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Decided to: Hannah. Das hier ist zwar die weiß Gott nicht wie vielte Fassung von der Originalgeschichte, aber trotzdem danke noch einmal für diese wundervollen Abende, die wir mit unseren Storys verbracht haben. Wir beide sind wirklich Seelenverwandt ( ^^)! Danke für alles!



Muutos – Verloren ohne dich!



1.

*Höyhen*

„Man, das war mal wieder eine richtig geniale Show! Wenn wir weiter so machen, dann sind wir bald Weltstars und verdienen uns mit nichts tun dumm und dämlich!“, scherzt Medi. Wir kommen grade von der Bühne. Heute haben wir in Hamburg gespielt und die Stimmung war einfach nur toll! Die meisten Leute kannten uns schon von unserer letzten Tour, als wir noch Supportband waren. Ich muss schon sagen, dass es ein Wahnsinnsgefühl ist, wenn man in einem fremden Land ist, und trotzdem alle mitsingen können und man sogar Leute wieder erkennt!
Geschafft aber trotzdem überglücklich lasse ich mich in unserer Garderobe auf ein Sofa fallen. Endlich konnte ich mal wieder so richtig abschalten und mich in der Musik verlieren. Das erste Mal in diesem Jahr. Bis jetzt waren wir nämlich im Studio und haben unser neues Album aufgenommen. Die Zeit im Studio ist zwar immer toll, da wir in dieser Zeit immer zusammen in einem Haus mitten in der Pampa Schwedens wohnen, aber dieses Mal war es anders!
Ich bin froh mit dir nicht mehr 24 Stunden auf lediglich ein paar Räume gepfercht zu sein! Ich meine es ist ja nicht so, dass ich dich hassen würde! Eher das Gegenteil ist der Fall! „Hier, dein Wasser!“, rufst du und schmeißt mir schon meine, noch halbvolle Flasche zu. Natürlich bin ich heute nicht so reaktionsschnell und so bekomme ich sie vor den Kopf gedonnert. Toll! Alle lachen, und auch ich zwinge mich zu einem Grinsen. Nur nicht zu auffällig!!!
Geschafft lässt auch du dich neben mich auf das Sofa fallen und grinst mich an: „An wen oder was hast du schon wieder gedacht? Kenn ich sie?“ Oh ja, und ob du „sie“ kennst! Viel zu gut! Du bist nämlich derjenige, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. An den ich pausenlos denken muss. Dabei sind meine Gedanken und Gefühle aber längst nicht mehr nur freundschaftlich.
„Warum sollte ich unbedingt an eine Frau gedacht haben, Aarre?“, frage ich dich ein bisschen schroff und nehme einen Schluck Wasser. So kalt wollte ich eigentlich gar nicht klingen, aber du sitzt mir schon wieder viel zu nah und meine Hormone spielen total verrückt! Ja, ich hab mich in dich verliebt, aber auf deine kleine, süße Nase werd ich dir das trotzdem nicht binden! Ach man, das ist alles viel zu kompliziert! Warum kann ich mich nicht auch in eine Frau verlieben, so wie bisher auch immer? NEIN, bei mir muss es mein bester Freund sein. Ich werd hier noch wahnsinnig!


*Aarre*

„Warum sollte ich unbedingt an eine Frau gedacht haben, Aarre?“, fährst du mich von der Seite an. Ja was weiß ich denn, warum du an Frauen denkst? Mir wäre es ja auch lieber du würdest an mich denken. Pausenlos. So wie ich an dich!
Ich weiß, ich bin nicht mehr normal, aber ich liebe dich nun mal! Kann ich nichts für, und dran ändern kann ich erstrecht nichts. Obwohl ich es wirklich gerne ändern würde! Du bist in der letzten Zeit so komisch zu mir. Ob dir vielleicht was bei mir aufgefallen ist? Ob du es vielleicht sogar schon weißt? Gesagt, dass ich dich liebe, hab ich es dir nämlich noch nicht. ZU groß ist meine Angst von dir weggestoßen zu werden. Wenn unsere Freundschaft zerbrechen würde, dann würde ich das nicht überleben!
„Wollen wir gleich noch was feiern gehen? Zu feiern gibt es ja schon eine Menge!“, fragt uns Kala und packt seine Sachen zusammen. Es läuft schon wieder wie immer ab. Schon komisch wie schnell man wieder in seinen normalen Rhythmus finden kann!
Nach den Konzerten packen wir unsere Taschen, um zum Hotel zu fahren, zu duschen und dann feiern zu gehen oder sonst etwas zu machen. Aber auf eine Clubtour mit euch habe ich jetzt wirklich Lust!
Ich ertränke meine Gefühle und Gedanken einfach in Alkohol und rege mich morgen früh wieder darüber auf so viel getrunken zu haben!


2.

*Höyhen*

Man ich könnte im Sitzen einschlafen, doch wir sitzen noch in unserem Bus und sind auf dem Weg zur ersten Bar. Dir geht es anscheinend genauso, denn du hast deinen Kopf an meine Schulter gelegt und deine Augen geschlossen. Auch wenn sie geschlossen sind strahlst du vor Glück. Ob es wohl auch ein wenig an mir liegt? Ach quatsch, wieso sollte es an mir liegen? Du hast dich schon so oft an mich gekuschelt. Unsere Freunde lachen schon über uns. Sie meinen wir wären echt ein süßes Paar.
Nur weil wir uns sagen können, dass wir uns lieb haben. Nur weil wir uns ab und zu umarmen und Körperkontakt beim anderen suchen. Wenn die alle wüssten. Denen würde das Lachen sicher vergehen! Obwohl, eigentlich sind alle sehr tolerant! Wir haben ja auch ein lesbisches Paar in unserem Freundeskreis, und ein sehr guter Freund von mir ist auch schwul. Ich glaube ich sollte ihn mal anrufen. Vielleicht weiß er ja wie ich mich am besten verhalten sollte damit nichts auffällt, oder was ich am besten als nächstes machen sollte. Aber vorher gehen wir erstmal feiern! Wir sind grade am Club angekommen und ein paar von uns stehen schon auf dem Bürgersteig. Nur wir beide noch nicht. Du scheinst wirklich eingeschlafen zu sein, da du nicht mehr richtig reagierst.
Vorsichtig streiche ich dir durch dein Haar, über deine Wange und dann noch über deinen Oberarm. Augenblicklich bekommst du eine Gänsehaut und flüsterst…du flüsterst meinen Namen. MEINEN NAMEN!!!
„Aarre aufstehen! Wir sind angekommen, Süßer!“, flüstere ich dir ins Ohr und muss mich stark zusammenreißen dir nicht noch am Ohrläppchen zu knabbern. „Warum lacht ihr denn jetzt schon wieder?“, schreie ich entnervt aus der offnen Türe raus. Timo, unser Manager, kommt wieder zurück zum Bus und bringt unter schallendem Gelächter hervor: „Ihr könnt uns ruhig sagen, wenn ihr zusammen seid! Jetzt guck nicht so! ich meine…Süßer?!“
Oh mein Gott! Ich hab dich nicht grade ernsthaft so genannt, oder? Das war dann doch etwas zu ‚unauffällig’! Und jetzt werde ich auch noch knall rot. Nein wie peinlich! Doch du bist immer noch nicht wach. Wirklich super! Was mach ich jetzt? Wieder bin ich mit dir allein. Medi und Kala sind mit Timo und der restlichen Crew jetzt schon rein gegangen. Waren es wohl satt draußen rum zustehen und auf uns beide zu warten.
Einen Versuch wage ich noch. „Komm schon, steh auf Schatz! Ich möchte mich heute Nacht betrinken, um…“, kurz stocke ich. Ja, um was eigentlich? Um vor meinen Gefühlen, mir selbst weg zu laufen? „Um mal wieder abzuschalten!“ Puh grade noch mal so die Kurve gekriegt.
„Um mal wieder abzuschalten. Aha. Bin ich dir also nicht mehr genug, ja? Willst du den Abend etwa nicht mit mir alleine verbringen, Liebling? Ich bin enttäuscht von dir! Geb’s doch zu, du hast eine andere!“, gibst du gespielt zickig von dir. Hast du doch nicht geschlafen? Müde oder verschlafen klingst du jedenfalls nicht. Deine Sätze treffen mich tief im Herzen. Auch wenn es nur gespielt war, ich könnte niemals jemand anderen lieben; dich betrügen!


*Aarre*

Seit wann nennst du mich Schatz oder Süßer? Ich glaube ich sollte wirklich aufstehen, denn betrinken wollte ich mich auch! Endlich diese Gefühle und vor allem meine Probleme vergessen. Obwohl ich auch zu gerne nur hier sitzen bleiben würde, an dich gelehnt und zart von dir gestreichelt.
„Du kannst auch drinnen weiter schlafen, aber ich brauch jetzt erst mal nen Wodka!“, seufzt du und ich hebe wirklich meinen Kopf an. „Aber nur“, stelle ich mit kindlicher Stimme zur Bedingung, „wenn ich wieder bei dir liegen darf!“ Du nickst und zusammen steigen wir aus. Ich glaube heute Abend brauche ich doch nicht so viel Alkohol.
In der Bar, die wir vom letzten Hamburgbesuch schon kennen, setzen wir uns in die hinterste Ecke auf eine bequeme Sofabank. Die Crew sitzt uns in der Nähe, Kala und Medi stehen an der Bar und Timo ist verschwunden. Vielleicht ist er auch schon auf der Tanzfläche, ich weiß es nicht. Ich kann ihn auf jeden Fall nicht mehr sehen. Soll mir jetzt auch egal sein! Vor uns stehen ein paar Gläser gefüllt mit Wodka. Wir haben uns also schon einen kleinen Vorrat angelegt, damit wir nicht so oft und so schnell wieder aufstehen müssen. Du hast mir ja versprochen, dass ich weiter schlafen darf. Was wahrscheinlich aber nicht funktionieren wird. Du bist mir viel zu nahe, auch wenn ich es sehr genieße, und außerdem bin ich wieder hellwach!
Du streckst mir einladend deine Schulter zu. Na, wenn das mal nicht eine Einladung ist, die ich liebend gerne annehme. Vorsichtig lehne ich meinen Kopf wieder an deine Schulter. So, als ob du aus Glas wärst und jeden Moment unter meinem Gewicht zerbrechen könntest. Sofort strömt mir dein Duft in meine Nase. Ich liebe ihn. Ich hatte mal dasselbe Aftershave, aber es roch nicht so wie bei dir. Ich habe es also nur noch auf meine Kopfkissen gesprüht um süße Träume von dir zu haben.
„Möchtest du auch noch nen Wodka?“, fragst du mich leise und leicht säuselnd. „Ja“, bringe ich nur hervor. Meine Stimme hört sich heiser, gebrochen an. So viel habe ich doch noch gar nicht getrunken. Du machst Anstalten aufzustehen, doch ich halte dich am Arm fest. „Nicht gehen Liebling. Es ist grade so schön kuschelig!“
Du hörst auf mich und rufst nur nach einer Bedienung. Deinen Arm lasse ich trotzdem nicht los. Dieser Moment ist zu schön um wahr zu sein, und deswegen versuche ich mich auch an ihn zu klammern. Habe zu große Angst dich verlieren zu können, auch wenn es nur für kurze Zeit ist. Ich habe das Gefühl, dass so ein Moment, so eine Vertrautheit, Nähe und Verbundenheit in der nächsten Zeit nicht mehr zwischen uns sein wird. Du hast so schön weiche Haut. So rein wie frisch gefallener Schnee.
Die Kellnerin kommt angetänzelt und nimmt deine Bestellung aus. Ein stechender Schmerz durchfährt meinen Körper. Ich bin eifersüchtig! Sie flirtet wie wild mir dir, doch du gehst nicht darauf ein. Warum nicht? Sie ist wirklich hübsch, hat langes rot-braunes Haar, welches sie zu einer hübschen Frisur hochgesteckt hat. Ob du krank bist?
Wenn ich dich nicht grade im Arm hätte würde ich sie bestimmt toll finden. Oder ihr an die Gurgel springen. Je nach dem.
Bei der Flasche, die sie uns bringt, steckt sie dir noch einen Zettel mit ihrer Handynummer zu. ‚Lass das du dumme Schrulle! Höyhen ist MEINS! Zumindest im Moment’, denke ich mir aufgebracht.
Während die anderen der Crew saufen, tanzen und lachen schmeiße ich mich an dich heran. Wir haben schon einiges getrunken und ich werde immer mutiger. Notfalls kann ich morgen noch alles auf den Alkohol schieben…
Inzwischen hänge ich dir schon fast auf deinem Schoß und du streichelst mir immer noch durch mein Haar, wirst aber immer stürmischer und deine Hand wandert immer weiter. Dir gefällt das wohl auch, was? Was Alkohol alles verursachen kann…Ich liebe es Finne zu sein! Plötzlich hörst du auf. Was ist los? Ich sehe hoch und sehe nur dich. Alles um mich herum scheint weggewischt zu sein. „Lass uns ins Hotel gehen! Es ist spät, und hier können wir auch nicht weiter machen!“, hauchst du mir ins Ohr. Naja ich denke zumindest es soll ein Hauchen sein. Weiter machen? Oh Gott! Mir steigt sofort Hitze in meinen Kopf.

3.

*Höyhen*

„Lass uns ins Hotel gehen! Es ist spät, und hier können wir auch nicht weiter machen!“, hauche ich in dein Ohr. Literweise Blut scheint dir in den Kopf zu steigen. Da soll es doch gar nicht hin! Du verwirrst mich! Ich dachte du wolltest es auch. Naja, erst mal ziehe ich dich wieder auf deine Beine und schleife dich zum Hotel. Unsere Crew grölt, pfeift und ruft uns irgendwas hinterher, doch ich achte nicht mehr drauf. Ich bin zu sehr damit beschäftigt meine aufkommende Erregung zu kontrollieren und in meinem recht alkoholisierten Zustand heil zu unserem Zimmer zu kommen.
Dort angekommen schließe ich schnell unsere Türe auf und stelle fest, dass 1. unsere Koffer schon da sind und 2. es in diesem Zimmer nur ein Doppelbett gibt. Wie praktisch! Du lässt dich auf die Fensterseite des Bettes fallen und siehst mich abwartend mit großen Augen an. Vorsichtig setze ich mich neben dich und ergreife zaghaft deine Hand. Lege sie auf meine Brust. Leicht fängst du an zu grinsen. Ich nehme noch ein wenig Mut zusammen um dir dann zu zuflüstern: „Es schlägt nur für dich!“
Ich fühle mich so nüchtern wie selten zuvor. Ich will nicht, dass das von soeben einfach vorbei sein soll, ich will dass es weiter geht. Von mir aus auch noch viel weiter! So betrunken scheinst du auch nicht mehr. Zumindest wirken deine Bewegungen nicht mehr so unkoordiniert. Ohne deine Hand von meiner Brust wegzunehmen stehst du auf und setzt dich auf meinen Schoß. Nach nur wenigen Sekunden merke ich, dass das Blut, welches sich soeben noch in deinem Kopf befand nun an der richtigen Stelle ist. Wir blicken uns ununterbrochen in die Augen. Dein Blick ist so liebevoll und doch gleichzeitig auch so leidenschaftlich. Ich hätte nie gedacht, dass du mich eines Tages einmal mit so einem Blick beglücken könntest!


*Aarre*

„Es schlägt für dich!“, flüsterst du mir zu, während meine Hand auf deiner Brust ruht. Mein Herz setzt erst für einen Moment aus, um dann wie verrückt zu schlagen. Mich überkommt unbändige Lust. Wie kann ein einziger Mann nur so sexy sein?
Unseren Augenkontakt nicht zerbrechend und meine Hand nicht von der Brust entfernend setze ich mich auf deinen Schoß. Genau dahin, wo ich im Moment am meisten hingehöre. Schüchtern nähere ich mich mit meinem Gesicht deinem. Kurz bevor wir uns berühren stoppe ich. Unsere Nasenspitzen treffen sich fast und es würde kein einziges Blatt Papier mehr zwischen uns passen. Ich fühle mich wieder so nüchtern! Plötzlich lässt du dich rückwärts auf das Bett kippen und ich lande auf dir. Jetzt sind auch die letzten Millimeter Abstand überwunden und meine Lippen liegen auf deinen.
Es ist ein unbeschreibliches Gefühl dich zu küssen! Es fühlt sich so verdammt richtig an. In meinem Bauch scheint ein wahres Feuer zu entflammen und eine Gänsehaut breitet sich auf meinem Körper aus. Ich löse meine Lippen wieder von deinen, bevor der Kuss eigentlich richtig begonnen hat und sehe dir erneut in die Augen. Etwas besorgt siehst du mich an. Wahrscheinlich wegen meiner Gänsehaut, denn im nächsten Augenblick ziehst du mich näher zu dir ran und schlingst deine Arme um mich. Erneut küsse ich dich, doch dieses Mal leidenschaftlicher. Erst berühren sich nur unsere Lippen, doch dann öffnest du deine einen Spalt breit und fährst mit deiner Zunge über meine Oberlippe.
Nur zu gerne öffne ich auch meinen Mund und lasse dich mit meiner Zunge ein leidenschaftliches Spiel anfangen.
Währenddessen rollen wir auf dem breiten Bett herum. Erst liege ich auf dir, dann du auf mir und immer so weiter. Keuchend lösen wir uns nach einer Zeit wieder voneinander um Luft zu holen. „Ich liebe dich!“, hauchst du mir entgegen und mein Herz schlägt noch schneller.


*Höyhen*

Leidenschaftlich küssen wir uns. Es entflammt ein richtiges Feuer zwischen uns und es ist zu schön um aufzuhören. Sauerstoff und Müdigkeit sind vergessen und es zählt in diesen Moment nur jeweils der andere. So was Intensives ist mir bisher noch nie passiert. Ich kann es einfach nicht mehr an mich halten: „Ich liebe dich!“ Nur gehaucht, doch trotzdem verstanden.
Eine sinnvoll genutzte Pause!
Die Angst, du könntest mich wegstoßen ist verflogen. Mit dem Wodka soeben einfach runtergespült. Du grinst mich an. Sitzt auf mir und zappelst ein wenig rum. Wirst wohl auch langsam immer wuschiger. Ich hätte mir nie erträumen lassen, dass wir das hier irgendwann einmal tun würden, doch langsam fährst du mit deinen zittrigen Fingern über die Knopfreihe meines Hemdes und fängst vorsichtig an es aufzuknöpfen. Quälend langsam.
In derselben Zeit fahre ich mit meinen Händen unter dein Shirt und versuche es dir über den Kopf zu ziehen, was mir auch beim ersten Anlauf gelingt. Gleichgültig wo es landet werfe ich es in irgendeine Ecke des Zimmers. Wird sich schon wieder finden!
Als auch mein Hemd in den Untiefen dieses Zimmers gelandet ist kletterst du von mir runter und legst dich seitlich neben mich. Halb umarmend küsst du mich ein weiteres Mal und streichst mir deiner Hand meine Seite leicht auf und ab. Gut, dass ich soeben nicht auf die Flirtversuche von dieser Kellnerin, Sisar oder wie die hieß, eingegangen bin! Dann hätte ich DAS HIER garantiert nicht!
Deine recht kalte Hand findet schließlich ihren Weg zu meiner Hose und streicht seicht am Bund entlang zum Verschluss. Meine Gänsehaut breitet sich immer weiter auf meinem Körper aus. Eigentlich ist das alles ja nur wahnsinnig, aber grade deswegen liebe ich es ja so…Geschickt öffnest du meine Hose weswegen ich sie leicht von meinen Beinen abstrampeln kann.
Jetzt ist nur noch deine Jeans im Weg.


*Aarre*

Zaghaft streiche ich deine Seiten entlang, bis ich am Bund deiner Hose angelangt bin. Mit einer Hand öffne ich diese. Du strampelst sie von deinen Beinen und machst dich an meiner Hose zuschaffen.
Viel Stoff ist es nicht mehr, der uns beide voneinander trennt. Obwohl ich so was noch nie zuvor in meinem Leben gemacht habe, bin ich kein Stückchen nervös. Ich mache anscheinend genau die richtigen Sachen in genau den richtigen Momenten. Ich liebe den menschlichen Instinkt!
Nun liegen wir hier, beide nur noch in Boxershorts bekleidet und wild knutschend auf einem Hotelbett in einer recht fremden Stadt und sind auf dem besten Weg miteinander zu schlafen.
Ich liebe mein Leben!!!
Ich schlinge meine Arme wieder um dich und ziehe dich näher an mich heran. Für Zurückhaltung und Schüchternheit ist jetzt hier kein Platz mehr! Unsere Beine verknoten sich und lassen uns noch näher aneinander liegen. Lassen mich deine Hitze und deine Nähe noch deutlicher spüren. Wie sehr ich doch hoffe, dass du nicht nur so handelst, weil du etwas angetrunken warst, oder es nur ein viel zu schöner und reeller Traum ist!
Mit der Zeit sehen wir uns immer mal wieder starr in die Augen, nur um uns gleich wieder in einen atemberaubenden Kuss zu verstricken.
Als deine Hand zum letzten Stück Stoff, was noch meinen Körper verhüllt gleitet ist es bei mir wirklich aus. Jetzt ist auch der letzte Funke Anstand, Höflichkeit oder Schüchternheit verflogen und ich gebe mich dir voll und ganz hin.


4.

*Höyhen*

Ich öffne meine Augen, doch ich fühle mich immer noch verschlafen. Was haben wir die Nacht wohl noch gemacht, dass ich so müde bin? Mein Blick gleitet zum Wecker, der neben dem Bett auf dem Nachttisch steht. Es ist schon Mittag und wir schlafen immer noch. Zum Glück müssen wir heute noch nicht weiter, also könnte ich gleich auch noch eine Runde schlafen. Vorher trinke ich aber noch was. Ich habe solch einen Durst. Und meine Lippen tun so furchtbar weh! Während ich aufstehe und zu der kleinen Minibar gehe überlege ich was gestern noch alles vorgefallen ist. Doch ich kann mich an nichts mehr erinnern. Das letzte was noch da ist, dass diese hübsche Kellnerin mir ihre Telefonnummer zugesteckt hat. Und dann ist da nichts mehr.
Nachdem ich eine Flasche Wasser geleert habe schlurfe ich noch ins Badezimmer. Noch immer nicht wirklich wach stelle ich mich vor das Waschbecken und spritze mir etwas Wasser ins Gesicht. Da fällt mir plötzlich ein Knutschfleck auf. Direkt auf meiner Brust und leuchtend rot. Himmel, die letzte Nacht muss ja richtig schön gewesen sein. Warum kann ich mich also nicht mehr dran erinnern?
Ich beschließe eben duschen zu gehen. Als ich mich einseife fällt mir auch noch ein leicht stechender Schmerz an meiner Schulter auf. Beim abtrocknen erkenne ich, dass sich dort rote Striemen abzeichnen. Egal wer das gestern Nacht war, zimperlich war er oder sie auf jeden Fall nicht! Schnell ziehe ich mir ein frisches T-Shirt und Boxershorts an und gehe wieder zurück zum Bett, wo du immer noch schläfst. Ich versuche dich nicht zu wecken, als ich mich wieder zu dir lege. Du murmelst nur leise irgendwas, drehst dich um und schlingst deine Arme um meinen Bauch. Als wäre ich ein riesiger Teddy hältst du mich in Arm und nuschelst immer wieder Sachen, die ich aber nicht verstehe.
Warum bist du nur immer so niedlich? Eigentlich müsste so was verboten werden! Ohne zu wissen was gestern Nacht genau passiert ist, aber trotzdem überglücklich ziehe ich dich noch ein wenig näher zu mir ran und umarme dich. Arm in Arm und deine Wärme spürend schlafe ich wieder ein.


5.

*Aarre*

Langsam schlage ich meine Augen auf. Trotz des Schlafes fühle ich mich immer noch total ausgepowert. Was haben wir gestern noch gemacht, das mich so geschafft hat? Ein Blick zur rechten Seite verrät es mir im Groben. Du liegst neben mir und hältst mich fest im Arm. Dein Gesicht ist dabei vollkommen entspannt und auf deinen Lippen liegt ein wunderschönes Lächeln.
In genau solchen Momenten weiß ich wieder, warum ich mich in dich verliebt habe! Doch was gestern Nacht genau passiert ist weiß ich immer noch nicht. Es scheint ein richtiger Filmriss zu sein. Ich kann mich nur noch an meinen Traum erinnern. Bei dem Gedanken an ihn erröte ich leicht. Er war so real. Doch in der Realität wird so etwas wahrscheinlich nie passieren.
In meinem Traum schliefen wir miteinander und die Atmosphäre zwischen uns war so unglaublich schön. So wahnsinnig vertraut, aber doch so fremd. Wir beide wussten genau was wir taten und doch wussten wir nicht, was als nächstes geschah. Dieses Gefühl liegt immer noch tief in mir.
Verträumt sehe ich dich an. Ob du grade im Moment weißt wie ich mich fühle? Ob du womöglich weißt was ich geträumt habe?
Zärtlich streiche ich dir durch dein Haar und langsam schlägst du deine Augen auf. Wir liegen immer noch in einer Umarmung auf dem großen Hotelbett. Etwas irritiert siehst du mich an und fragst dann: „Was ist gestern Nacht passiert?“ Diese Frage ist wie ein Schlag ins Gesicht für mich. Meine Hoffnungen, mein Traum wäre vielleicht doch Realität gewesen und du könntest dich noch dran erinnern, zerplatzen wie eine Seifenblase.


*Höyhen*

Ich merke wie du mir sanft durch meine Haare streichelst. Mindestens genauso vorsichtig öffne ich meine Augen. Die letzte Stunde habe ich eigentlich gar nicht richtig geschlafen. Habe nur genossen dir so nah zu sein, deinen Duft zu riechen und deinen Atem auf meinen Haaren zu spüren.
„Was ist gestern Nacht passiert?“, frage ich dich. Dein liebevoller Blick wandelt sich schlagartig zu einem eher enttäuschten. Habe ich was Falsches gesagt? Du löst dich aus unserer Umarmung, drehst dich zum Fenster und flüsterst: „Ich habe keine Ahnung. Hab wohl nen Filmriss oder so was in der Art. Ich kann mich an nichts mehr erinnern!“
Ja toll, jetzt sind wir schon zu zweit. Dann frag ich halt gleich mal Kala oder einen der anderen. Vielleicht wissen die ja ein wenig mehr.
Ohne dass ich dich noch was fragen, oder dir auch nur was sagen kann stehst du auf und gehst ins Badezimmer. Mein Blick bleibt dabei an deinem Körper haften. Du bist, genau wie ich es soeben war, nackt. Sonst schlafen wir beide doch mindestens in Boxershorts. Erst recht, wenn wir nur ein Doppelbett haben.
Komisch alles! Doch die Erinnerung an die vergangenen 20 Stunden ist immer noch nicht da. Nur ein unbeschreiblich schönes Gefühl schleicht sich in mir rauf. Ob es da Zusammenhänge gibt?


6.

*Aarre*

Enttäuscht flüchte ich mich ins Badezimmer. Ich habe nichts an, was eigentlich recht komisch ist. Boxershorts ist auf Tour Minimum zum schlafen! Erst recht wenn wir zusammen in einem Bett schlafen!
Ich stehe vor dem großen Waschbecken und spritze mir etwas kaltes Wasser in mein Gesicht. Dann betrachte ich mich im Spiegel.
Deutlich zeichnen sich Abdrücke von Fingernägeln an meinen Schultern ab.
Sie können nicht von mir stammen, soviel ist sicher. So stark könnte ich meine Hand gar nicht verdrehen. Aber von wem stammen sie dann?
Als ich wieder das andere Zimmer betrete ziehst du dir grade dein Shirt aus. Willst dir wahrscheinlich ein anderes anziehen, weil du in diesem geschlafen hast.
Wieder ein Schlag mitten in mein Gesicht. Auf deiner Brust ist klar und deutlich ein Knutschfleck zu erkennen. Genau da, wo ich ihn aus meinen ‚Traum’ in Erinnerung hatte. Also war es doch kein Traum.
Schlagartig laufe ich rot an, doch dann fällt mir ein, dass du dich ja eh nicht dran erinnern kannst.
Du hattest mir gestern deine Liebe gestanden. War es wirklich nur der Alkohol, oder waren es deine wahren Gefühle? Schnell gehe ich auf dich zu und umarme dich einmal kräftig. „Ich dich auch Höyhen!!!“, flüstere ich dir in dein Ohr. Verwirrt siehst du mich an. „Wie bitte?“, fragst du mich. „Es ist wahrscheinlich besser so. Du weißt ja nicht mehr was gestern Nacht geschehen ist. Ich will nur, dass du weißt, das ich dich auch…“, ich stocke. Wenn ich dir das jetzt sage, dann ist es zu spät. Es würde nie etwas geben zwischen uns.


*Höyhen*

„Ich dich auch Höyhen!!!“, flüsterst du in unsere Umarmung rein. Du verwirrst mich. Völlig irritiert frage ich dich: „Wie bitte?“ „Es ist wahrscheinlich besser so. Du weißt ja nicht mehr was gestern Nacht geschehen ist. Ich will nur, dass du weißt, dass ich dich auch…“ Du stockst. Ja was denn? Muss ich dich nicht verstehen, oder warum redest du nur in Rätseln mit mir?
„Aarre, du weißt doch was gestern geschehen ist, oder nicht? Bitte sag es mir doch! So schlimm kann es doch gar nicht sein! Du kannst mir doch vertrauen!“ Ich halte dich an deinen Schultern fest und sehe plötzlich Abdrücke von Fingernägeln an ihnen. Ein paar Millimeter verschiebe ich meine Hände und merke…meine Finger passen zu den Abdrücken.
„Was habe ich mit dir gemacht? War es so schlimm, dass du nicht mehr mit mir redest?“, frage ich dich etwas eindringlicher.
Du schüttelst nur leicht deinen Kopf und eine Träne bahnt sich den Weg über dein Gesicht. Ich sehe an deinem Körper hinab. Du hast nur deine Boxershorts an und an deinem Bauch sehe ich einen Knutschfleck. „Haben wir…?“, frage ich dich, doch du antwortest nicht. Mit einer Hand hebe ich deinen Kopf an deinem Kinn etwas an. Mit tränennassen Augen siehst du mich an und antwortest mir: „Ja, wir haben miteinander geschlafen!“ Ich bin etwas geschockt. Warum kann ich mich nicht daran erinnern?
„Und…wie war’s?“, frage ich etwas schüchtern. Du lässt dich zurück auf das Bett sinken und weinst noch mehr. So schlimm?


*Aarre*

„Und…wie war’s?“, fragst du mich schüchtern. Ich lasse mich wieder zurück auf das Bett fallen. Tränen rinnen meine Wangen hinab. Wie kannst du nur fragen? „Es war das Beste, was je mit mir geschehen ist! Du sagtest…du sagtest du würdest mich lieben!“
Zaghaft kommst du auf mich zu, setzt dich neben mich und legst einen Arm auf meine Schulter. „Und was wäre, wenn das so ist?“, fragst du mich mir einer eher mitleidigen Stimme. Nachdem ich einmal meine Nase hochgezogen habe antworte ich dir: „Ich würde es wahrscheinlich nicht glauben! Du kannst doch jede haben. Das haben wir gestern doch gesehen. Warum solltest du dich dann grade in MICH verlieben?“
Leicht zuckst du zusammen, das merke ich!
„Weil du“, beginnst du und kommst mir immer näher, „der wundervollste Mensch auf dieser Erde bist. Weil nur du mich wirklich kennst, und weil ich mich auch nur bei dir wirklich wohl fühle! Weil ich nur dich lieben kann!“ Jetzt bin ich sprachlos. Träume ich? Das kann doch alles nicht wahr sein! Das muss ein schlechter Witz sein. Ist hier irgendwo eine versteckte Kamera?
„Nein, das kann nicht sein!“, bringe ich nur unter heftigem Schluchzen hervor. Vor lauter Tränen kann ich dich schon nicht mehr sehen, aber das macht mir im Moment nichts aus. Ich habe dir alles erzählt und du verarscht mich nur. Oder meinst du es vielleicht doch ernst? So ein bisschen?


7.

*Höyhen*

Du glaubst mir nicht. Warum nicht? Ist das so unglaubwürdig, wenn ich sage, dass ich nur dich lieben kann? Du meintest doch soeben, dass du mich auch lieben würdest. Was gibt es denn da noch zu weinen? Vor Freude, ja, das könnte ich verstehen, aber doch nicht so.
Du siehst mich an, doch sehen kannst du mich nicht. Nach Worten lasse ich also einfach Taten sprechen. Ich lege meine Hand ein weiteres Mal an dein Kinn und drehe es zu mir, damit ich in deine Augen sehen kann. „Ich liebe dich!“, flüstere ich dir noch ein Mal zu und lege vorsichtig meine Lippen auf deine. Du reagierst erst gar nicht, doch dann schlingst du deine Arme um meinen Körper und ziehst mich zu dir. Rückwärts lassen wir uns zurück auf das Bett fallen und kuscheln uns aneinander.
„Glaubst du mir jetzt?“, frage ich dich und stupse mit meiner Nase gegen deine. Du nickst und küsst mich immer wieder. Mal sind es nur leichte, kurze Küsse, mal wirklich leidenschaftliche und lange.
Am Ende des letzten Kusses flüsterst du mir etwas atemlos zu: „Ich liebe dich auch! Mehr als alles andere!“ Dann beginnst du meinen Oberkörper mit lauter kleinen Küsschen zu übersähen. Immer mehr Erinnerungen an gestern Nacht kommen wieder hoch. Du machst immer weiter. Gehst immer tiefer und kommst schließlich an meiner Shorts an. Mein Shirt habe ich ja schon lange nicht mehr an.


*Aarre*

Ich liebe es deinen Körper zu küssen. Und nüchtern ist das Gefühl deine weiche Haut unter mir zu spüren noch schöner! Jetzt wo ich weiß, dass du es auch willst, weil du willst, und nicht weil du besoffen bist. Jetzt wo ich weiß, dass du mich auch liebst.
Nach dem ich dich fast ein zweites Mal in den Wahnsinn getrieben habe, robbe ich wieder zu dir nach oben und küsse dich ein weiteres Mal auf deine Lippen. Leise stöhnst du leicht gequält in unseren Kuss auf. „Soll ich weiter machen?“, hauche ich in dein Ohr und knabbere leicht an ihm. Heftig nickst du, doch da klopft es an der Türe.
Genervt stehst du vom Bett auf und schlurfst zur Türe um sie zu öffnen. Schlagartig wird es kühler. Vor der Türe steht Medi und sieht dich an wie ein kaputtes Auto. Könnte vielleicht daran liegen, dass du immer noch nur deine Boxershorts trägst und man auf deiner Brust einen leuchtend roten Knutschfleck sehen kann.
Nachdem er sich wieder etwas gefangen hat fragt er dich lachend: „War wohl gestern Nacht noch ganz schön wild!“ Fragend siehst du ihn an. Kannst du dich auch nicht mehr dran erinnern, dass jeder unserer Crew gesehen hat, dass wir beide zusammen, Hand in Hand, zum Hotel abgezogen sind? „Höyhen, du brauchst gar nicht so tun. Wir haben gestern doch alle gesehen, was da zwischen euch läuft! War’s denn wenigstens schön?“, fragt dich Medi weiter aus. Verlegen kratzt du dich am Kopf und siehst auf den Boden. Leicht errötest du, aber nickst dann doch noch.
Wieder lacht Medi auf. „Schön! Warum ich eigentlich hier bin, kommt ihr beiden gleich mit, eine Runde durch Hamburg? Timo will unbedingt eine Hafenrundfahrt machen und Joona möchte noch auf den Dom! Also kommt ihr mit, oder verzieht ihr euch wieder ins Bett?“ Dieses fiese Augenzwinkern konnte er sich auch nicht verkneifen. Ja danke. Als wenn wir so schlimm wären…


8.

*Höyhen*

Man ist das peinlich! Zum Glück reagiert Medi so gelassen und lacht nur leicht darüber. Also hatte es doch was gutes, dass die anderen uns immer ausgelacht haben und uns aufgezogen haben, weil wir füreinander immer schon mehr waren.
„Hase, äh Aarre, gehen wir mit durch Hamburg oder bleiben wir hier?“, frage ich dich und laufe knall rot an. Früher hast du dich selber mal Hase genannt, als wir Indianer gespielt haben. Immer wenn man dich später ärgern wollte musste man dich nur Hase nennen. Inzwischen bist du aufgestanden und kommst zu uns beiden angeschlurft. Genießerisch legst du deinen Kopf auf meine Schulter und deine Arme um meine Hüfte. „Mhh ich glaub schon! Ja doch! Ich hab mal wieder bock richtig schön shoppen zu gehen!“, murmelst du an meinen Hals und küsst mich leicht an genau diese Stelle. Das kann was werden heute! Wenn du erst mal in deinen Shoppingwahn verfallen bist kann es Stunden dauern bis man aus einem Geschäft rein und in ein anderes gegangen ist. Ich kenn das schon zur genüge, Shoppingtouren mit dir…
„Okay, seid ihr beiden dann so in einer halben Stunde unten im Foyer? Da wollten wir uns alle treffen?“, gibt Medi und noch eine letzte Anweisung, bevor er nach einem Nicken unsererseits wieder verschwindet und wir die Türe wieder schließen können, endlich wieder ungestört sind. Schnell gehe ich zum Kleiderschrank, um mir was zum Anziehen rauszusuchen. Nur noch eine halbe Stunde, das bekommen wir beide doch niemals geregelt. Etwas gehetzt stürze ich mit meinen Klamotten unter dem Arm ins Badezimmer und werfe die Sachen über die Badewanne. Mit einem leicht besorgten Blick folgst du mir und lehnst dich gelassen an den Türrahmen, um das ganze Spektakel zu beobachten.


*Aarre*

Wie süß du versuchst dich zu beeilen. Deine Wangen sind leicht gerötet und du siehst dich hektisch im Bad um, weißt wohl nicht womit du beginnen sollst. Nach einer kurzen Zeit scheinst du zu wissen was zu tun ist, und schnappst dir ein Handtuch. Ich erwache aus meiner Starre und nehme mir ebenfalls eines dieser weißen Hotelhandtücher.
Nachdem wir beide geduscht haben, machen wir uns auf den Weg in die Lobby, wo der Medi und Kala schon auf uns warten.
Wir wohnen nah am Bahnhof, haben also keinen langen Weg zu den beiden großen Einkaufspassagen. Als erstes gehen wir zu Saturn, ich brauche unbedingt neue CDs! Als wir die endlos vielen Rollentreppen hochgefahren sind und endlich im obersten Stock angekommen sind, werde ich schon von meinem ersten Quietschanfall gepackt. Heute ist in dieser Filiale eine Autogrammstunde von meiner Lieblingsband angesagt. Schnell schnappe ich mir ihre neuste CD, die ich eh noch nicht habe, weil ich sie in Finnland nirgendwo bekommen konnte, und stelle mich brav in die Reihe der wartenden.
Als ich endlich vor meinen absoluten Idolen stehe bekomme ich fast kein Wort mehr raus. Freundlich fragt mich die Sängerin wie ich denn hieße. Als ich meinen Namen genannt habe, schaut sie noch einmal hoch. Ein Grinsen breitet sich auf ihrem Gesicht aus. „Bist du nicht auch Musiker? Ich kenn dich! Hab mir grade erst euer Album besorgt! Ihr seid gut! Sehr gut!“, lobt sie uns, mich und ich falle fast hinten rüber. Sie mag unsere Musik! Kennt mich…Hilfe, ich könnte so schreien. Wenn ich denn wieder was sagen könnte…
„Kann ich vielleicht ein Autogramm auf die CD haben? Fairer Tausch, meinst du nicht?“, fragt sie mich. Ich kann wirklich nur noch nicken. Das ist doch alles ein wenig zu viel für mich!


9.

*Höyhen*

Oh nein, jetzt fängt das wieder so an. Kaum sind wir die Treppe hochgefahren fängt mein herzallerliebster Freund an wie irre rumzuquietschen. Das kann doch jetzt nicht dein Ernst sein. Wie alt bist du bitte? Erst sehe ich den Grund für deinen Ausraster gar nicht, doch dann fällt auch mir das Plakat ins Auge.
Deine Lieblingsband ist heute hier und vergibt Autogramme. Wie lange liegst du mir schon in den Ohren, dass du dir UNBEDINGT diese CD kaufen musst und jetzt bekommst du sie auch noch mit AUTOGRAMM. Ich glaube du wirst sterben.
Was mach ich denn dann? Mit sterben? Wiederbelebung? Auch nett. Mitten in einem Plattenladen Mund-zu-Mund-Beatmung…Hätte schon was. Kopfschüttelnd wende ich mich endlich den Platten zu. Mal sehn was es in Deutschland so gibt. In der Alternativ-Ecke werde ich recht schnell fündig. Mit so ca. einem dutzend Platten auf dem Arm gehe ich weiter zu den Neuerscheinungen und Geheimtipps. Vor dem Regal lasse ich fast alle CDs wieder fallen. In der obersten Reihe, als Eye-Catcher sozusagen, steht unser neues Album. UNSER Album!!!
Nachdem ich mir mindestens 21656541346543245663 Löcher in den Bauch gefreut, und mir eine Ausgabe unserer CD genommen habe suche ich nach dir. So wie es scheint bist du endlich an der Reihe. Damit ich dich nicht vom Boden aufkratzen muss gehe ich dir langsam entgegen. Man weiß ja nie wie schnell ein Mensch umkippen kann. Du redest ziemlich lange mit der Sängerin, deren Namen ich leider vergessen habe…Du wirst mich killen!
Als ich hinter dir stehe fällt mir erst auf, dass du so gut wie gar nicht redest, sondern nur nickst. Es hat dir doch tatsächlich die Sprache verschlagen. Ich wird neidisch! Eine Frau schafft so was, nur ich nicht. Frechheit! „Oh, bist du nicht der Sänger?“, fragt mich die nun mir gegenüber sitzende Sängerin. „Ähh…ja, wieso?“, frage ich etwas verwirrt. Warum kennt die mich? Hast du etwa…?
Die junge Frau fängt an zu grinsen und hält mir eine unserer CDs mit einem Edding entgegen. „Könntest du die bitte unterschreiben? Hab sie mir grade gekauft. Muss sagen, eure Musik ist wirklich toll! Gibt’s noch Karten für morgen Abend?“ Wieder nickst du. Ganz brav, wie es meine Art ist, unterschreibe ich auf der CD-Hülle und reiche sie zurück. „Ja, es gibt noch Karten. Möchtest du kommen?“, frage ich, da du ja anscheinend stumm geworden bist. Kann man halt nix machen. Sie nickt und ich schlage noch vor: „Wenn du willst können wir dich auch auf die V.I.P.-Liste setzen! Du bist ja ein Star, wir wollen’s noch werden…Also was ist?“
Begeistert nickt sie und wir verabschieden uns.
Nachdem wir an der Kasse bezahlt haben und vor dem großen Saturn-Gebäude stehen fällst du mir als erstes um den Hals und küsst mich. Zum Glück sind wir hier noch nicht sonderlich bekannt und zum Glück hast du nur meine Wange getroffen, trotzdem sollten wir mehr darauf achten uns in der Öffentlichkeit neutral zu verhalten. Nachdem du dich wieder von mir gelöst hast beginnst du zu Grinsen rufst: „Danke Schatz! Du bist so toll! Oh man! Danke! Das war so klasse von dir! Oh ich liebe dich so Schatzi!“


*Aarre*

Oh man ich muss sterben! Was hab ich einen tollen Freund! Nachdem ich dir um den Hals gefallen bin und dich geküsst habe fällt mir wieder ein, wie gefährlich diese Aktion doch sein kann. Nicht für uns, aber für unsere Band und deren Erfolg.
Den Rest der Tour versuche ich mich so unauffällig wie möglich zu verhalten, doch trotzdem lasse ich dich meine Tüten schleppen. Diese häufen sich schon extremst an und ich glaube viel länger hältst du es nicht mehr aus. Nach wenigen Minuten, in denen du sehr gequält aussiehst, sind wir aber schon wieder am Hotel angekommen und verschwinden alle in unsere Zimmer. Heute Abend geht es weiter nach Berlin, wo wir dann morgen spielen werden. Ich freu mich so auf den Auftritt! Nicht nur zu spielen, sondern SIE wieder zu sehen! Und das alles nur wegen dir! Du hast was gut bei mir!
Meine neuen Errungenschaften lasse ich gleich im Tourbus. Die vielen Taschen hoch und in zwei Stunden wieder runter zu tragen wäre unnötiger Aufwand. Lediglich die CD und meinen CD-Player nehme ich noch einmal mit nach oben. In meinen Fingern kribbelt es jetzt schon. Ich will diese CD hören.


*Höyhen*

Jetzt sind wir schon wieder auf dem Weg zu unserem nächsten Konzertort. Berlin wir kommen. Ich wollte schon immer mal nach Berlin, hab’s bisher aber noch nicht geschafft. Das wird bestimmt ganz toll!
Seit der Abfahrt in Hamburg sitzt du nun schon hinten auf dem Sofa, grinst wie ein Breitmaulfrosch, hibbelst herum als wärst du hyperaktiv und hörst deine neue CD. Wie süß du doch selbst dabei aussiehst. Eigentlich sollte es verboten sein so toll zu sein! Aber dann wärst du ja verboten, und der müsste dann verboten werden. Hilfe, ich dreh mich irgendwie im Kreis mit meinen Gedanken.
Bis wir in Berlin ankommen starre ich aus dem Fenster und hänge meinen Gedanken hinterher. Ich hoffe es klappt alles und das Konzert morgen wird toll. Ich hoffe so, dass du nich freust, wenn du mit deiner absoluten Lieblingsband auf der Bühne stehen und singen darfst. Was ich nicht alles hinbekommen kann, wenn ich Timo ein wenig drohe und dann mit hübschen, jungen, deutschen Sängerinnen flirte. Gut, dass sie noch nicht mitbekommen hat, dass ich mit dir zusammen bin. Ich will ja überhaupt nicht eingebildet klingen, aber ich glaube, dann würdest du nicht in den Genuss kommen, mit ihr auf der Bühne zu stehen und ein Liedchen zu trällern.


10.

*Aarre*

Total aufgeregt wache ich auf und bin sofort hellwach. Heute ist es endlich soweit! Heute ist unser Konzert in Berlin, wo auch SIE da sein werden! Ich liebe dich so mein Schatz! Ohne dich würde das alles gar nicht passieren! Was würde ich nur ohne so einen tollen Freund wie dich machen? Wahrscheinlich nicht viel…
Bis zum Abend vergeht die Zeit schleppend langsam. Fast werde ich hier noch wahnsinnig. Jede Beschäftigung lenkt mich nach nur wenigen Momenten schon nicht mehr genug ab, und auch du scheinst schon richtig genervt von meiner Nervosität zu sein. Du lässt dich auf jeden Fall nicht mehr in meiner Nähe blicken. Bin ich wirklich so schlimm?
Mit jedem Schritt zur Bühne wird es schlimmer, immer hibbeliger werde ich. Meine Lieblingsband habe ich noch nicht gesehen, aber ich denke mal, dass ich sie noch sehen werde. Ich hoffe es zumindest stark.
Auf der Bühne angekommen werde ich von der Größe der Menschenmenge förmlich erschlagen. Vor so vielen Leuten haben wir glaube ich noch nie gespielt und schon gar nicht vor so berühmten! Die Show verläuft soweit eigentlich wie immer. Ich sitze hinter meinen Drums und drumme mir meine Seele aus dem Leib. Mit jedem Schlag geht es mir ein wenig besser und mit jedem Schlag entspanne ich mich mehr.
Kurz vor Ende der Show, als wir eigentlich unsere jetzige Single spielen sollten fängst du an zu reden, anstatt zu singen. Genau höre ich nicht hin was du erzählst. Das einzige was ich verstehe ist, dass ich nach vorne kommen soll. Ganz brav befolge ich deine Anweisungen und gehe zu dir.
„Heute sind ja ganz spezielle Gäste im Publikum! Da du sie so vergötterst und sie uns so toll finden, habe ich mit ihnen ausgemacht, dass wir jetzt unser letztes Lied gemeinsam spielen, wobei DU singen wirst!“, erklärst du mir und den restlichen Zuschauern. Begeistert falle ich dir in die Arme und flüstere dir zu: „Danke mein Schatz! Ich liebe dich so! Du bist der beste Freund, den ich mir hätte suchen können! Danke!“
Als wäre das ein Zeichen gewesen kommt plötzlich jemand auf die Bühne gestürmt. Erst denke ich, dass es Judith ist, mit der ich nun singen soll, doch als ich mich umdrehe blicke ich in ein mir völlig fremdes Gesicht.


11.

*Höyhen*

Grade umarmst du mich, da kommt jemand zu uns gestürmt. Erst registriere ich gar nicht wer es ist, doch dann fällst du einfach so zu Boden. In meinem Hirn fängt es an zu rattern. Was war das denn jetzt? Kaum ist diese Frage zu Ende gedacht, da sehe ich auch schon, wie Blut durch den leichten Stoff deines T-Shirts sickert. Völlig entsetzt schreie ich um mich, jemand solle doch einen Notarztwagen rufen.
Im Moment fühle ich nichts mehr. Ich sehe nur dich, wie du am Boden liegst und inzwischen auch aus Mund und Nase blutest. Was hat dieser Irre mit dir gemacht? Um uns herum bricht maßlose Panik aus. Alle schreien wild durcheinander und sind, genauso wie ich völlig durcheinander.
Vorsichtig knie ich mich neben dich und streiche dir eine Haarsträhne aus deinem friedlichen Gesicht. Du bewegst dich überhaupt nicht, scheinst zu schlafen. Nach wenigen Minuten trifft der Rettungswagen ein. Die freundlichen Sanitäter befördern dich ins Innere des großen Wagens und versuchen mich ein wenig zu beruhigen. Ein schon etwas älterer Arzt bietet mir sogar an mit dir mitzufahren. Ich bin unsagbar dankbar und setze mich sofort neben die Liege, auf der du liegst.
Der Blutfleck auf deinem T-Shirt ist immer größer geworden und vergrößert sich immer noch rasend schnell. Egal wer so etwas mit dir gemacht hat, er gehört für immer hinter Schloss und Riegel! Das ist doch krank! Warum macht man so was? Warum attackiert man einfach fremde Menschen? Du hast doch niemandem was getan!


*Medi*

Aufgeregt schreit Höyhen umher jemand solle einen Krankenwagen für Aarre rufen. Wir stehen alle unter Schock und müssen uns erst einmal darüber klar werden, was hier grade im Moment überhaupt passiert ist.
Aarre liegt blutend auf dem Boden. Ein hysterischer Fan kam grade auf die Bühne gestürmt und hat ihm ein Messer in den Bauch gerammt. Höyhen hat davon anscheinend nichts mitbekommen. Er wirkt auf jeden Fall sehr verwirrt. Der Aufprall auf der harten Bühne hat wohl sein übriges getan. Aarre hat starkes Nasenbluten und es strömt ihm sogar Blut aus dem Mund. Nach dem Schock nistet sich gleich bei mir die Sorge um unseren Drummer ein. Es dauert nicht lange, bis der Notarzt kommt und doch kommt es mir so vor wie mehrere Wochen. Ich kann nichts anderes tun als da zu stehen und mir das ganze Spektakel anzusehen. Um uns herum ist totale Panik ausgebrochen. Außerdem befürchte ich, dass ich grade im Moment völlig fehl am Platze bei Aarre bin.
Die Bedenken, die ich bis jetzt noch um die Beziehung von Höyhen und Aarre hatte sind jetzt endgültig verschwunden. Allein schon wie Höyhen neben seinem Freund kniet und wie liebevoll er ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht streicht zeigt mir wie viel er ihm bedeuten muss.


*Höyhen*

Im Krankenhaus wirst du schnellen Schrittes in einen OP-Saal geschoben. Für mich heißt es jetzt wohl warten. Ich setze mich in eine ungemütlich wirkende Warteecke und starre Löcher in die Luft. Nach einiger Zeit bemerke ich, dass diese Sitzgruppe nicht nur unbequem aussieht, sondern es auch ist. Wahnsinn wie viel das Äußere doch manchmal aussagen kann.
Eine ältere Krankenschwester, die neben ihrem weißen Kittel auch noch eine weiße Strickjacke mit viel zu langen Ärmeln trägt kommt auf mich zu. „Möchten Sie einen Kaffee haben?“, fragt sie mich. Ihre Stimme ist genauso sympathisch und weich wie ihr Äußeres. Schon wieder ein Volltreffer in Sachen Einschätzung für mich. Ich hebe meinen Blick, sehe ihr direkt in die Augen und nicke langsam. Ob ein Kaffee mich jetzt wieder etwas auf die Beine bringt bezweifele ich zwar, aber wenigstens wird mir dann vielleicht ein wenig wärmer. Mit dir scheint nämlich auch die Wärme gegangen zu sein.
Bis die nette Schwester wieder kommt vertiefe ich mich wieder in meine Gedanken.
So sehr wie dich habe ich glaube ich noch nie jemanden geliebt. Allein deinen Namen zu denken bereitet mir eine Gänsehaut.
Was ist wenn du das alles jetzt nicht überstehst? Was ist, wenn du mich einfach so alleine hier auf der Welt lässt? Was ist, wenn…?
Weiter komm ich mit meinen Gedanken nicht, da die freundliche Krankenschwester mit meinem Kaffee kommt. Sie setzt sich neben mich und versucht mit mir ein Gespräch anzufangen. „Danke für den Kaffee“, bedanke ich mich und sehe noch einmal zu ihr. Sie nickt nur und antwortet: „Kein Problem! Sie sehen ganz schön fertig aus, wollen sie mit mir drüber reden was passiert ist?“ Nach kurzem Überlegen nicke ich. Mit den anderen kann ich wohl so schnell noch nicht rechnen und ich glaube es kann nichts schaden mit jemandem über alles zu reden.
Ohne mich aufzufordern endlich anzufangen sitzt sie neben mir und wartet ab. Es liegt ganz an mir was ich ihr erzähle und wann ich es tue. Sie gibt mir ein Gefühl, dass in dieser Situation einfach unbeschreiblich gut tut.
„Wissen Sie, wir haben soeben ein Konzert gegeben und dabei ist jemand auf die Bühne gestürmt. Was genau passiert ist weiß ich nicht. Ich sah Aarre nur plötzlich auf dem Boden liegen. Überall war Blut. Auf der Bühne, seinem T-Shirt, es kam aus seiner Nase und auch aus seinem Mund. Es war so beängstigend! Ich habe solche Angst um ihn!“, fange ich an meine Angst von der Seele zu reden. Sie nickt und hört mir aufmerksam zu. „Ich weiß wie das ist! Meiner besten Freundin ist so was ähnliches auch schon mal passiert! Nur war es ihr Mann, jetzt Exmann, der sie angefallen hat. Sie hatten einen Ehestreit, bei dem er ausgerastet ist und ihr ein Steakmesser in den Bauch gerammt hat. Sie hat überlebt!“
Ich schüttele meinen Kopf. „Das ist etwas anderes! Ich liebe diesen Mann, der da im OP liegt! Ich liebe ihn mehr als mein eigenes Leben! Er ist mein Leben!“, flüstere ich heiser und merke, wie eine heiße Träne sich ihren Weg über meine Wange bahnt.


*Medi*

Bis wir alle Konzertbesucher wieder beruhigt haben dauert es etwas. Es ist gar nicht mal so leicht Leute zu beruhigen, die nicht deine Muttersprache sprechen und die denselben Schock haben wie du selbst. Die die gleiche Angst haben wie du.
Nachdem wir ein paar Leute gefunden haben, die Finnisch sprechen und bereit sind den anderen zu übersetzen geht das ganze schon sehr viel leichter. Timo erklärt ihnen sie müssen sich keine großen Sorgen machen, da es dir der Situation entsprechend sehr gut ginge. Die Wahrheit sieht aber deutlich anderes aus, das spüre ich einfach. Nachdem wir erst einmal einen Kaffee getrunken haben fahren Kala, Timo und ich zum Krankenhaus. Die anderen bleiben noch etwas bei den Fans, die langsam aber sicher auch immer weniger werden.
Im Krankenhaus begleitet uns eine freundliche Krankenschwerster zum OP, vor dem auch schon Höyhen sitzt. Ich sehe ihm an, dass er geweint hat. Ich glaube sogar verstehen zu können wie er sich fühlt und was ihm durch den Kopf geht, doch kurz nchdem ich das gedacht habe widerspreche ich mir schon wieder selbst. Natürlich weiß ich NICHT wie er sich fühlt oder was er denkt! Ich weiß NICHTS! So sehr wie er Aarre leibt habe ich noch nie einen anderen Menschen geliebt, das wird mir von Sekunde zu Sekunde mehr bewusst, in der ich in Höyhens trüben Augen sehe, in denen so viel Schmerz, Wut und Enttäuschung steht!



*Höyhen*

Ich verbringe die ganze Nacht im Krankenhaus. In den frühen Morgenstunden erfahre ich endlich mehr. Die OP ist wohl soweit ganz gut verlaufen und du liegst inzwischen im Aufwachraum. Wenn du aufgewacht und auf dein Zimmer gebracht worden bist, kann ich endlich zu dir. Gespannt warte ich. Jetzt kann es nicht mehr so lange dauern, bis ich dich endlich wieder in meine Arme schließen kann.
Nach einer, im Gegensatz zur OP, wirklich kurzen Zeit, ruft mich die Schwester, die soeben mit mir gesprochen hat und begleitet mich in den Zimmer. Das Bild, welches sich mir nun bietet, lässt mich etwas erschrecken. Du liegst kraftlos und völlig bleich in deinem Bett. Eine Haut lässt sich kaum noch von der weißen Bettwäsche des Krankenhauses unterscheiden. „Hallo“, hauchst du mir entgegen. Deine Stimme klingt so zerbrechlich. „Hallo“, antworte ich dir und setze mich neben dein Bett. Wie aus einem Reflex heraus ergreife ich deine Hand und streichle sanft mit meinem Daumen über deinen Handrücken. Verwirrt siehst du erst zu unseren Händen und dann zu mir. In deinen Augen steht deutlich die Frage geschrieben, warum ich das tue.
Noch deutlicher kann ich mein Herz brechen hören. Du weißt es nicht mehr. Weißt du gar nichts mehr? „Was…warum…warum bin ich hier?“, fragst du mich. Vorsichtig ziehe ich meine Hand weg und erkläre dir, dass dieser Fan zu uns auf die Bühne gestürmt ist, und dich mit einem Messer verletzt hat. „Aber, warum hat er mich angefallen?“, fragst du weiter. Leise murmele ich: „Weil du mich geküsst hast, auf der Bühne.“ Mit großen Augen siehst du mich an, doch dann lachst du: „Höyhen ich bin krank, also mach nicht solche doofen Scherze mit mir.“
Mein Herz zerbricht in noch mehr Teile und mit ihm auch meine Welt. Was soll ich denn jetzt machen? Ich kann es nicht mehr ertragen hier vor dir zu sitzen und zu wissen, dass du dich nicht mehr an unsere Beziehung, noch nicht mal deine Gefühle erinnerst. Mit der Entschuldigung müde zu sein, verlasse ich dein Zimmer und befrage den erst besten Arzt, ob du dein Gedächtnis irgendwann wieder erlangen würdest. Seine Antwort ist erschütternd: „Das könnte so sein, muss aber nicht. Es kann sein, dass er in einer Woche schon wieder alles weiß, es kann aber auch sein, dass er sich nie wieder an das erinnern kann, was durch den Unfall ausgelöscht wurde.“
Ein weiterer Schlag mitten ins Gesicht.
Frustriert laufe ich zum Hotel zurück. Der Weg ist zwar weit, doch die frische Morgenluft tut mir gut und hilft meine Gedanken zu ordnen. Es wird nie wieder so sein, wie es einmal war. Und dabei hatte es doch grade erst angefangen. Unsere Tour ist abgebrochen. Wir bleiben erst noch eine Zeit hier, bis du entlassen bist, dann geht es wieder zurück nach hause.

*Sisar*

Es ist jetzt schon ein paar Wochen her und ich habe immer noch nichts von Höyhen gehört. So wie er mit seinem Bandkollegen hier abgezogen ist, werde ich das wahrscheinlich auch nicht. So eine Verschwendung! Der Kerl sah wirklich niedlich aus und auch in seiner Art und Weise sich zu bewegen gefiel er mir ausgesprochen gut!
Ich glaube ich sollte ihn langsam vergessen. Es gibt noch mehr Männer auf dieser Welt! Zwar vielleicht nicht genau so einen noch mal, aber was solls?
„Kommst du?“, fragt mich meine beste Freundin Tähti, die darauf wartet, dass ich endlich fertig bin und Feierabend machen kann. Wir beide wollten shoppen gehen und ich habe sowieso schon eine Überstund gemacht…Schnell verabschiede ich mich von meinem Kollegen und verlassen dann mit Tähti das Club-Café, in dem ich neben meinem Studium jobbe. Auf dem Weg zur S-Bahn unterhalten wir uns über die neusten Neuigkeiten über unser Kommilitonen und Freunde. Auch wieder einmal über Simon, einen unserer besten Freunde. Tähti, Simon und ich, wir sind so gut wie unzertrennlich.
„Sag mal, fährt Simon jetzt eigentlich zu diesem Festival?“ „Ne, er hat mich gefragt, ob wir nicht vielleicht fahren könnten. Er ist zu der Zeit nämlich noch in London diese eine Band da zu interviewen und sone Homestory schreiben. Aber da Matze jetzt ausgefallen ist, der liegt ja im Krankenhaus mit einem gebrochenen Bein, muss Simon jetzt Überstunden schieben“, antwortet sie mir mit einem besorgten Blick.
Darüber haben wir schon mal geredet, am Wochenende. „Also ich hätte richtig Bock das zu machen und du?“, fragt mich Tähti. Kurz muss ich überlegen ob wir das überhaupt hinbekommen können, doch dann sage ich zu: „Ja, für Simon sollten wir das auf jeden Fall machen. Außerdem muss ich unbedingt mal wieder nach Hause. Und wenn wir zu diesem Festival fahren, wo wirklich tolle Leute kommen, dann könnten wir das ja verbinden!“ Das Gelände des Festivals liegt nämlich fast vor unserer Haustüre und die Liste der Bands ist so toll! Fast zehn meiner großen Helden treten dort auf.


*Höyhen*

Ein paar Wochen ist der Unfall jetzt schon her und du kannst dich immer noch nicht erinnern. Einzig und alleine unsere Band und die Musik, die wir machen, halten mich noch am Leben. Das und die Hoffnung, dass du dich irgendwann wieder an alles erinnerst. Inzwischen geben wir wieder Konzerte. Zwar haben wir mehr Security dabei, aber sonst hat sich nichts geändert.
Ich stehe immer noch vorne auf der Bühne und singe meine Seele aus dem Leib, Medi spielt immer noch Bass, Kala Gitarre und du, du spielst weiterhin Drums. Alles ist beim Alten und doch ist alles neu. Morgen sind wir wieder in Deutschland und spielen auf einem Festival. Von dem Ort, wo wir uns dann befinden, und zu dem wir im Moment auf dem Weg sind, habe ich noch nie was gehört. Ich glaube ich hatte auch nie das Bedürfnis diesen Ort kennen zu lernen, wenn ich mir die Umgebung hier so ansehe. Gelangweilt sehe ich aus dem Fenster. Als mein Blick wieder durch den Bus schweift, bleibt er, wie so oft, an dir hängen. Sehnsüchtig sehe ich dich an, immer darauf bedacht dich nichts merken zu lassen.
Medi kommt auf mich zu und lässt sich neben mich auf den Sitz fallen. „Er weiß immer noch nichts, oder?“, fragt er mich. Geknickt schüttele ich mit meinem Kopf und reiße meinen Blick von dir, um zu Medi zu sehen. Es fällt mir immer noch schwer. Meine Liebe hat sich nach diesem dramatischen Vorfall nicht verringert, sondern eher vervielfacht. Meine Liebe zu dir scheint inzwischen alle Grenzen zu sprängen.
„Nein. Ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Ich liebe ihn mehr als je zuvor und ich kann nichts machen außer warten.“


*Tähti*

Sisar hat es endlich geschafft ihren Koffer vollständig zu packen und ins Auto zu laden. Mit einer Liste von Bands, die wir interviewen sollen, und unseren VIP-Ausweisen im Gepäck machen wir uns also auf den Weg gen Heimat.
Natürlich stehen wir eine geschlagene Stunde im Stau und natürlich kommen wir zu spät am Festivalgelände an, um vorher noch nach Hause zu fahren. Backstage suchen wir als erstes nach unserem kleinen Raum, der extra von dem Musikmagazin für uns reserviert und eingerichtet wurde, und finden ihn recht schnell. Wenigstens etwas…
Genervt stelle ich meinen Koffer hinter das Sofa, die Rockstars müssen ja nicht unbedingt alles sehen, setze mich auf das Sofa und sehe mir als erstes die Liste an, die Simon uns gegeben hat. Auf ihr sind alle Künstler verzeichnet, die wir befragen sollen. Dafür, dass wir das noch nie gemacht haben, stehen viele sehr berühmte Bands drauf.
Unter anderem aber auch eine Band aus Finnland, die ich schon live gesehen hab in Hamburg. Nach dem Auftritt waren sie wohl noch im Club bei Sisar, davon erzählte sie zumindest.
Mal sehn, was sich daraus noch alles ergibt. Auf der Bühne haben sich die Jungs auf jeden Fall sehr sympathisch gegeben.


*Aarre*

Ich weiß auch nicht was geschehen ist, aber seit meinem Unfall verhält sich Höyhen höchst merkwürdig. Wenn ich doch nur ein klein wenig mehr wüsste. Wenn ich nur wüsste, was in den letzten 72 Stunden vor dem Unfall geschehen ist. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass in dieser Zeit etwas passiert ist, was zu all dem hier geführt hat.
Nach einer halben Ewigkeit kommen wir endlich am Gelände an und können aus unserem Bus aussteigen. Viel länger hätte ich das da drin aber auch nicht ausgehalten. Ich brauche frische Luft!
Wir müssen morgen erst unser Konzert geben. Einige Interviews stehen auch noch auf unserem Plan, doch auch erst morgen. Also haben wir genug Zeit uns die Bands heute anzusehen und bei der Aftershowparty können wir auch noch mitmachen. Ich glaube heute wird ein toller Tag! Hier spielen aber auch so tolle Leute! Ich muss Höyhen gleich mal fragen, ob er mit mir mitkommen möchte tolle Musik hören und ein bisschen rocken. Vielleicht verrät er mir dann ja, was er hat und vor allen Dingen WARUM er es hat.


*Höyhen*

„Höööööööööööööööyheeeeeeeeeeeeeeeen“, schreit es aus einer Ecke des Raumes. Ich bin total fertig, habe es mir erst mal auf dem Sofa bequem gemacht und versucht zu schlafen. Die schreiende Stimme habe ich sofort identifiziert. Sie gehört natürlich zu dir.
„Kommst du mit aufs Festivalgelände? Ich möcht Musik hören und so…“, fragst du mich und siehst mich mit deinem Dackelblick an. Am liebsten würde ich dich jetzt sofort auf der Stelle küssen, doch ich glaube das wäre keine besonders gute Idee.
Wie sollte ich denn bei diesem Blick widerstehen? Natürlich nicke ich und folge dir nach draußen. Die Sonne scheint als ob es ihr letztes Mal wäre und es ist wirklich angenehm warm. Keine einzige Wolke steht am Himmel und ab und zu weht eine leichte Brise. Kurzum: das perfekte Festivalwetter.
Doch auch dieses Wetter kann mich nicht unbedingt umstimmen und so bleibt meine Laune schlecht. Wie sie es in den letzten paar Tagen sowieso schon war. Ich habe das Gefühl, mit der Liebe zu dir und jedem neuen Tag, an dem du es immer noch nicht weißt wird meine Laune auch schlechter.


*Aarre*

Gutgelaunt ziehe ich neben dir über das Gelände. Ich weiß auch nicht, aber deine Laune ist in der letzten Zeit so schlecht. Woran das wohl liegen mag? Auf dem Weg zu den Bühnen kommen uns viele Musiker und Musikjournalisten entgegen. Manche kennen wir. Mit ihnen reden wir kurz und setzen danach unseren Weg fort. Plötzlich, in der Nähe von der zweiten Bühne treffen wir auf meine absolute Lieblingsband. „Hallo Höyhen, hallo Aarre. Geht’s dir wieder gut? War ja ganz schön krass, was dir da passiert ist!“, begrüßt uns die Sängerin. Ich habe sie doch noch nie in meinem Leben getroffen, warum kennt sie uns dann?
Verwirrt blicke ich abwechselnd sie und Höyhen an. Die beiden unterhalten sich inzwischen, nachdem ich einmal abwesend genickt habe, über die Shows und die Aftershowparty heute Abend. Sie werden auch kommen. Genauso wie wir. Kurz nachdem wir außer Hörweite meiner Lieblingsband sind frage ich Höyhen sofort: „Woher kannten sie dich?“ Sofort geht Höyhens Laune wieder in den Keller als er mir erklärt: „Vor dem Unfall haben wir sie in Hamburg getroffen. Sie waren auf unserem Konzert in Berlin“ Angestrengt versuche ich mich zu erinnern, doch da ist nichts mehr. Rein gar nichts!



16.

*Tähti*

Nachdem wir alles soweit fertig haben, haben wir erst einmal eine kleine Pause. Die ersten Künstler müssen wir erst gegen Abend interviewen, können uns jetzt unsere liebsten Lieblingsbands anschauen. Als erstes machen wir uns auf den Weg zur zweiten Bühne. Dort spielen, zumindest heute, die interessanteren Bands, interessantere als auf der Hauptbühne.
Erst als wir backstage stehen, fällt mir auf, wie langweilig ein Festival doch sein kann, wenn man es nicht mitten in der Masse miterleben kann. Früher waren Sisar und ich oft bei Festivals und Konzerten, doch da waren wir nur normale Zuschauer, die höchstens für ihre Schülerzeitung einen Artikel verfassen mussten. Jetzt schreiben wir für wahrscheinlich die wichtigste Musikzeitschrift Deutschlands…
Etwas genervt sehe ich einer Newcomerband zu. Ihre Musik ist nicht schlecht, aber so macht das alles einfach keinen Spaß. Entweder ganz oder gar nicht, aber bestimmt nicht so! Morgen werde ich mich, wenn ich Zeit dazu finde, auf jeden Fall unter die feiernde Menschenmenge stürzen!



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