzudenken!


~+~Finn~+~

Ich will aufstehen und Markus nachgehen, der mit seinem Kaffee Richtung Balkon unterwegs ist, aber Finns Mum hält mich auf: „Lass ihm etwas Zeit allein zu sein... er muss nachdenken“. Also setze ich mich wieder hin und starre in meinen Kaffee. Es scheinen Stunden zu vergehen bis Markus wieder kommt. Er sieht ziemlich verzweifelt aus: „Ich weiß einfach nicht was ich tun soll... Ich will mir diese Chance nicht entgehen lassen, aber ich will dich auch nicht alleine lassen, mein Schatz“.
Ich seufze: „Ich weiß, dass dir das Praktikum sehr wichtig ist. Und es ist nur für ein Jahr. Also ergreif die Chance. Ich werd dich besuchen kommen. Und wofür gibt es schließlich das Internet?“ Das fällt mir schwer, ihm das zu sagen. Ich hätte ihn am liebsten Tag und Nacht an meiner Seite. Aber nacher wird er es bereuen, wenn er nicht fährt...

~+~Markus Jo~+~

Finns Worte rühren mich wirklich! Ich hatte noch nie einen tollen Freund! Die meisten anderen haben immer nur an sich gedacht…doch Finn ist sowieso ganz anders als alle anderen Männer. Plötzlich schießt mir ein Satz durch den Kopf, den mir mal jemand meinte mit auf den Weg geben zu müssen. „Lass dich nie mit einem Mann ein, der nur bi ist! Am Ende lässt er dich sitzen, heiratet eine Frau und bekommt Kinder mit ihr, um in Ruhe und Frieden den Rest seines Lebens verbringen zu können!“
Ob Finn auch so ist? Ich kenne ihn jetzt noch nicht so lange um diese Frage schon beantworten zu können. Was ich aber sicher weiß ist, dass ich ihn liebe und er mich!
„Wann fliegst du denn dann los?“, fragt mich Finn und sieht mir in die Augen. Leicht tränen zeichnen sich in seinen Augenwinkeln ab. Tief atme ich noch einmal durch um ihm zu antworten: „In zwei Monaten geht’s los…“


~+~Finn~+~

„Wann fliegst du denn dann los?“, ich muss mich echt zurückhalten um nicht sofort loszuheulen. Jetzt habe ich grade das große Glück gefunden und schon fliegt es für ein Jahr nach Australien. Markus muss sich aber auch ganz schön zusammenreißen. Kleine Tränchen stehlen sich in meine Augenwinkel. „In zwei Monaten geht’s los...“, antwortet er mir mit etwas zittriger Stimme. Zwei Monate haben wir also noch bevor wir uns erstmal nicht mehr sehen. In fünf oder sechs Monaten hätte ich das Geld um für ein Wochenende nach Australien zu fliegen aber davon sage ich vorerst noch nichts. Zwei Monate... das kommt mir irgendwie sehr wenig vor. „Willst du dann hier in Stockholm bleiben, bei deiner Familie?“, frage ich.


~+~Markus Jo~+~

„Willst du dann hier in Stockholm bleiben, bei deiner Familie?“ Will ich das? „Nein, ich fliege mit dir in zwei Tagen zurück nach Helsinki!“ Wie es scheint habe ich mich wohl endgültig entschieden! Ich werde wohl nach Helsinki ziehen. Auch wenn Finn irgendwann mal in einem kleinen Reihenhäuschen leben sollte mit Frau, Kind, Hund und VW Golf [18]…es ist mir egal! Ich will bei ihm sein, seine Nähe spüren und wissen, dass er mich liebt!
Irgendwie fühle ich mich erleichtert nach diesen beiden schweren Entscheidungen doch andererseits liegt mir auch ein schwerer Stein auf meiner Seele. Ich kenne Finn jetzt erst grade mal knapp zwei Wochen und doch ist es so schwer zu wissen in zwei Monaten schon für ein ganzes langes Jahr von ihm getrennt zu sein!


~+~Finn~+~

„Nein, ich fliege mit dir in zwei Tagen zurück nach Helsinki!“, gut... ansonsten wäre ich nämlich hier geblieben, auch wenn mein Studium in drei Wochen wieder anfängt. Ich will so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen in diesen zwei Monaten, egal ob hier oder in Finnland. Ich glaube, ich habe meine große Liebe gefunden! Und ich werde alles tun, um Markus in den uns verbleibenden Monaten zu zeigen wie sehr ich ihn liebe! Und danach wird unsere ja noch sehr junge Beziehung auf eine harte Zerreißprobe gestellt. Ein Jahr getrennt. Einer in Finnland, einer in Australien. Was ist, wenn Markus einen süßen Austalier kennenlernt? Wenn er dort bleiben will? Wenn er irgendeinen knackigen Tauchlehrer heiratet? Verdammt... das wird schwer werden...


~+~Markus Jo~+~

Den restlichen Tag machen wir nicht viel. Nachdem ich mich soweit fertig gemacht habe gehen wir noch an den Strand hier in der Nähe und sehen der Sonne zu, wie sie langsam in der Ostsee versinkt. Eine Flugstunde von hier ist schon Helsinki. Plötzlich und ohne jeden ersichtlichen Grund löst sich eine Träne aus meinem Augenwinkel und tropft auf Finns Hand.
Ich bin so glücklich! „Schatz, hättest du was dagegen wenn…ich würde gerne zu dir nach Helsinki ziehen! Ich könnte mir ja schon eine Wohnung suchen…“


~+~Finn~+~

Gegen Abend gehen wir zum Strand und beobachten den Sonnenuntergang. Plötzlich merke ich, wie etwas auf meine Hand tropft. Ich blicke Markus an und sehe, dass er Tränen in den Augen hat.
Ich nehme ihn noch etwas fester in den Arm. „Schatz, hättest du was dagegen wenn... ich würde gerne zu dir nach Helsinki ziehen! Ich könnte mir ja schon eine Wohnung suchen...“
Stopp. Zurück. Was?!?!
Ich hab mich verhört... oder?
Markus. Will. Zu. Mir. Ziehen.
Mir bleibt der Mund offen stehen.
Markus sieht mich fragend an. Ach, ich bin ihm eine Antwort schuldig...
„Natürlich hab ich nichts dagegen! Du kannst ja erstmal bei mir wohnen!“


~+~Markus Jo~+~

Bei ihm wohnen? Oh Gott…Das hätte ich mir am Anfang meiner Reise nicht vorstellen können! Im Stillen danke ich Markus und kuschele mich noch ein wenig mehr in Finns Umarmung.
Am späten Abend bespreche ich noch alles mit Mum und Dad und gehe dann mit dem Gewissen ins Bett, dass ich bald schon ein schwedischer Finne sein werde und dann als eben so einer nach Australien gehen werde. Für ein ganzes Jahr. Das muss ich morgen als erstes Emma erzählen. Ob sie drüber so erfreut sein wird weiß ich ja auch noch nicht…


~+~Finn~+~

Markus kuschelt sich an mich. Ich bin so glücklich! Mein Schatz und ich ziehen zusammen.... Das hätte ich mir niemals träumen lassen! Vielleicht in ferner Zukunft, aber nicht jetzt! Später am Abend sitzt Markus unten im Wohnzimmer mit seinen Eltern und erzählt ihnen alles, während ich an meinem Laptop sitze und an meiner Arbeit weiter schreibe. Leider kann ich mich kaum drauf konzentrieren und bin froh als die Tür aufgeht und Markus mich ablenkt. Eine Pause hab ich mir nun wirklich verdient... Ich drehe mich um und küsse ihn.


~+~Markus Jo~+~

Die letzte Umzugskiste ist gepackt und in meinem Auto sicher verstaut. Abgemeldet habe ich mich in dieser Stadt auch schon, mein neues Leben kann also beginnen! Wären da nicht noch meine Familie und meine Freunde, dich ich hier zurück lassen muss. Besonders wegen Emma tut es mir sehr leid.
Finn liegt schon im Bett, er wird uns morgen zum Hafen, zur Fähre, fahren. Ich bin allerdings noch überhaupt nicht müde, so dass ich mich dazu entscheide noch einmal raus zu gehen und mich vorerst ein letztes Mal ins Stockholmer Nachtleben zu stürzen.
Nach nur ein paar Minuten Fußweg erreiche ich auch schon meine Lieblingsbar, das Search Inside. Schnell bin ich im Inneren des Clubs, obwohl eine lange Menschenschlange vor dem Eingang steht. Schon nützlich, wenn man schon zu den Stammgästen gehört und jeder deinen Namen kennt…
Früher war ich wirklich oft hier. Meistens mit Emma. Sie fand es schon immer toll, dass ihr bester Freund, wie sie, auf Männer stand und hatte wirklich viel Spaß daran von unzähligen an ihr interessierten jungen Frauen angesprochen zu werden. Obwohl sie keines der ihr gemachten Angebote jemals annahm, freute sie sich jedes Mal aufs Neue auf einen gemeinsamen Abend mit mir in diesem Club.



~+~Finn~+~

Ich bin wirklich todmüde… Ich fachsimple noch ein wenig mit Markus über meine Arbeit und wir reden außerdem über Gott und die Welt.
Langsam gähne ich immer öfter und irgendwann verabschiede ich mich von Markus und gehe ins Bett. Er legt sich noch in Klamotten auf mein Bett und erzählt mir irgendwas wärend ich so langsam aber sicher ins Reich der Träume versinke.
Irgendwann werde ich wach und taste neben mich. Mittlerweile ist es schon dunkel. Dort wo Markus gelegen hat ist das Bett leer und Markus ist nicht zu sehen.
Ich mache mir aber wenig Gedanken darüber, vielleicht sitzt er ja im Wohnzimmer… und wieder schlafe ich ein…


~+~Markus Jo~+~

Die Sonne geht grade auf, als ich aus dem Club trete. In ein paar Stunden werde ich schon ein völlig anderes Leben leben! Nicht nur, dass ich dann in Helsinki wohnen werde, ich habe auch noch einen anderen Entschluss gefasst!
Völlig überzeugt von mir und meinem Entschluss steure ich den nächsten Juwelier an. Dieser öffnet glücklicherweise grade, sodass ich der erste Kunde dieses Tages bin und er mich sofort beraten kann. Nach wenigen Minuten kann ich den Laden auch schon wieder verlassen. Strahlend mache ich mich auf den Heimweg. Du hast jetzt lange genug geschlafen!
Leise schließe ich die Türe auf und ziehe mir meine Schuhe und die Jacke aus. Noch einmal sehe ich in den Spiegel, rede mir etwas Mut zu und betrete dann mein Zimmer. In meinem Bett liegt er und schläft immer noch friedlich, weiß noch nichts von allem. Vorsichtig wecke ich ihn auf. Langsam öffnet er verschlafen seine Augen und blinzelt mich an.
„Guten Morgen mein Schatz! Los, steh schon auf! Ich möchte in ein neues Leben starten!“ Etwas verwirrt sieht er mir in die Augen, nun etwas wacher. Als er neben mir sitzt, immer noch mit seinen süß verstrubbelten Haaren und nur in Boxershorts, knie ich mich vor ihn hin und frage ihn. „Mein Engel! Ich liebe dich über alles und möchte mit dir alt und grau werden! Wir kennen uns zwar erst ein paar Wochen, doch diese Wochen waren die schönsten meines Lebens! Du bist der Mittelpunkt meines Lebens geworden! Möchtest du mein Mann werden?“



tbc.




[1] Ne Mum? ‚Was riecht hier denn so komisch?’ Stockmann  Angelbedarf und Hundespielzeug! Widerlich!!!
[2] Da ist schon wieder diese verdammte Slasherin, die aus mir spricht! Scheiß Gedanken *evilgrin*
[3] Könnte man glatt den Homeless Spenden^^
[4] VORSICHT IRONIE!!!
[5] Jetzt nich denken MJ wär ein Muttersöhnchen, aber sie kennt ihren Sohn halt am besten und die beiden haben auch nicht das klassische ‚Mutter-Sohn-Verhältnis’!
[6] ‚Passt schon! Oder bekommst du sonst einen Herzkasperl?’ ^^ ach ja Insider sind schon was schönes =)!
[7] So viel zum Sex on the beach X)!
[8] Ne, wenn jemand ca. 40mal klingeln lässt ist es ÜBERHAUPT nicht wichtig!
[9] Das kann verdammt wehtun aufm Teppich Vor allem so unweiche, beschissene Teppichböden -.-
[10] ruschlig = eilig, hastig…ne Cathy ^^
[11]Oder doch lieber mit rohem Gemüse
[12] Ich mag meinen Drink, der Drink mag mich und alles ist perfekt in meiner rosaroten Plüschwelt
[13] Jaja unser Schuldach is bei einer abgeflogen... um nicht zu sagen die schule hatn Dachschaden^^
[14] Ich kann unter die Dichter und Denker gehen ^^!
[15] „Mein herzliches Beileid“ – „Meins auch“
[16] Ich mein kein bestimmtes Wie war das nochma? Samstags in Köln an der Kasse?!^^
[17] Queer as folk lässt grüßen! Alles auf Cathys Verantwortung!
[18] Mein Traum.... Mann, Kind, Hund und Reihenhäuschen im Grünen... Klischee olé



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